Gaspreise für Haushalte bislang kaum von Nahost-Krise beeinflusst
Trotz deutlich gestiegener Großhandelspreise infolge der angespannten Lage im Nahen Osten spüren viele Gaskunden in Deutschland laut einer Analyse von Verivox bislang kaum Auswirkungen auf ihre Rechnungen. Bleiben weitere Preisanhebungen aus, könnten zahlreiche Haushalte 2025 sogar weniger für Gas zahlen als im Vorjahr.
Für einen Musterhaushalt in der Grundversorgung mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden würden die durchschnittlichen Kosten demnach von 2.802 Euro auf 2.687 Euro sinken. Das entspräche einem Rückgang um 4,1 Prozent. Nach Angaben von Verivox könnten davon etwa 3,7 Millionen Haushalte profitieren.
Sondertarife ebenfalls mit leichtem Sparpotenzial
Auch Kunden, die bei ihrem regionalen Anbieter einen Sondertarif nutzen, könnten bei stabilen Preisen entlastet werden. Für den günstigsten lokalen Sondertarif erwartet Verivox einen Rückgang der durchschnittlichen Jahreskosten um 3 Prozent – von 2.292 Euro auf 2.223 Euro. Das beträfe rund 7,5 Millionen Haushalte.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht derzeit ebenfalls noch keine direkten Folgen der Krise für laufende Tarife, die bereits zu Jahresbeginn angepasst wurden oder über einen festen Preis verfügen. Für Neukunden seien die Preise allerdings gestiegen: Seit Anfang des Jahres legte der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte um 10,5 Prozent auf etwa 12,3 Cent pro Kilowattstunde zu.
Langfristiger Einkauf dämpft Preisschwankungen
Im Zuge des Kriegs mit Iran waren die Großhandelspreise zeitweise kräftig gestiegen – von etwa 30 Euro auf bis zu 66 Euro je Megawattstunde. Am Freitag lagen sie bei rund 41 Euro. Laut BDEW schlagen solche Bewegungen auf den Großhandelsmärkten nicht sofort auf bestehende Verträge durch, weil viele Energieversorger Gas langfristig beschaffen und ihre Preise absichern.
Verivox-Energieexperte Thorsten Storck erklärte, die jüngsten Anstiege am Großhandelsmarkt seien bei vielen privaten Haushalten noch nicht angekommen. Grund sei, dass Versorger den Bedarf ihrer Bestandskunden meist langfristig einkaufen und damit kurzfristige Ausschläge abfedern könnten. Dennoch seien bis zum Jahresende bei einzelnen Anbietern noch Preisanpassungen möglich.
Tarifvergleich bleibt wichtig
Verivox weist zudem darauf hin, dass lokale Versorger oft deutlich teurer sind als überregionale Anbieter. Während der günstigste Sondertarif eines örtlichen Versorgers derzeit im Schnitt 11,4 Cent pro Kilowattstunde koste, liege der preiswerteste Tarif mit Laufzeit bei bundesweiten Anbietern bei etwa 9,3 Cent.
Verbraucherschützer und Bundesnetzagentur raten deshalb dazu, Tarife regelmäßig zu überprüfen. Die Bundesnetzagentur betont, dass mehr Wettbewerb im Markt entsteht, wenn möglichst viele Verbraucherinnen und Verbraucher einen Anbieterwechsel in Betracht ziehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber