Wirtschaft

Rheinmetall setzt auf Kamikaze-Drohnen im Killer-Schwarm

Vom Autozulieferer zur Drohnen-Schmiede: Rheinmetall zeigt, was künftig in Neuss gebaut wird – und warum das brisant ist.

16.06.2026, 03:30 Uhr

Rheinmetall treibt Pläne für Kamikaze-Drohnen voran

Rheinmetall hat auf der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory einen mobilen Startcontainer für Kamikaze-Drohnen vorgestellt. In dem System können 18 Flugkörper untergebracht werden, die senkrecht in die Luft geschossen werden. Laut dem Unternehmen sind auch mehrere gleichzeitige Starts möglich, also ein Einsatz in Salven.

Die Drohnen werden nicht vor Ort von einer Besatzung bedient, sondern aus der Distanz gesteuert. Zusätzlich kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Nach Firmenangaben können die Flugkörper bis zu 70 Minuten in der Luft bleiben und Ziele in bis zu 100 Kilometern Entfernung erreichen. Sie greifen ein Ziel entweder unter menschlicher Führung oder weitgehend eigenständig an und zerstören sich beim Einschlag. Rheinmetall betont, dass ein Mensch stets in die Entscheidung eingebunden bleibt.

Wird innerhalb der vorgesehenen Einsatzzeit kein Ziel gefunden, sollen die Drohnen kontrolliert in unbewohntem Gebiet zu Boden gebracht werden, um Schäden möglichst gering zu halten. Die Sprengladung an Bord wiegt einschließlich Zünder vier Kilogramm. Eine Landung ist nicht vorgesehen, da die Drohnen weder ein Fahrwerk besitzen noch nach dem Start entschärft werden können. Produziert werden sollen sowohl die Drohnen des Typs FV-014 als auch voraussichtlich die Container in Neuss. Der Fertigungsbeginn der sogenannten Loitering Munition ist für das dritte Quartal geplant.

Fertigung in umgebautem Werk in Neuss

In Neuss nutzte Rheinmetall bislang einen Standort aus dem Autozuliefergeschäft, das jedoch abgegeben wird. Das Werk wird daher umfassend umgerüstet. Künftig sollen dort neben Drohnen auch Weltraum-Satelliten und Gefechtstürme für Flugabwehrpanzer entstehen. Während an dem Standort früher noch mehr als 1000 Menschen beschäftigt waren, arbeiten dort inzwischen nur noch einige Hundert.

Rüstungsmesse Eurosatory: Kamikaze-Drohe von Rheinmetall
Nimmt man die weiße Fronthaube ab, so kommt ein dunkles Plastikbehältnis zum Vorschein: Darin ist der Sprengstoff. Quelle: Wolf von Dewitz/dpa

Vorgestellt wurde auf der Messe der sogenannte Containerized Missile Launcher (CML) von Timo Haas, dem Leiter des Rheinmetall-Bereichs für digitale Systeme. Nach seinen Angaben kann der Container nicht nur mit eigenen Flugkörpern bestückt werden, sondern auch mit Systemen anderer Hersteller.

Bei dem Startsystem handelt es sich um einen handelsüblichen 20-Fuß-Container, also rund sechs Meter lang sowie etwa zweieinhalb Meter breit und hoch. Er kann auf Schiffe, Züge oder Lastwagen verladen oder stationär aufgestellt werden. Die Anbindung erfolgt über die digitale Software-Plattform Rheinmetall Battlesuite.

Digitalisierung und Luftkampf gewinnen an Bedeutung

Das Hauptgeschäft von Rheinmetall liegt zwar weiterhin bei klassischen Rüstungsgütern wie Panzern, Flugabwehrsystemen, Artillerie und Munition. Gleichzeitig gewinnt aber die digitale Vernetzung im Militärbereich zunehmend an Gewicht. Experten gehen davon aus, dass künftige Gefechte stärker durch das Zusammenspiel verschiedener Systeme geprägt sein werden – etwa durch die koordinierte Nutzung von Luft- und Bodendrohnen, Artillerie, Panzern und Infanterie.

Um sich in diesem Wandel breiter aufzustellen, erschließt Rheinmetall neue Geschäftsfelder. Dazu zählen unter anderem der Zukauf eines Schiffbauunternehmens und die Gründung einer Satellitentochter. Das Drohnenprojekt ist ein weiterer Schritt, um sich als umfassender Anbieter moderner Militärtechnik zu positionieren. Konkurrenz im Bereich der Kamikaze-Drohnen kommt unter anderem von den vergleichsweise jungen Unternehmen Helsing aus München und Stark Defence aus Berlin.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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