Wirtschaft

Preis-Schock: Inflation wieder über drei Prozent

Preisschock in Deutschland: So teuer war das Leben seit Jahren nicht – und trotz Tankrabatt droht keine echte Entlastung.

13.10.2026, 08:27 Uhr

Inflation in Deutschland steigt auf 3,3 Prozent

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im September spürbar gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Preise für Waren und Dienstleistungen 3,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit wurde die vorläufige Schätzung bestätigt. Zugleich überschritt die Inflationsrate damit erstmals seit fast drei Jahren wieder die Marke von drei Prozent.

Es ist der höchste Wert seit Dezember 2023, als die Inflationsrate bei 3,7 Prozent gelegen hatte. Statistikamtspräsidentin Ruth Brand sprach von einem neuen Höchststand im laufenden Jahr. Besonders deutlich habe sich der Preisanstieg bei Mineralölprodukten gezeigt – vor allem an den Tankstellen und beim Heizöl.

Für Kraftstoffe und Haushaltsenergie mussten Verbraucher im September 14,9 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor. Damit zog die Energieverteuerung bereits den dritten Monat in Folge an und erreichte den stärksten Anstieg seit Februar 2023.

Besonders kräftig fielen die Preisaufschläge bei einzelnen Energieträgern aus: Sprit war binnen Jahresfrist um gut 37 Prozent teurer, leichtes Heizöl sogar um fast 75 Prozent. Auch Brennholz, Holzpellets und andere feste Brennstoffe verteuerten sich deutlich um 15,6 Prozent. Entlastung gab es dagegen bei Strom mit minus 5,5 Prozent, bei Erdgas ohne Betriebskosten mit minus 2,8 Prozent sowie bei Fernwärme mit minus 1,0 Prozent.

Eine höhere Inflation schmälert die Kaufkraft der privaten Haushalte. Bereits im August hatte die Teuerung mit 2,9 Prozent auf erhöhtem Niveau gelegen. Gegenüber dem Vormonat August stiegen die Verbraucherpreise im September zudem um 0,6 Prozent.

Energie bleibt wichtigster Preistreiber

Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs gilt Energie als zentraler Inflationsfaktor – nicht nur in Deutschland. Weil Tankschiffe die für den globalen Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormus nicht mehr verlässlich passieren können, sind die Ölpreise stark gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel Öl (159 Liter) wieder mehr als 100 Dollar. An den Tankstellen bekamen Autofahrer diese Entwicklung im September durch Rekordpreise besonders deutlich zu spüren.

Die Ökonomin Silke Tober vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sagte, der Anstieg der Inflation im September sei wie schon in den Vormonaten seit Beginn des Iran-Kriegs fast ausschließlich auf höhere Kraftstoff- und Heizölpreise zurückzuführen. Die Inflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie habe wie im August bei 2,4 Prozent gelegen.

Lebensmittel steigen nur leicht, Dienstleistungen moderat

Bei Nahrungsmitteln fiel der Preisanstieg insgesamt deutlich moderater aus. Hier lagen die Preise im September nur 0,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Einzelne Produkte verteuerten sich jedoch spürbar, darunter Eier mit plus 15,2 Prozent und frisches Gemüse mit plus 12 Prozent.

Günstiger wurden hingegen vor allem Speisefette und Speiseöle, die im Schnitt 15 Prozent weniger kosteten. Besonders stark sank der Preis für Butter mit minus 29,5 Prozent. Auch frisches Obst verbilligte sich um 4,9 Prozent.

Dienstleistungen verteuerten sich im September um 2,7 Prozent und damit unterdurchschnittlich. Dazu zählen unter anderem Pauschalreisen, Friseurbesuche und Autoreparaturen. Die Nettokaltmieten stiegen um 1,9 Prozent.

Greenpeace: Deutschland zu abhängig von Gas und Öl

Nach Einschätzung von Greenpeace zeigt der jüngste Inflationsanstieg, wie stark Deutschland weiterhin von fossilen Energien abhängt. Einer Analyse der Umweltschutzorganisation zufolge hätte die Inflation im August rechnerisch bei 1,9 statt 2,9 Prozent gelegen, wenn der Ölpreis seit Januar konstant geblieben wäre.

Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas erklärte, die Abhängigkeit von Öl und Gas mache Verbraucher anfällig für geopolitische Krisen und die damit verbundenen Preissprünge. Haushalte, die auf erneuerbare Energien setzten, seien davon deutlich weniger betroffen.

Ein elektrifizierter Modellhaushalt mit Wärmepumpe, Elektroauto sowie eigener Solaranlage mit Speicher hätte laut der Analyse von Januar bis August nur eine Preissteigerung von 1,5 Prozent erlebt. Für den amtlichen Warenkorb habe die Teuerung seit Jahresbeginn dagegen bei 2,5 Prozent gelegen. Greenpeace fordert deshalb politische Anreize für mehr Elektrifizierung statt kurzfristiger Hilfen für fossile Kraftstoffe.

Was der neue Tankrabatt bewirken soll

Trotz Kritik vieler Experten hat die Bundesregierung erneut einen Tankrabatt auf den Weg gebracht. Vom 1. Oktober bis Jahresende sollen die Steuern auf Sprit um rund 17 Cent je Liter sinken. Volkswirte erwarten, dass dies die Inflationsrate um etwa 0,2 Prozentpunkte dämpfen könnte.

Für Deutschland könnte 2026 dennoch das sechste Jahr in Folge mit einer Inflationsrate oberhalb der Zwei-Prozent-Marke werden. Weil auch in anderen großen Euro-Ländern wie Frankreich und Spanien die Preise anziehen, rechnen Ökonomen damit, dass die EZB ihre Leitzinsen im laufenden Jahr ein drittes Mal anheben wird. In der Eurozone stieg die Inflation im September auf 3,8 Prozent – der höchste Stand seit drei Jahren und klar über dem mittelfristigen EZB-Ziel von 2,0 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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