Wirtschaft

Rheinmetall schmiedet Raketen-Deal mit Südkorea

Diese neue Rheinmetall-Waffe soll tückische Gleitbomben billig stoppen – und könnte die Luftabwehr grundlegend verändern.

15.06.2026, 15:27 Uhr

Rheinmetall, Deutschlands größter Rüstungskonzern, will bei der Abwehr von Gleitbomben und anderen Luftbedrohungen künftig eng mit dem südkoreanischen Unternehmen LIG Defence & Aerospace aus Yongin kooperieren. Auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris teilte Rheinmetall mit, dass beide Seiten die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens planen, an dem die Deutschen die Mehrheit halten wollen.

Das neue Joint Venture soll Lenkflugkörper entwickeln und herstellen, die vor allem zur vergleichsweise günstigen Bekämpfung von Gleitbomben eingesetzt werden können. Solche Abfangflugkörper sollen im hohen fünfstelligen Euro-Bereich liegen und damit deutlich billiger sein als größere Raketen, die teils mehr als eine Million Euro kosten und bislang oft mangels Alternativen verwendet werden.

Ukraine-Krieg zeigt Schwächen bei der Abwehr von Gleitbomben

Im Krieg in der Ukraine haben Gleitbomben ihre enorme Zerstörungskraft deutlich gemacht. Russische Flugzeuge bringen sie bis in Frontnähe oder an die Grenze, klinken sie aus und lassen sie anschließend ins Ziel gleiten. Weil diese Bomben keine ausgeprägte Hitzesignatur erzeugen, sind sie für klassische Luftverteidigungssysteme schwer zu orten; Flugabwehrkanonen gelten dabei als kaum geeignet. Die geplanten Lenkflugkörper sollen genau diese Lücke schließen und gleichzeitig ein wirtschaftlicheres Verhältnis zwischen Aufwand und Wirkung schaffen.

LIG D&A erzielte 2025 mit rund 6.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von umgerechnet etwa 2,5 Milliarden Euro. Das entsprach einem Plus von rund einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Rheinmetall kam im selben Jahr mit rund 34.000 Mitarbeitern auf etwa 10 Milliarden Euro Umsatz.

Die Südkoreaner produzieren neben Raketen auch Sonarsysteme und unbemannte Fahrzeuge für den maritimen Einsatz. Das Unternehmen verfügt über gut gefüllte Auftragsbücher; zu den Kunden zählen unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate. Rheinmetall ist vor allem für Munition, Panzer, Artillerie und Flugabwehrsysteme bekannt, baut aber zugleich seine Aktivitäten bei Drohnen und Satelliten weiter aus.

Beide Unternehmen setzen auf Wachstum in Europa

Mit dem Gemeinschaftsunternehmen wollen Rheinmetall und LIG D&A nach eigenen Angaben auf die steigende Nachfrage nach mehrschichtigen Luftverteidigungssystemen, Raketen und Munition reagieren. Rheinmetall-Manager Oliver Dürr sprach von einem sehr gut ergänzenden Angebot im Bereich bodengebundener Luftverteidigung. LIG-D&A-Chef Ickhyun Shin betonte, dass beide Partner ihre Stärken bündeln und in Europa gemeinsam forschen, entwickeln, vermarkten, verkaufen und produzieren wollten. Europa trete, so Shin, in eine neue Phase der Modernisierung seiner Verteidigung ein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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