Wirtschaft

Shisha-Tabak bald doppelt so teuer?

Shisha-Fans aufgepasst: Der süße Rauch könnte bald richtig teuer werden – und viele ahnen nicht, was dahintersteckt.

28.06.2026, 10:45 Uhr

Shisha-Tabak könnte bis 2030 deutlich teurer werden

Wer in Deutschland Shisha raucht, muss sich voraussichtlich auf spürbar höhere Preise einstellen. Nach einem Entwurf zur Änderung des Tabaksteuergesetzes sowie einer Steuerstatistik soll die Abgabenlast auf Wasserpfeifentabak schrittweise steigen: von derzeit rund 56 Euro je Kilogramm auf 188,46 Euro pro Kilo bis zum Jahr 2030.

Nach Angaben des Bundesverbands Wasserpfeifentabak kostet ein Kilogramm Shisha-Tabak aktuell im Durchschnitt etwa 139 Euro im Verkauf. Künftig könnten die Preise nach Einschätzung des Verbands auf etwa 250 bis 300 Euro je Kilogramm klettern. Der entsprechende Gesetzentwurf stammt aus dem Bundesfinanzministerium und könnte vergleichsweise schnell beschlossen werden.

Branche warnt vor mehr Schwarzmarkt

Der Verband sieht die geplante Steuererhöhung kritisch und befürchtet eine stärkere Verlagerung in den illegalen Handel. Schon mit dem ersten vorgesehenen Schritt im Januar 2027 würde sich die Steuer auf Wasserpfeifentabak nahezu verdoppeln, danach wären weitere Anhebungen geplant.

Verbandschef Folke Rega hält die vorgesehenen Erhöhungen für überzogen. Ein legaler Markt funktioniere nur, wenn die Unternehmen ausreichende Mengen verkaufen könnten. Genau das sei jedoch bedroht, wenn eine 200-Gramm-Dose künftig rund 60 Euro kosten würde. Momentan liege der Preis für diese Menge noch bei etwa 25 bis 30 Euro.

Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland rauchen Shisha

Schätzungen zufolge nutzen in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen Wasserpfeifen. Grundlage ist eine Erhebung aus dem Jahr 2023: Laut Debra-Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf rauchen 1,8 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren Shisha.

Shisha-Rauchen
Besucher der Fachmesse Intertabac beim Wasserpfeife-Rauchen. Quelle: Wolf von Dewitz/dpa

Gesundheitsexperten weisen seit Langem auf die Risiken hin. Dass das Wasser in der Pfeife den Rauch wirksam filtere und dadurch harmloser mache, gilt unter Fachleuten als Irrglaube.

Ein Viertel des in Deutschland verkauften Wasserpfeifentabaks wird nach Angaben der Branche in rund 5.000 Shisha-Bars konsumiert. Der überwiegende Teil entfällt auf private Verbraucher. Zudem gibt es demnach ungefähr 2.500 Verkaufsstellen wie Kioske oder Tankstellen sowie rund 200 Großhändler.

Frühere Regulierung belastete den legalen Markt

Die Branche verweist auch auf schlechte Erfahrungen mit einer strengen Verpackungsvorgabe, die zwischen 2022 und 2024 galt. In dieser Zeit nahm der Schwarzmarkt nach Einschätzung des Verbands stark zu. Während die Importmengen spezieller Shisha-Kohle stabil geblieben seien, sei die Menge des versteuerten Wasserpfeifentabaks deutlich gesunken.

Fachleute erklärten diese Entwicklung damit, dass Konsumenten die Kohle weiterhin legal einkauften, beim Tabak jedoch zunehmend auf illegale Bezugsquellen auswichen. Der Bundesverband Wasserpfeifentabak ging damals davon aus, dass bis zu 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Shisha-Tabaks aus nicht legalen Kanälen stammten.

Später nahm der Gesetzgeber die Verpackungsregelung wieder zurück. Aus Sicht der Branche wurde dem Schwarzmarkt dadurch zumindest teilweise die Grundlage entzogen. Nun wächst die Sorge, dass die geplante Steuerreform erneut einen Schub für illegale Anbieter auslösen könnte.

Verband sieht legale Anbieter bedroht

Rega glaubt nicht, dass der Staat mit den Plänen tatsächlich höhere Steuereinnahmen erzielen wird. Stattdessen drohe aus seiner Sicht sogar der Ausfall legaler Steuereinnahmen, während kriminelle Strukturen profitieren könnten.

Nach Einschätzung des Verbands könnte auch die Produktion in Deutschland unwirtschaftlich werden. Hersteller müssten hohe Sicherheiten hinterlegen und in Technik zur Dokumentation und Rückverfolgbarkeit investieren. Hinzu kämen weitere staatliche Auflagen, etwa zur Einhaltung von Qualitätsstandards. Insgesamt summierten sich die jährlichen Kosten laut Rega auf mindestens 250.000 Euro.

Wenn Unternehmen gleichzeitig wüssten, dass sie ihre Preise wegen der Steuer massiv anheben müssten und dadurch die Nachfrage einbrechen würde, sei eine Geschäftsaufgabe naheliegend, argumentiert der Verband. Im schlimmsten Fall würde dann fast nur noch illegal importierte Ware über das Internet nach Deutschland gelangen. Die Folge wäre nach dieser Einschätzung ein Zusammenbruch des legalen Marktes – und am Ende auch keine zusätzlichen Einnahmen für den Staat.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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