Zverev wirkt gelöst vor dem Wimbledon-Start
Alexander Zverev hat beim Training in Wimbledon trotz kleiner körperlicher Einschränkungen einen lockeren Eindruck hinterlassen. In einer abgelegenen Ecke seines Trainingsplatzes ließ sich der French-Open-Sieger kurz auf den Rasen fallen, putzte sich kräftig die Nase, scherzte mit Trainingspartner Andrej Rubljow und machte nach einer kurzen Pause weiter. Auch mit seinem Vater tauschte er noch eine kurze Geste aus, bevor die Einheit fortgesetzt wurde.
Am Dienstag beginnt für den Deutschen gegen den Belgier Alexander Blockx der nächste Anlauf auf den Titel in Wimbledon. Das Erstrundenspiel ist für 14.00 Uhr angesetzt und wird bei Prime Video übertragen. Zweifel an seinem körperlichen Zustand wollte Zverev vor seinem ersten von erhofften sieben Matches nicht aufkommen lassen.
Rasenallergie statt echter Verletzungssorgen
"Mir geht’s super", sagte der 29-Jährige. Das Problem sei vor allem der Belag: Zverev sprach von einer Rasenallergie, die ihn nach eigener Aussage jedes Jahr begleite. Bemerkenswert ist dabei, dass dieses Thema in den vergangenen Jahren öffentlich kaum eine Rolle gespielt hatte.
Dass ihn die Allergie aktuell tatsächlich beschäftigt, war auch bei seinem Medientermin zu merken. Zverev sprach mit angeschlagener Stimme und musste eine Antwort sogar kurz unterbrechen, weil er niesen musste.
Nach dem Paris-Triumph mit mehr Freiheit
Rund drei Wochen nach seinem Fünf-Satz-Erfolg im Finale von Paris gegen den Italiener Flavio Cobolli reist Zverev mit spürbar mehr Leichtigkeit nach London. Der Grand-Slam-Titel habe ihm zusätzliche Freude und mehr Freiheit gegeben, sagte der Weltranglisten-Dritte und Olympiasieger von Tokio.
Er erklärte, es fühle sich anders an, weil er nun wisse, dass er sein großes Karriereziel erreicht habe. Grundlegend verändert habe sich sein Leben dadurch aber nicht. Zwar verspüre er eine innere Zufriedenheit, im Alltag sei jedoch vieles gleich geblieben. Weiterhin spiele er gern Golf mit Freunden oder verbringe Zeit mit seiner Tochter Mayla im Kinderclub. Sein Fazit: "Man lebt einfach weiter."
Becker sieht bessere Ausgangslage denn je
In Wimbledon ist Zverev an Position zwei gesetzt – direkt hinter Titelverteidiger und Top-Favorit Jannik Sinner. Auf Rasen blieb ihm der ganz große Durchbruch bei den Grand Slams bislang jedoch verwehrt. Anders als bei den übrigen drei Major-Turnieren wartet der Hamburger beim Londoner Klassiker sogar noch auf seinen ersten Viertelfinaleinzug.
Boris Becker kann sich das selbst nicht schlüssig erklären. Die deutsche Tennislegende glaubt aber, dass der Triumph in Paris nun einen entscheidenden Unterschied machen könnte. In seinem Podcast mit Andrea Petkovic sagte Becker, andere Profis blickten nun mit mehr Respekt auf Zverev, und auch der Deutsche selbst nehme sich als stärkerer Spieler wahr. Die Voraussetzungen seien deshalb womöglich so gut wie nie zuvor.
Vorbereitung mit Rücken- und Diabetes-Problemen
Völlig reibungslos verlief die Vorbereitung auf Wimbledon dennoch nicht. Beim Turnier in Halle musste sich Zverev im Halbfinale wegen Rückenbeschwerden behandeln lassen.
Hinzu kamen Probleme im Zusammenhang mit seiner Diabetes-Erkrankung. Kurz vor dem Match zeigte ein Sensor nach seinen Angaben einen zu hohen Blutzuckerwert an. Daraufhin habe er sich zu viel Insulin gespritzt, was ihm massive Schwierigkeiten bereitet habe.
Zverev sagte, der Vorfall werde derzeit vom Hersteller untersucht. Seit zehn oder elf Jahren nutze er das System, ein solcher Fehler sei zuvor nie passiert. Besonders unglücklich sei gewesen, dass der Zwischenfall während eines körperlich ohnehin sehr belastenden Tennismatches aufgetreten sei.
Blockx kein Wunschgegner für eine Nachlässigkeit
Der 21 Jahre alte Belgier Alexander Blockx soll für Zverev zum Auftakt trotzdem nicht zum Stolperstein werden. Der Weltranglisten-37. hat in der Sandplatzsaison einen schnellen Aufstieg hingelegt, gegen Zverev zuletzt aber zweimal klar verloren – im Halbfinale von Madrid und in der dritten Runde von Rom.
Zverev sieht sich für das dritte Duell binnen knapp zwei Monaten gut gerüstet. Er habe das Gefühl, gut vorbereitet zu sein und derzeit starkes Tennis zu spielen, sagte er.
Trotzdem warnte er ausdrücklich vor der Gefahr auf Rasen. Wenn ein Gegner mit mehr als 230 km/h serviere und eine große Zahl an Assen schlage, könne ein Match schnell kippen. Gerade in Wimbledon sei so ein Verlauf jederzeit möglich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber