Fußball

Man City vor dem Crash? Ex-Boss fordert Zwangsabstieg

Absturz statt Titel? Ex-ManCity-Boss fordert knallharte Strafe – auch ein Ex-Profi und die Sportministerin sind entsetzt.

30.09.2026, 07:39 Uhr

Bernstein fordert nach City-Urteil Zwangsabstieg – Manchester kündigt Berufung an

Der Finanzskandal um Manchester City erschüttert den englischen Fußball. Nach dem Schuldspruch einer unabhängigen Kommission hat der frühere Club-Vorsitzende David Bernstein harte Konsequenzen verlangt. Gegenüber der BBC sagte der langjährige Anhänger des Vereins, sollte das Urteil auch nach der Berufung Bestand haben, dürfe City nicht in der Premier League bleiben. Der Club müsse dann mit einer Strafe belegt werden, die ihn aus der höchsten englischen Spielklasse entfernt. Bernstein betonte, er sage das als Unterstützer und Fan seit 70 Jahren.

Die unabhängige Kommission befand den englischen Spitzenclub in sämtlichen Anklagepunkten wegen Verstößen gegen die Finanzregeln der Premier League zwischen den Spielzeiten 2009/10 und 2017/18 für schuldig. Im Kern geht es um falsche Angaben zu Finanzen und Sponsoringeinnahmen sowie um unvollständige Informationen zu Trainer- und Spielergehältern. Nach Darstellung der Liga soll Manchester City Einnahmen unter anderem über Scheinverträge mit Sponsoren künstlich erhöht und zugleich Kosten gedrückt haben. Den Effekt dieses Modells bezifferte die Kommission für den betroffenen Zeitraum auf mehr als 900 Millionen Pfund, umgerechnet rund 1,05 Milliarden Euro. Zusätzlich wirft die Premier League dem Club mangelnde Kooperation bei der Aufklärung vor.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch die Enthüllungen der „Football Leaks“ im „Spiegel“. Nach jahrelangen Untersuchungen hatte die Premier League den seit 2008 Scheich Mansour aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi gehörenden Verein im Februar 2023 angeklagt.

Welche Konsequenzen Manchester City drohen

Wie hart die Sanktionen ausfallen, ist noch offen. Über das Strafmaß soll erst in einer weiteren Anhörung vor der unabhängigen Kommission entschieden werden. Im Raum stehen ein massiver Punktabzug, ein Ausschluss aus der Premier League und sogar nachträgliche Titelaberkennungen, wobei Letzteres als eher unwahrscheinlich gilt. Schon jetzt ist der Imageschaden für den Champions-League-Sieger von 2023 enorm.

Premier-League-Chef Richard Masters sprach vom „bedeutendsten Fall in der Geschichte der Premier League“. Auch die britische Sportministerin Lisa Nandy bezeichnete den Fall als äußerst gravierend. Der Bericht der Liga sei in seiner Deutlichkeit erschütternd, sagte sie.

Manchester City war bereits 2020 von der UEFA wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay für zwei Jahre von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen worden. Der Internationale Sportgerichtshof Cas hob diese Sperre später auf und reduzierte die Geldstrafe von 30 auf 10 Millionen Euro. Ob nun erneut Ärger mit der UEFA droht, ist offen. Nach Angaben der Premier League wurden auch UEFA-Regeln verletzt, eine Stellungnahme der Europäischen Fußball-Union gibt es bislang nicht.

Manchester City spricht von Fehlern und geht in Berufung

Für Bernstein reichen Geldstrafen nicht aus. Er argumentierte, finanzielle Sanktionen würden die Eigentümer aus Abu Dhabi kaum treffen. Entscheidend sei vielmehr, die Integrität und Glaubwürdigkeit der Premier League zu schützen. Besonders schockierend sei, dass die Liga von über Jahre eingereichten falschen Unterlagen und einem entsprechenden Verhaltensmuster spreche. Der 83-Jährige stand Manchester City von 1998 bis 2003 als Vorsitzender vor.

Der Club selbst weist die Vorwürfe weiterhin zurück. Geschäftsführer Ferran Soriano sprach von einer „Verschwörungstheorie der Premier League“. In einer Stellungnahme kündigte Manchester City bereits Berufung an. Das Urteil enthalte „eindeutige wesentliche Fehler in rechtlicher Hinsicht sowie bei Grundsätzen und Tatsachen“ und sei deshalb nicht haltbar, erklärte der Verein.

Bereits zuvor hatte Clubchef Khaldoon al-Mubarak die Fans auf einen harten Konflikt eingeschworen. Es gebe noch immer viele, die den Aufschwung des Clubs untergraben wollten, schrieb er.

Nicht nur Bernstein zeigt sich fassungslos

Auch Roy Keane reagierte entsetzt. Der frühere Kapitän von Manchester United sagte bei ITV Sport, als Spieler würde er solche Medaillen „zu 100 Prozent in die Tonne werfen“. Für ihn sei das Betrug. Keane warf dem Club zudem vor, trotz des Wissens um die möglichen Folgen für viele Beteiligte so gehandelt zu haben.

Betroffen sind nach Einschätzung in England nicht nur direkte Titelrivalen wie Liverpool oder Manchester United, die in den fraglichen Jahren sportliche Nachteile erlitten haben könnten. Auch Clubs, die gegen City aus Pokalwettbewerben ausschieden oder am Saisonende abstiegen, könnten Schadenersatzforderungen prüfen. Neben den Sanktionen der Premier League könnten auf Manchester City daher zusätzliche Klagen zukommen.

In den Jahren des nun verhandelten Zeitraums spielten auch mehrere prominente deutsche oder deutschsprachige Profis für den Club, darunter Ilkay Gündogan und Leroy Sané. Auch der heutige Bayern-Trainer Vincent Kompany erlebte die betroffenen Jahre in Manchester als Spieler.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen