Rosalie Thomass, bekannt aus „Tatort“ und „Polizeiruf“, hat die Darstellung von Gewalt gegen Frauen in TV-Krimis deutlich kritisiert. Im Podcast „Zwischen den Zeilen“ von Bettina Böttinger sagte die 39-Jährige, sie ärgere sich schon seit Langem über das immer gleiche Bild der „geschändeten, blonden, dekorativen, nackten Frauenleiche“ im Gebüsch oder am Flussufer. Damit unterstützte sie die Kritik der Moderatorin.
Böttinger hatte in dem Gespräch bemängelt, dass sie besonders bei „Tatort“ und „Polizeiruf“ seit Jahren das Motiv der gejagten, misshandelten oder getöteten Frau störe. Thomass sagte dazu, diese Darstellung rege sie schon „seit vielen, vielen Jahren“ auf. Auch den Boom um True Crime könne sie nicht nachvollziehen. Angesichts der Realität, dass es alle zwei oder drei Tage zu einem Femizid komme, fehle ihr dafür jedes Verständnis.
Neue Rolle im Franken-„Tatort“ ab Oktober
Ab Oktober ist Thomass selbst im Franken-„Tatort“ als Ermittlerin zu sehen. Sie übernimmt die Rolle von Emilia Rathgeber, die neue Partnerin von Felix Voss, gespielt von Fabian Hinrichs. Ihr erster gemeinsamer Fall trägt den Titel „Gottesgarten“ und läuft am 25. Oktober. Darin werden die beiden in ein Nürnberger Stundenhotel gerufen, wo ein Travestiekünstler erstochen aufgefunden wird.
Als zentrales Problem bezeichnet Thomass den sogenannten „Male Gaze“, also den männlichen Blick auf solche Darstellungen. Wenn immer wieder gezeigt werde, wie eine Frau blutüberströmt und „schön zerstochen“ daliege, ohne diese Bildsprache zu hinterfragen, werde das irgendwann als normal wahrgenommen, sagte sie. Gerade bei Szenen sexualisierter Gewalt gegen Frauen müsse man sich fragen, ob solche Bilder überhaupt notwendig seien oder ob sich das Geschehen nicht auch nur über den Ton vermitteln lasse. Den Rest, so Thomass, könne sich jeder selbst vorstellen.
Von Femizid spricht man, wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden. Am häufigsten geschieht dies durch Partner oder Ex-Partner.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber