Wirtschaft

Sonnenfinsternis: Droht doch keine Stromlücke?

Strompreise am Abend explodieren – doch fast niemand merkt’s. Warum die Sonnenfinsternis für Verbraucher wohl folgenlos bleibt

12.08.2026, 14:03 Uhr

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber rechnen durch die Sonnenfinsternis am Abend nicht mit Problemen für die Stromversorgung. Nach ihren Angaben wird die Einspeisung aus Solaranlagen etwas früher zurückgehen als an einem üblichen Sommerabend. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt vom Wetter ab. Für die Versorgungssicherheit am 12. August sehen die Netzbetreiber dennoch keine Risiken.

Viele Menschen wollen das Himmelsereignis am Abend am westlichen Horizont verfolgen. Kurz vor Sonnenuntergang schiebt sich der Mond vor die Sonne, sodass es in weiten Teilen Europas vorübergehend dämmrig oder sogar dunkel werden kann. In Deutschland wird die Sonne zwar nicht komplett bedeckt, jedoch in vielen Regionen zu einem großen Teil.

Verband: Kein wesentlicher Einfluss auf abendliche Preisspitzen

Zeitgleich mit der Sonnenfinsternis ziehen am Stromgroßmarkt die Preise für kurzfristig beschaffte Strommengen am Abend für kurze Zeit an. Der Energiewirtschaftsverband BDEW betonte jedoch auf Anfrage der dpa, dass die geringere Solarstromproduktion durch die Sonnenfinsternis dabei kaum ins Gewicht falle. Für den Abend werde keine relevante Veränderung beim Einspeiseprofil der Photovoltaik erwartet. Die Auswirkungen auf die Solarstromerzeugung seien daher vernachlässigbar.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae erklärte, solche Preisspitzen am Abend seien derzeit regelmäßig zu beobachten und nicht speziell auf diesen Tag zurückzuführen. In den Abendstunden sei der Strombedarf besonders hoch, während aus Photovoltaik dann kaum noch Energie komme. Wenn zusätzlich wenig Wind weht, steigen die Preise kurzfristig, weil dann vergleichsweise teure Kraftwerke einspringen müssen. Schon ein kleiner zusätzlicher Bedarf könne unter diesen Bedingungen deutliche Preissprünge auslösen.

Großhandelspreise steigen zeitweise deutlich

Während eine Kilowattstunde Strom im Großhandel in den vergangenen drei Tagen zwischen 19.45 und 20 Uhr bei rund 19 bis 20 Cent lag, werden für Mittwochabend mehr als 46 Cent erwartet. Ab 20 Uhr liegt der Preis noch bei über 40 Cent. Danach entspannt sich die Lage wieder: Für die Zeit ab 20.30 Uhr werden etwas mehr als 25 Cent pro Kilowattstunde erwartet.

Bundesnetzagentur: Europaweit steht weniger Solarstrom zur Verfügung

Die Bundesnetzagentur wies darauf hin, dass die Einspeisung aus Photovoltaikanlagen wegen der Sonnenfinsternis im Vergleich zu den Vortagen für etwa 30 bis 45 Minuten zurückgeht. Gleichzeitig werde ein höherer Strombedarf prognostiziert als am Tag zuvor. Dadurch fehle im europäischen Binnenmarkt ein gewisser Anteil an Solarstrom, was auch den grenzüberschreitenden Stromhandel einschränke. Wenn das Angebot europaweit sinkt, die Nachfrage aber ähnlich hoch bleibt, führt das zu steigenden Großhandelspreisen im gesamten europäischen Markt.

Haushalte meist kaum betroffen

Für die meisten Haushalte hat dieser kurzfristige Preisanstieg keine direkten Folgen, da sie Strom zu festen Tarifen beziehen. Nur ein kleiner Teil der Kundinnen und Kunden nutzt dynamische Tarife, bei denen sich der Preis an den aktuellen Börsenstrompreisen orientiert.

Der BDEW betonte zudem, dass Verbraucher mit dynamischen Tarifen die höheren Preise in den Abendstunden im Voraus sehen können. Sie haben dadurch die Möglichkeit, ihren Stromverbrauch entsprechend zu verschieben. Gleichzeitig profitieren sie tagsüber von den derzeit niedrigen Strompreisen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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