Politik

China trauert: Ex-Ministerpräsident Zhu Rongji ist tot

Er ebnete Chinas Weg in die Weltwirtschaft – nun ist Ex-Regierungschef und Reformarchitekt Zhu Rongji mit 97 gestorben.

12.08.2026, 13:01 Uhr

Ex-chinesischer Premier Zhu Rongji mit 97 Jahren gestorben

Der frühere chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji ist tot. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, starb er am Mittwoch im Alter von 97 Jahren in Peking nach einer Krankheit.

Zhu stand von 1998 bis 2003 an der Spitze der chinesischen Regierung und prägte in dieser Zeit vor allem die Wirtschaftspolitik des Landes. Er gilt als einer der wichtigsten Reformer der Volksrepublik und als Mitgestalter des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas zur heute zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Zu seinem Vermächtnis zählen der Umbau Chinas hin zu mehr Marktwirtschaft sowie der Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001. Dieser Schritt zog erhebliche Auslandsinvestitionen an und leitete eine Phase schnellen Wachstums im Außenhandel ein. In seiner Amtszeit wurden zudem das staatliche Wohnungswesen privatisiert sowie Reformen in Regierung, Finanzsektor und Staatsunternehmen vorangetrieben.

Schon vor seiner Zeit als Regierungschef hatte Zhu entscheidenden Einfluss. Ab Anfang der 1990er Jahre stellte er sich als stellvertretender Ministerpräsident und Zentralbankchef gegen die hohe Inflation und erwarb sich damit in Peking den Ruf eines durchsetzungsstarken Krisenmanagers. 1997 stieg er in der Machtordnung der Partei bis auf Rang drei auf.

Zhu galt als pragmatischer Macher, der Probleme direkt anging. Zugleich war er für seine Ungeduld bekannt. Die von ihm mitangestoßenen Veränderungen hatten jedoch auch harte Folgen: Millionen Arbeiter verloren im Zuge der Umstrukturierung von Staatsbetrieben ihre Arbeitsplätze. Der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft war für viele Menschen schmerzhaft.

Geboren wurde Zhu 1928 in Changsha in der Provinz Hunan. Er studierte Elektrotechnik an der Tsinghua-Universität in Peking und begann danach seine Laufbahn in der staatlichen Planung. Mit Gründung der Volksrepublik 1949 trat er der Kommunistischen Partei bei.

Sein Aufstieg verlief nicht ohne Rückschläge. Ende der 1950er Jahre geriet er wegen Kritik an der Wirtschaftspolitik Mao Zedongs ins Visier der Partei, wurde als Rechtsabweichler abgestempelt, ausgeschlossen und aufs Land geschickt. Auch während der Kulturrevolution erlitt er erneut politische Repressionen. Später kehrte Zhu jedoch in die Führungskreise zurück.

In den 1980er Jahren arbeitete er an Industriestrategien mit und befürwortete Auslandsinvestitionen. Deng Xiaoping machte ihn 1988 zum Bürgermeister von Shanghai, später wurde er dort auch Parteichef. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 gelang es Zhu in Shanghai, die Lage vergleichsweise zurückhaltend zu entschärfen. 1991 wechselte er als stellvertretender Ministerpräsident in die Zentralregierung zurück.

Auch nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik blieb sein Einfluss spürbar. Zu seinen Bewunderern zählten unter anderem der frühere US-Außenminister Henry Kissinger und Altbundeskanzler Helmut Kohl. Beide verfassten Vorworte für ein 2015 erschienenes Buch von Zhu. Aus der Öffentlichkeit hielt sich der Ex-Regierungschef im Ruhestand weitgehend heraus und trat nur noch selten in Erscheinung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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