Bayern

Kirche in Bayern: Droht jetzt der Finanz-Kollaps?

Kirchenaustritte, sinkende Steuern, Millionenlücken: Wie stabil sind Bayerns Kirchen wirklich? Der Finanzcheck überrascht.

23.07.2026, 04:15 Uhr

Kirchenaustritte erhöhen den Spardruck in Bayerns Bistümern

Die beiden großen Kirchen verlieren auch in Bayern weiter viele Mitglieder. Im vergangenen Jahr traten in den katholischen Diözesen des Freistaats 81.852 Menschen aus der Kirche aus. Bei der evangelischen Landeskirche waren es rund 42.000. Der anhaltende Mitgliederschwund wirkt sich zunehmend auch auf die Finanzlage aus.

Die evangelische Kirche hat bereits angekündigt, den millionenschweren Zuschuss für ihr Medienhaus zu kürzen. Für das laufende Jahr rechnet sie dennoch mit einem kleinen Überschuss: Erwarteten Einnahmen von 967 Millionen Euro stehen Ausgaben von 959 Millionen Euro gegenüber.

Nach Einschätzung des Aachener Kirchenfinanzexperten Ralph Rotte stehen die großen katholischen Diözesen derzeit nicht unter akutem finanziellem Druck. Langfristig drohten jedoch sinkende Steuereinnahmen, falls die Zahl der Mitglieder weiter zurückgehe. Deshalb müsse klar zwischen kurzfristigen und langfristigen Finanzfragen unterschieden werden.

Passau: erneut kein ausgeglichener Haushalt

Das Bistum Passau plant auch in diesem Jahr mit einem Defizit. Erwartet wird ein Minus von 1,6 Millionen Euro. Damit fällt die Lücke deutlich kleiner aus als 2025, als noch 6 Millionen Euro fehlten.

Finanzdirektor Josef Sonnleitner rechnet in den kommenden Jahren nicht mit dramatischen Einbrüchen. Ein Grund sei, dass die verbliebenen Kirchenmitglieder im Schnitt mehr verdienten, etwa durch Tarifsteigerungen.

Regensburg: schwarze Null geplant

Im Bistum Regensburg wird für das laufende Jahr mit einer schwarzen Null kalkuliert. Einnahmen und Ausgaben sollen sich bei 383.262.300 Euro exakt die Waage halten. Den größten Anteil an den Erträgen macht die Kirchensteuer mit 315,5 Millionen Euro aus.

Ein besonders großer Ausgabenposten sind die Personalkosten, die 2026 auf gut 138 Millionen Euro beziffert werden.

Würzburg: Minus soll aus Rücklagen gedeckt werden

Die Diözese Würzburg erwartet für dieses Jahr ein Defizit von rund 1,1 Millionen Euro. Dieses soll durch Rücklagen ausgeglichen werden. Bei der Kirchensteuer rechnet das Bistum mit einem Zuwachs von etwa 1,8 Millionen Euro gegenüber 2025. Insgesamt sollen 179,7 Millionen Euro eingenommen werden. Damit stammen rund 80 Prozent des Gesamthaushalts aus Kirchensteuern.

Bamberg: fünf Millionen Euro Defizit

Deutlich höher fällt das erwartete Minus im Erzbistum Bamberg aus. Dort wird mit einem Fehlbetrag von 5 Millionen Euro gerechnet. Finanzdirektor Mathias Vetter hatte bereits auf die schwierigen Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit eines besonders sorgfältigen Umgangs mit den verfügbaren Mitteln hingewiesen.

Sparmaßnahmen und eine klare Prioritätensetzung sollen dazu beitragen, das Betriebsergebnis wieder zu verbessern und die wirtschaftliche Stabilität langfristig zu sichern.

Geplant sind Einnahmen von 229,8 Millionen Euro bei Ausgaben von 234,8 Millionen Euro. Die größten Mittel fließen in Seelsorge und Gebäude.

Augsburg: Diözese kündigt weiteren Sparkurs an

Neuere Einsparungen plant auch das Bistum Augsburg. Nach roten Zahlen in den vergangenen Jahren soll die Diözese schrittweise wieder in den positiven Bereich kommen. Finanzdirektor Dominikus Kleindienst kündigte bei der Vorlage der Bilanz 2025 an, dass künftig nicht jede frei werdende Stelle automatisch neu besetzt werden müsse.

Außerdem soll der große Immobilienbestand verkleinert werden, um Kosten zu senken. Im vergangenen Jahr wies das Bistum bei einer Bilanzsumme von 838 Millionen Euro einen Fehlbetrag von knapp 2 Millionen Euro aus. 2024 hatte das Defizit noch bei mehr als 11 Millionen Euro gelegen.

Eichstätt: kleiner Überschuss trotz sinkender Kirchensteuer

Das Bistum Eichstätt, gemessen an der Zahl der Katholiken das kleinste in Bayern, rechnet für das laufende Jahr mit einem leichten Plus von 721.500 Euro. Nach Angaben der Diözese bleibt die Finanzlage damit trotz rückläufiger Kirchensteuereinnahmen und steigender Personalkosten stabil.

Insgesamt sind Einnahmen von 180,4 Millionen Euro vorgesehen, darunter 104,2 Millionen Euro aus Kirchensteuern. Im Vorjahr waren es noch 106,4 Millionen Euro.

München und Freising: noch mit Plus, aber deutlicher Sparkurs

Das Erzbistum München und Freising, die größte katholische Diözese Bayerns, meldet für das vergangene Jahr unter dem Strich noch einen Überschuss von 74 Millionen Euro. Das Plus fiel allerdings deutlich geringer aus als 2024, als noch 146 Millionen Euro erzielt worden waren. Nach Angaben der Erzdiözese spielten dabei auch Einmaleffekte eine Rolle.

Gleichzeitig spürt das Erzbistum sinkende Einnahmen aus der Kirchensteuer. 2025 lagen diese bei knapp 630 Millionen Euro, nach 645 Millionen Euro im Jahr 2024. Belastend wirken außerdem der große Immobilienbestand, höhere Ausgaben für Löhne und Pensionen sowie die Inflation.

Die Verantwortlichen gehen deshalb in den kommenden Jahren von einem erheblichen Einsparbedarf aus. Schon in diesem Jahr sollen die Ausgaben reduziert werden. Für 2026 wird dennoch ein Defizit von 12 Millionen Euro erwartet, das durch zweckgebundene Rücklagen ausgeglichen werden soll.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Immobilienbestand: Systematisch soll geprüft werden, welche Gebäude in den Dekanaten tatsächlich gebraucht werden, welche Kirchen und Pfarrheime gemeinsam oder anders genutzt werden können und welche sich verkaufen lassen. Nach Angaben der Erzdiözese fließen jährlich rund 50 Millionen Euro Zuschuss an die Kirchenstiftungen für bisher rund 3.600 pastoral genutzte Gebäude.

Generalvikar Christoph Klingan betonte, die Kirche wolle trotz knapper werdender Mittel in der Gesellschaft präsent und wirksam bleiben, vor allem dort, wo Menschen Hilfe brauchten oder nach Gott suchten. Zugleich sei klar, dass nicht alles unverändert fortgeführt werden könne; Konzentration und Schwerpunktsetzung seien nun besonders wichtig.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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