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So trotzen Städte weltweit der Extremhitze

Deutschland schwitzt, Städte glühen: Diese genialen Tricks aus aller Welt könnten unsere Hitzehölle entschärfen.

28.06.2026, 09:19 Uhr

Besonders in Metropolen wird Hitze schnell zur Belastung. Enge Straßenschluchten, viele versiegelte Flächen und hohe Gebäude sorgen dafür, dass sich Städte stark aufheizen, Wärme nur langsam entweicht und selbst nachts oft kaum Abkühlung einsetzt. Mit dem Klimawandel dürften Hitzewellen häufiger und heftiger werden. Weltweit setzen Städte daher auf unterschiedliche Strategien, um sich besser gegen extreme Temperaturen zu wappnen.

Paris: Trinkwasser, kühle Orte und Hitzetests

Paris ist dicht bebaut und nicht gerade für üppige Grünflächen bekannt. Dennoch hat die französische Hauptstadt inzwischen etwa 1.400 Möglichkeiten zum Abkühlen geschaffen. Dazu zählen schattige Bereiche in Parks ebenso wie öffentlich zugängliche Räume in Rathäusern, die bei großer Hitze geöffnet werden.

Hinzu kommen zahlreiche kostenlose Trinkwasserstellen im gesamten Stadtgebiet. Dort können sich Bewohnerinnen und Bewohner mit frischem Wasser versorgen. Auf Plätzen und entlang von Wegen gibt es außerdem immer mehr Anlagen mit feinem Sprühnebel, die in heißen Phasen für schnelle Erfrischung sorgen.

Frankreich verfügt insgesamt über ein vergleichsweise weit entwickeltes Hitzeschutzsystem. Es gibt Warnstufen, Register für besonders gefährdete Menschen und regelmäßige Hinweise im öffentlichen Raum zum richtigen Verhalten bei hohen Temperaturen. Um Notfallpläne weiter zu verbessern, ließ Paris vor einigen Jahren in zwei Stadtbezirken proben, wie Krankenhäuser, Feuerwehr, Schulen und Anwohnende auf langanhaltende Extremhitze reagieren würden. Andere Städte greifen diese Idee inzwischen ebenfalls auf.

Vertikale Gärten in Singapur
Singapur ist bei der Hitzebekämpfung einer der weltweiten Vorreiter – unter anderem helfen vertikale Gärten. (Archivbild) Quelle: Carola Frentzen/dpa

Singapur: Begrünung und Kühlung aus dem Untergrund

Singapur gilt als Vorreiter bei der Anpassung von Städten an hohe Temperaturen. Der Stadtstaat verlässt sich nicht nur auf Klimaanlagen, sondern investiert seit Jahren stark in Begrünung. An vielen Hochhäusern wachsen vertikale Gärten, Fassaden werden bepflanzt und auf Dächern entstehen grüne Flächen. Das soll Gebäude kühler halten und zugleich mehr Schatten schaffen.

Neue Quartiere werden zudem so geplant, dass Luft besser zirkulieren kann. Auf diese Weise sollen typische Hitzeinseln in dicht bebauten Gebieten vermieden werden.

In manchen Vierteln setzt Singapur sogar auf ein zentrales Kühlsystem für ganze Häuserblöcke. Über ein unterirdisches Leitungsnetz wird sehr kaltes Wasser in Bürogebäude geleitet. Dadurch werden viele einzelne Klimaanlagen überflüssig. Das spart Energie und reduziert die zusätzliche Abwärme, die sonst wieder an die Umgebung abgegeben würde. Auch helle Fassaden und Straßenoberflächen helfen dabei, weniger Wärme zu speichern.

Dakar: Bauen angepasst an heißes Klima

Am Rand der Sahara gehören Länder wie Senegal und Burkina Faso zu den heißesten Regionen der Welt. Der aus Burkina Faso stammende Architekt Francis Kéré verbindet traditionelle Bauweisen aus seiner Heimat mit moderner Architektur. Für seine Arbeit wurde er 2022 als erster Afrikaner mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet.

Wie kühle Gebäude in heißen Städten künftig aussehen könnten, zeigt der neue Bau des Goethe-Instituts in Dakar, der im April eröffnet wurde. Das Gebäude besteht aus rotbraunen Lehmziegeln, die Wärme aufnehmen und nur langsam wieder abgeben. Durch seine Ausrichtung, die Form des Baus, Luftzug und selbst erzeugten Schatten kühlt sich das Haus weitgehend auf natürliche Weise. Kéré ist überzeugt, dass sich mit Lehm auch in größerem Maßstab klimaangepasst bauen lässt.

Barcelona: Superblocks und Zufluchtsorte bei Hitze

Barcelona erlebt zwar meist nicht dieselben Extremwerte wie etwa Sevilla, doch die hohe Luftfeuchtigkeit macht Temperaturen jenseits der 35 Grad besonders belastend. Schutz finden die Menschen in mittlerweile rund 500 sogenannten Kühlräumen. Diese befinden sich in öffentlichen Gebäuden wie Museen, aber auch in Apotheken und Drogerien, die sich freiwillig beteiligen.

Besonders bekannt ist Barcelona für seine "Superilles", auf Deutsch etwa Superblöcke. Dabei werden mehrere Häuserblocks mit Plätzen und verkehrsberuhigten Straßen zu zusammenhängenden, grünen Aufenthaltsbereichen umgestaltet. Dort entstehen schattige Oasen mitten in der Großstadt. Aktuell gibt es sechs solcher Bereiche.

Autos sind dort weitgehend ausgesperrt. Nur Anwohnende und Lieferverkehr dürfen mit höchstens zehn Kilometern pro Stunde hindurchfahren. Ansonsten dominieren Fußgänger, Radfahrer und Gäste von Straßencafés, die unter großen Bäumen Abkühlung finden.

Nah- und Mittelost: Kühlung durch gelenkten Wind

Schon vor Jahrhunderten entwickelten Baumeister im Nahen und Mittleren Osten Windtürme zur natürlichen Belüftung von Gebäuden. Diese Konstruktionen sind als Badgir im Persischen und Baradschil im Arabischen bekannt. Das Prinzip ist einfach: Wind strömt durch Öffnungen in den Turm, wird erfasst und über Schächte in tiefere Gebäudeteile geleitet, wo er für Kühlung sorgt.

Die Idee des gelenkten Windes wird bis heute genutzt. In Doha etwa sind einige moderne Gebäude so geplant, dass Luftströme auch Außenbereiche angenehmer machen. Die ältesten Windtürme im Iran stammen aus dem 14. Jahrhundert, schriftliche Hinweise auf die Technik sind jedoch noch älter. Deshalb werden sie mitunter als Klimaanlagen der Antike bezeichnet. Auch im historischen Viertel Dubais sind solche Türme zu sehen, wenngleich heute in der Golfregion überwiegend klassische Klimaanlagen zum Einsatz kommen.

Medellín: Grüne Korridore gegen die Aufheizung

In Medellín wurden stark befahrene Verkehrsachsen in sogenannte grüne Korridore verwandelt. Die kolumbianische Millionenstadt bepflanzte in den vergangenen Jahren Straßen, Mittelstreifen und öffentliche Plätze mit tausenden Bäumen und Sträuchern.

Die Pflanzen sollen Schatten spenden und verhindern, dass sich die Stadt noch stärker aufheizt. Nach Angaben der Stadt sank die Temperatur in einigen begrünten Bereichen um etwa zwei Grad Celsius. Gleichzeitig verbesserte sich die Luftqualität. Für seinen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel wurde das Projekt international ausgezeichnet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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