Trade Republic mischt Wettbewerb um staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot auf
Der Online-Broker Trade Republic steigt in den Wettbewerb um besonders günstige Angebote für das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ein. Mit einem kostenlosen Modell verschärft das Unternehmen den Preisdruck in einem Markt, in dem Banken zuletzt reihenweise günstige Offerten vorgestellt haben. Ab 2027 können Sparerinnen und Sparer dabei mit hohen staatlichen Zuschüssen rechnen, wenn sie für das Alter in ETFs, Fonds oder Anleihen investieren.
Wie viele Konkurrenten verzichtet Trade Republic auf Depotgebühren und Kosten für die Ausführung. Darüber hinaus sollen bei mehreren Dutzend ETFs auch keine laufenden Verwaltungsgebühren anfallen. Das Gratisangebot ist sowohl für das standardisierte Altersvorsorgedepot als auch für ein frei zusammenstellbares Depot vorgesehen. Nach Unternehmensangaben entfallen bei mehr als 50 ETFs die Fondskosten, die entsprechenden Beträge würden monatlich wieder angelegt.
Mitgründer Christian Hecker erklärte, Deutschland gehöre mit dem neuen Altersvorsorgedepot international zur Spitzengruppe bei der geförderten privaten Altersvorsorge. Nun komme es darauf an, dass die Förderung tatsächlich bei den Menschen ankomme und nicht durch hohe Gebühren von Banken oder Versicherern aufgezehrt werde.
Starke Konkurrenz für klassische Banken
In der Finanzbranche dürfte das Angebot aufmerksam verfolgt werden. Trade Republic aus Berlin kommt europaweit auf mehr als zehn Millionen Kundinnen und Kunden, davon über fünf Millionen in Deutschland. Das verwaltete Vermögen liegt bei mehr als 150 Milliarden Euro. Damit ist der Neobroker für etablierte Institute zu einem ernsthaften Rivalen geworden und hat vor allem bei jüngeren Kunden Marktanteile gewonnen.

Staatliche Zuschüsse für Vorsorge über den Kapitalmarkt
Beim Altersvorsorgedepot unterstützt der Staat Einzahlungen mit Zuschüssen von bis zu 540 Euro im Jahr; pro Kind können zusätzlich bis zu 300 Euro hinzukommen. Gefördert werden jährliche Einzahlungen zwischen 120 und 1.800 Euro. Während der Ansparphase bleiben Kapitalerträge steuerfrei. Auch Inhaber eines Riester-Vertrags sollen in das neue System wechseln und vorhandenes Guthaben übertragen können.
Mit seinem Vorstoß reagiert Trade Republic auch auf den direkten Konkurrenten Scalable Capital. Der Neobroker hatte kürzlich Details zu einem Depot für Selbstentscheider vorgestellt. Wer bestimmte Produkte wählt, kann dort ebenfalls ein kostenloses Altersvorsorgedepot nutzen. Zusätzlich wirbt Scalable mit einem „Renten-Bonus“ bei einzelnen ETFs, bei dem Fondskosten wieder angelegt werden. Für das Standarddepot fallen dort allerdings Produktkosten von bis zu 0,15 Prozent pro Jahr an.
Banken liefern sich einen Preiswettbewerb
Inzwischen ist rund um das Altersvorsorgedepot ein deutlicher Preiskampf entbrannt. Immer mehr Anbieter versuchen mit niedrigen Gebühren zu punkten. Die Deutsche Bank etwa bietet ein von ihrer Fondstochter DWS entwickeltes Standarddepot an, dessen jährliche Kosten in den ersten beiden Jahren bei 0,1 Prozent liegen und danach auf 0,28 Prozent steigen sollen. Zusätzlich plant das Institut ein beratenes Vorsorgedepot mit jährlichen Kosten von 0,99 Prozent. Die Dekabank, Produktanbieter der Sparkassen, ruft für ihr Standarddepot 0,1 Prozent pro Jahr auf.
Einer Studie der DWPBank zufolge wollen trotz des harten Preiskampfs mehr als 90 Prozent von 88 befragten Instituten ein Altersvorsorgedepot anbieten. Für viele Häuser sind demnach Kundenbindung und die Chance auf weitere Geschäfte wichtiger als die unmittelbare Rentabilität dieses Produkts.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber