Viele Beschäftigte arbeiten vor allem fürs Gehalt
Für viele Menschen in Deutschland hat der Beruf offenbar deutlich an Bedeutung verloren. Nach einer YouGov-Befragung für die neue Berufestudie des Versicherers HDI geben 59 Prozent der Erwerbstätigen an, nur noch oder in erster Linie wegen des Geldes zu arbeiten. Das sind 17 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und beinahe doppelt so viele wie noch vor der Corona-Pandemie 2019.
Auch der Wunsch nach einem schnellen Ausstieg aus dem Berufsleben ist weit verbreitet. In der Altersgruppe von 15 bis 54 Jahren sagte mit 54 Prozent mehr als die Hälfte, sie würde die Arbeit möglichst sofort beenden, wenn sie finanziell nicht mehr darauf angewiesen wäre. Unter den 55- bis 64-Jährigen liegt dieser Anteil mit 63 Prozent sogar noch höher.
Deutlicher Wandel bei der Haltung zur Arbeit
Im Vergleich zum vergangenen Jahr waren sowohl Jüngere als auch Ältere noch deutlich motivierter. Besonders stark habe die Bedeutung des Berufs bei den älteren Jahrgängen nachgelassen, so die Auftraggeber der Studie. HDI-Vorstandsmitglied Holm Diez sprach von einem klar erkennbaren Wertewandel im Verhältnis zur Arbeit.
Trotzdem kann sich in der Gruppe bis 54 Jahre noch eine knappe Mehrheit von 54 Prozent ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. Für die Untersuchung wurden zwischen dem 10. Juni und dem 3. Juli insgesamt 3.844 Erwerbstätige befragt. Laut HDI sind die Ergebnisse repräsentativ für Deutschland insgesamt sowie für die einzelnen Bundesländer.
Künstliche Intelligenz sorgt für gemischte Reaktionen
Ein zentrales Thema der Studie war der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt. Die Einschätzungen fallen dabei zwiespältig aus. Rund ein Viertel der Befragten erwartet oder erlebt bereits Vorteile in drei Bereichen: Entlastung bei Routineaufgaben, bessere Arbeitsergebnisse und eine höhere Produktivität.
Gleichzeitig sehen viele auch Risiken. 42 Prozent rechnen damit, dass KI zum Abbau von Arbeitsplätzen führen wird. Neun Prozent berichten, dass sie solche Entwicklungen in ihrem persönlichen Umfeld schon beobachtet haben.
Diese Berufe gelten als besonders gefährdet
Bei der Frage, welche Berufe durch KI am ehesten ersetzt werden könnten, zeigt sich kein vollständiger Konsens, aber eine klare Tendenz. 41 Prozent der Befragten meinen, dass vor allem IT-Entwickler durch die Technologie überflüssig werden könnten. Danach folgen Finanz- und Steuerberatung mit 38 Prozent, Werbung und Marketing mit 36 Prozent sowie Verwaltungsberufe mit 35 Prozent.
Am wenigsten bedroht sehen die Befragten dagegen den Kochberuf: Nur drei Prozent glauben, dass KI Menschen am Herd ersetzen kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber