Wirtschaft

Tankrabatt? Die Spritkrise in 7 harten Zahlen

Rekord an der Zapfsäule: Was September, Tankrabatt und Spritkrise Fahrer und Staat wirklich kosten – und wie krass der Vergleich ist.

30.09.2026, 04:15 Uhr

September steuert auf neuen Rekord bei den Spritpreisen zu

Schon vor Monatsende ist absehbar: Der September wird der bislang teuerste Tankmonat in Deutschland. Selbst wenn Benzin und Diesel am letzten Tag des Monats kostenlos abgegeben würden, lägen die Durchschnittspreise immer noch über den bisherigen Höchstständen. Auch bei Tankrabatt, Inflation und den Belastungen für Autofahrer lassen sich die Auswirkungen recht genau beziffern.

September dürfte Rekordmonat werden

Nach 28 Tagen lag der Durchschnittspreis für E10 laut ADAC bei knapp 2,27 Euro je Liter, Diesel kam auf etwa 2,38 bis 2,39 Euro. Die Tagespreise lagen zuletzt beim E10 in etwa auf diesem Niveau, beim Diesel sogar noch etwas darüber. Sofern es keine außergewöhnlichen Preissprünge mehr gibt, werden sich auch die Monatsmittel in diesem Bereich einpendeln.

Die bisherigen Monatsrekorde lagen deutlich niedriger: Für E10 bei 2,145 Euro und für Diesel bei 2,263 Euro pro Liter. Damit würde der September beide Bestmarken um mehr als zehn Cent übertreffen.

Fallen die Preise bald wieder unter 2 Euro?

Kurzfristig ist das kaum zu erwarten. Der ab Donnerstag geltende Tankrabatt bringt pro Liter zwar eine steuerliche Entlastung von 16,7 Cent. Angesichts der aktuellen Preise reicht das aber nicht, um E10 oder Diesel unter die Marke von 2 Euro zu drücken. Am Montag kostete E10 im Tagesdurchschnitt 2,276 Euro pro Liter, Diesel 2,425 Euro.

Wie teuer ist Sprit im historischen Vergleich unter Berücksichtigung der Inflation?

Nominal sind die aktuellen Preise sehr hoch, inflationsbereinigt jedoch nicht ohne Vorbild. Seit März 2022, als die Kraftstoffpreise bereits stark gestiegen waren, hat sich das allgemeine Preisniveau um rund 19 Prozent erhöht. Rechnet man die damaligen Preise auf das heutige Niveau hoch, ergäben sich etwa 2,41 Euro für E10 und rund 2,49 bis 2,50 Euro für Diesel pro Liter. Das liegt über den Werten des laufenden Septembers.

Kraftstoffpreise
Der September ist der teuerste Tankmonat bisher. (Archivbild) Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Auch mit weiterem Rückblick zeigt sich: Vor allem bei E10 gab es bereits 2012 mehrere Monate, deren Durchschnittspreise inflationsbereinigt ähnlich hoch oder leicht höher waren. Insgesamt bewegten sich die Kraftstoffpreise in den Jahren 2011 bis 2014 auf einem hohen Niveau. Umgerechnet auf heutige Preise lag E10 damals in vielen Monaten ebenfalls über 2 Euro je Liter.

Was bringt der Tankrabatt einzelnen Autofahrern?

Wie stark die Entlastung ausfällt, hängt vom Verbrauch, der Fahrleistung und davon ab, ob der Rabatt vollständig an die Kunden weitergegeben wird. Beispielrechnungen zeigen aber eine grobe Größenordnung.

Ein Dieselauto mit 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometer benötigt in drei Monaten rechnerisch 262,5 Liter Kraftstoff. Bei 16,7 Cent Rabatt pro Liter ergibt das eine Entlastung von knapp 44 Euro.

Ein Benziner mit 9.000 Kilometern im Jahr und 8 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer kommt im selben Zeitraum auf 180 Liter. Die Ersparnis läge damit bei rund 30 Euro. Wer viel pendelt und mit einem Diesel 30.000 Kilometer pro Jahr fährt, könnte etwa 88 Euro sparen.

Wer seine Tankfüllungen geschickt plant, kann etwas mehr herausholen – etwa indem der Tank vor Beginn des Rabatts möglichst leer gefahren und kurz vor dessen Ende noch einmal vollständig gefüllt wird.

Was hat der Krieg Autofahrer bislang gekostet?

Eine pauschale Summe lässt sich kaum nennen, weil höhere Öl- und Kraftstoffpreise auch andere Lebensbereiche verteuern, etwa über steigende Transportkosten bei Lebensmitteln. Mit typischen Beispiel-Fahrzeugen lässt sich aber abschätzen, wie stark die Belastung an der Zapfsäule war.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs lag Benzin im Schnitt um etwa 29 Cent pro Liter höher als am letzten Tag vor Kriegsbeginn. Bei Diesel betrug der Aufschlag rund 38 Cent.

Für den typischen Benzinfahrer mit rechnerisch 420 Litern Verbrauch in diesem Zeitraum ergibt das Mehrkosten von knapp 122 Euro – also weniger als 60 Cent pro Tag.

Ein typischer Dieselfahrer kam auf etwa 612,5 Liter und damit auf zusätzliche Kosten von knapp 233 Euro, also etwas mehr als einen Euro täglich. Bei einem Pendler mit 30.000 Kilometern Jahresleistung und Dieselantrieb summiert sich der Mehrbetrag auf rund 466 Euro.

Was kostet der Tankrabatt den Staat?

Nach Erwartungen der Bundesregierung führt die Maßnahme zu Mindereinnahmen bei der Steuer von 2,485 Milliarden Euro. Die Hälfte dieser Last sollen diesmal die Länder tragen.

Verändert der hohe Spritpreis das Fahrverhalten?

Das lässt sich nicht eindeutig belegen, Hinweise auf einen Effekt gibt es aber. Daten der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen zeigen in einigen Monaten leicht rückläufiges Verkehrsaufkommen. Zudem verzeichnete das Statistische Bundesamt bei Tankstellenumsätzen preisbereinigt im April, Mai und Juli Rückgänge von 8,6, 5,0 und 8,8 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat.

Diese Zahlen umfassen zwar auch weitere Verkäufe an Tankstellen. Da solche Zusatzkäufe jedoch nur einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes ausmachen, spricht vieles dafür, dass auch der Kraftstoffabsatz in diesen Monaten zurückgegangen ist. Daten für August und September liegen bislang noch nicht vor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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