Strom und Gas für Haushalte trotz Rückgang weiter deutlich teurer als vor der Energiekrise
Private Haushalte in Deutschland zahlen für Strom und Erdgas trotz zuletzt sinkender Preise weiterhin spürbar mehr als vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kostete eine Kilowattstunde Erdgas im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 11,58 Cent.
Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 entsprach das einem Rückgang von 5,3 Prozent, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 waren es 4,5 Prozent weniger. Entlastet wurden Verbraucherinnen und Verbraucher unter anderem durch den Wegfall der Gasspeicherumlage. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2021, also der Zeit vor Krieg und Energiekrise, liegt der Gaspreis für private Haushalte jedoch noch immer um 80,7 Prozent höher.
Auch Strom etwas günstiger
Bei den Strompreisen zeigt sich ein ähnliches Bild. Haushalte zahlten in den ersten sechs Monaten 2026 durchschnittlich 37,97 Cent je Kilowattstunde. Das waren 6,4 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025 und 4,9 Prozent weniger als im ersten Halbjahr desselben Jahres.
Als wesentlicher Grund gelten gesunkene Netzentgelte, die durch Bundeszuschüsse an die Netzbetreiber gedrückt wurden. Trotz des Rückgangs bleibt Strom für Privathaushalte deutlich teurer als vor der Energiekrise: Gegenüber dem Zeitraum vor dem Ukraine-Krieg liegt das Plus bei 16,4 Prozent.
Hohe Energiekosten bringen viele Menschen weiterhin in finanzielle Schwierigkeiten. Wie das Bundesamt bereits auf Grundlage von Daten für 2025 mitgeteilt hatte, lebten rund 3,8 Millionen Menschen in Deutschland in Haushalten, die nach eigener Auskunft mit Rechnungen ihrer Energieversorger im Rückstand waren.

Unternehmen zahlen im Schnitt weniger
Für Unternehmen und Behörden fielen die Preise im ersten Halbjahr 2026 im Durchschnitt niedriger aus. Erdgas kostete für diese Kundengruppe ohne Mehrwertsteuer und andere abziehbare Steuern im Schnitt 6,29 Cent pro Kilowattstunde. Für Strom wurden nach vorläufigen Angaben durchschnittlich 17,64 Cent je Kilowattstunde ohne Steuern fällig.
Erste Folgen der Hormus-Krise bei Firmenkunden
Bei den Gaspreisen für gewerbliche Abnehmer wie Industrieunternehmen sieht das Statistische Bundesamt bereits erste Auswirkungen der Krise in der Straße von Hormus. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 lagen die Preise hier um 1,8 Prozent höher.
Die für den internationalen Öl- und Gashandel bedeutende Meerenge ist seit Beginn des Krieges zwischen den USA und dem Iran Ende Februar faktisch blockiert. Da viele Lieferverträge langfristig abgeschlossen werden, kommen Veränderungen auf den Großhandelsmärkten bei Privatkunden in der Regel erst mit Verzögerung an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber