Wirtschaft

Tankrabatt endet: Jetzt noch volltanken – aber wann?

Tankrabatt endet Dienstag: Was die 1,6-Milliarden-Maßnahme wirklich brachte – und warum Sie besser jetzt tanken sollten

28.06.2026, 04:30 Uhr

Tankrabatt endet zum Monatswechsel: Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Der befristete Tankrabatt läuft in wenigen Tagen aus. Bis Ende des Monats gelten noch die niedrigeren Steuersätze auf Kraftstoffe. Danach dürfte Tanken wieder spürbar teurer werden. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

Werden die Spritpreise steigen?

Vieles spricht dafür. Für Kraftstoff, der ab dem 1. Juli aus Raffinerien oder Tanklagern ausgeliefert wird, greift wieder die reguläre Energiesteuer. Zusammen mit der Mehrwertsteuer entspricht das einem Aufschlag von 16,7 Cent je Liter. Nach Einschätzung des ADAC-Kraftstoffexperten Christian Laberer ist damit zu rechnen, dass sich die Preise ungefähr in dieser Größenordnung erhöhen.

Ab wann gilt der höhere Preis?

Dabei spielt die sogenannte 12-Uhr-Regel eine besondere Rolle: Tankstellen dürfen ihre Preise nicht um Mitternacht anheben, sondern erst mittags um 12 Uhr. Eine Sonderregel zum Ende des Tankrabatts ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums nicht vorgesehen.

Deshalb könnte es sein, dass einzelne Stationen bereits am 30. Juni zur Mittagszeit deutlicher erhöhen oder ihre Preise im Tagesverlauf weniger stark senken. Bei vielen Tankstellen wird der eigentliche Sprung aber wohl erst am 1. Juli gegen Mittag sichtbar.

Wichtig ist zudem: Maßgeblich für die Steuer ist nicht der Zeitpunkt des Verkaufs, sondern der Zeitpunkt der Lieferung. Deshalb dürften die meisten Tankstellen am Vormittag des 1. Juli zunächst noch Kraftstoff aus bereits begünstigten Beständen verkaufen. Teilweise könnte das sogar noch etwas länger der Fall sein. Laberer sagt zwar, dass die Preise eigentlich erst in den ersten Julitagen steigen müssten, hält das mit Blick auf die Erfahrungen aus dem ersten Tankrabatt 2022 aber eher für unwahrscheinlich.

Tankstelle
Der Bund verzichtete mit dem Tankrabatt auf Steuern von über eineinhalb Milliarden Euro. Quelle: Fabian Sommer/dpa

Drohen wieder mehr als 2 Euro pro Liter?

Das muss nicht zwangsläufig so kommen. Wenn sich die Lage auf dem Ölmarkt weiter entspannt, sollten die Preise nach Einschätzung von Laberer auch ohne Tankrabatt fairerweise unter der Marke von 2 Euro bleiben. Bei Diesel deuteten die jüngsten Preisentwicklungen darauf hin. Bei Benzin könnte es allerdings knapp werden.

Wann sollten Autofahrer am besten tanken?

Wer noch vom Rabatt profitieren will, sollte möglichst noch im Juni tanken – idealerweise am späten Vormittag. Laut Laberer ist Kraftstoff kurz vor dem täglichen Preissprung um 12 Uhr häufig am günstigsten. Weil dann jedoch mit größerem Andrang zu rechnen ist, sollten Autofahrer nicht bis zur letzten Minute warten. Angesichts der Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt steigender Preise gilt der 29. Juni als vergleichsweise sichere Option.

Was kostet der Tankrabatt den Staat?

Nach einer früheren Schätzung des Bundesfinanzministeriums belaufen sich die Kosten für den Bund auf rund 1,6 Milliarden Euro. Wie hoch die tatsächliche Belastung am Ende ausfällt, soll allerdings erst in einigen Monaten feststehen.

Auch die von der Koalition eingesetzte Taskforce verweist beim Auslaufen der Maßnahme auf die hohen Kosten. Der CDU-Politiker Sepp Müller, einer der Leiter des Gremiums, betont, dass Steuergeld nur einmal ausgegeben werden könne. Statt einer weiteren Verlängerung solle das Geld lieber in eine Einkommensteuerreform fließen, die dauerhaft entlaste. Diese Reform ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen, konkrete Einzelheiten sind jedoch noch offen.

Kam die Entlastung vollständig bei den Verbrauchern an?

Darüber gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Der Branchenverband en2x erklärt, die steuerliche Entlastung sei vollständig weitergegeben worden. Untersuchungen der Monopolkommission und des Ifo-Instituts kommen dagegen zu kritischeren Ergebnissen.

Nach einer konservativen Schätzung der Monopolkommission sind in den ersten sechs Wochen des Rabatts etwa 100 bis 200 Millionen Euro der Entlastung nicht bei den Kunden angekommen. Bei Diesel soll die Weitergabe etwas schlechter funktioniert haben als bei Benzin.

Wie viel brachte der Rabatt einem durchschnittlichen Autofahrer?

Der finanzielle Nutzen blieb laut Berechnungen überschaubar. Für einen typischen Dieselfahrer mit 17.000 Kilometern Jahresfahrleistung und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometer hätte die vollständige Weitergabe rund 33 Euro Ersparnis bedeutet. Wer besonders günstig getankt hat, konnte möglicherweise ein paar Euro mehr sparen.

Bei einem durchschnittlichen Benziner mit 9.500 Kilometern im Jahr und 8 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer läge die rechnerische Entlastung bei etwa 21 Euro.

Sind nach dem Auslaufen neue Hilfen geplant?

Unmittelbar anschließende Entlastungen sind derzeit nicht vorgesehen. Allerdings spricht sich laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur eine Mehrheit für weitere Maßnahmen gegen hohe Preise aus. 49 Prozent der Befragten meinen, es sollte danach auf jeden Fall neue Entlastungen geben. Weitere 21 Prozent tendieren ebenfalls dazu. 22 Prozent halten zusätzliche Schritte eher nicht für angebracht.

Die Koalitions-Taskforce will die Preisentwicklung nach dem Ende des Tankrabatts genau beobachten. Nach Darstellung von Müller habe die Politik dem Kartellamt zusätzliche Möglichkeiten gegeben, gegen überhöhte Preise vorzugehen. Sollte sich die Lage ab dem 1. Juli deutlich verschärfen, könne man rasch reagieren. Falls weitere Hilfen nötig würden, müssten diese aber gezielter ausfallen als eine pauschale Senkung der Energiesteuer.

Welche Maßnahmen stehen im Raum?

Diskutiert wird unter anderem eine vorübergehende Erhöhung der Pendlerpauschale. Diese würde jedoch nicht sofort wirken. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte vor der Entscheidung über den Tankrabatt außerdem eine Senkung der Dieselsteuer für die Transport- und Logistikbranche ins Gespräch gebracht.

Einen staatlichen Preisdeckel für Sprit, wie ihn Teile der SPD fordern, lehnt Reiche ab. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn sieht das anders. Er hält einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs für sinnvoll und fordert, die Gewinnspannen der Mineralölunternehmen zu begrenzen.

Wie fällt die Gesamtbilanz aus?

Müller betont, der Tankrabatt sei von Beginn an nur als zeitlich befristete Maßnahme gedacht gewesen. Ziel sei gewesen, Verbraucher in einer Phase stark steigender Preise schnell zu entlasten. Aus seiner Sicht wurde dieses Ziel erreicht.

Auch Zorn bewertet die Maßnahme im Grundsatz positiv und verweist zusätzlich darauf, dass sie die Inflation gebremst habe. ADAC-Experte Laberer zieht ebenfalls ein positives Fazit: Gerade in der Phase besonders hoher Preise seien Autofahrer direkt entlastet worden.

Gleichzeitig reißt die Kritik nicht ab. Vor allem Ökonomen bemängeln, der Tankrabatt sei sozial unausgewogen gewesen, ökologisch problematisch und habe die eigentlich gewünschte Lenkungswirkung hoher Energiepreise auf den Verbrauch abgeschwächt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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