Wirtschaft

Weniger Arbeit im Schnitt – nur Ältere legen zu

Warum arbeiten Männer und Jüngere plötzlich weniger – während Frauen stabil bleiben? Die überraschenden Gründe.

12.08.2026, 09:00 Uhr

Nach mehreren Jahren des Anstiegs ist die durchschnittliche Arbeitszeit je Einwohner in Deutschland zuletzt leicht zurückgegangen. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) errechnete für das Jahr 2025 bei den 20- bis 64-Jährigen eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 28,5 Stunden. Das sind 0,3 Stunden weniger als beim Höchststand 2023 mit 28,8 Stunden.

Die Kennziffer beschreibt nicht nur die Arbeitszeit von Erwerbstätigen, sondern die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Menschen zwischen 20 und 64 Jahren. Nach Angaben des BiB ist sie damit ein wichtiger Indikator für das verfügbare Arbeitskräftepotenzial. Der Rückgang im vergangenen Jahr entspreche rechnerisch etwa 460.000 Vollzeitstellen. Besonders deutlich fiel das Minus bei Männern sowie in den jüngeren und mittleren Altersgruppen von 25 bis 54 Jahren aus. Bei Älteren nahm die Arbeitszeit dagegen weiter zu.

Als Hauptursache verweist das Institut auf die schwache Konjunktur. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gehe die Arbeitszeit pro Kopf typischerweise zurück, erklärte BiB-Forscher Harun Sulak. Bei Frauen blieb sie mit gut 24 Stunden pro Woche hingegen weitgehend stabil. Ein Grund dafür seien anhaltende Fachkräfteengpässe etwa in Bildung, Kinderbetreuung und Gesundheitsberufen, in denen Frauen überdurchschnittlich oft beschäftigt sind.

Unterschiede nach Bildungsniveau

Bei Menschen über 60 Jahren stieg die Arbeitszeit laut Auswertung erneut an. Dazu trage unter anderem die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters bei. Unterschiede zeigen sich auch beim Bildungsniveau: Am stärksten sank die Arbeitszeit pro Kopf bei Personen mit niedrigem Bildungsabschluss, während der Rückgang bei höher Qualifizierten geringer ausfiel.

BiB-Forschungsdirektor Sebastian Klüsener betonte, dass die Zahl der Erwerbspersonen in den kommenden Jahrzehnten wegen der alternden Bevölkerung weiter abnehmen werde. Die Arbeitszeit pro Kopf mache sichtbar, in welchem Umfang vorhandene Erwerbspotenziale tatsächlich ausgeschöpft werden, und werde deshalb künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Grundlage der Berechnungen sind Daten aus dem Mikrozensus. Zudem wurden die Werte altersstandardisiert und auf die Bevölkerungsstruktur des Jahres 2025 bezogen, um demografische Veränderungen als Einflussfaktor herauszurechnen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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