Am Flughafen Nürnberg hat ein groß angelegter Polizeieinsatz nach einem zunächst befürchteten Entführungsfall vorübergehend zu einer Sperrung und Einschränkungen geführt. Inzwischen ist klar: Es bestand keine Gefahr. Nach bisherigen Erkenntnissen spricht vieles dafür, dass ein defektes Funkgerät den Alarm ausgelöst hat.
Auslöser war ein Linienflug der Fluggesellschaft Corendon von der griechischen Insel Korfu nach Nürnberg. Aus dem Cockpit wurde nach Polizeiangaben gegen kurz nach 11.00 Uhr der Notfallcode „7500“ gesendet, der auf eine mögliche Entführung oder Geiselnahme hindeutet. Weil die Crew danach per Funk zunächst nicht mehr erreichbar war, gingen die Behörden vom schlimmsten Fall aus.
Der Flieger mit der Flugnummer XR456 landete laut Polizei gegen 12.10 Uhr sicher und „sehr pünktlich“ in Nürnberg. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine Boeing 737-800, die je nach Ausführung Platz für bis zu 189 Menschen bietet. Der Airport wurde in dieser Zeit aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Knapp eine Stunde nach der Landung gaben die Einsatzkräfte Entwarnung. Ein Polizeisprecher erklärte, an Bord sei alles in Ordnung, den Passagieren und den Piloten gehe es gut.
Eurofighter begleiteten die Maschine
Ein Sprecher der Luftwaffe bestätigte, dass Eurofighter die Maschine bis zur Landung begleiteten. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung kamen die Kampfjets vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg an der Donau. Dort stehen rund um die Uhr zwei Eurofighter als sogenannte Alarmrotte bereit.
Die Jets blieben nach der Landung zunächst weiter über Nürnberg in der Luft, bis ausgeschlossen werden konnte, dass das abgefangene Flugzeug erneut startet.
Neu bekannt wurde zudem: Auch die kroatische Luftwaffe schickte einen Kampfjet in die Luft. Dieser begleitete die Maschine nach Angaben des kroatischen Verteidigungsministeriums bis zur slowenischen Grenze. Grundlage dafür war demnach eine Warnung des Nato-Luftwaffenkommandos im spanischen Torrejón. Das Flugzeug hatte auf dem Weg nach Deutschland sowohl Kroatien als auch Slowenien überflogen.
Hinweise auf defektes Funkgerät
Nach Angaben der Ermittler deutet derzeit vieles auf ein kaputtes Funkgerät hin. Dazu passt nach Einschätzung der Polizei, dass die Piloten nach dem Absetzen des Codes nicht mehr per Funk erreichbar waren. Die Ermittlungen zur genauen Ursache dauern aber weiter an. Die Fluggesellschaft Corendon äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Flug verlief ansonsten unauffällig
Nach Angaben von Flughafen-Geschäftsführer Michael Hupe war der Flugverlauf der Maschine aus Korfu ansonsten unauffällig. Sowohl Start als auch Landung verliefen planmäßig. Nach dem Aufsetzen wurde das Flugzeug jedoch zunächst auf einem weit abgelegenen Vorfeldplatz abgestellt, um jeden Verdacht auf eine Entführung auszuschließen.
Feuerwehr und Polizei rückten mit Blaulicht an, auch Spezialkräfte waren beteiligt. Genaue Zahlen zu den eingesetzten Kräften wurden zunächst nicht genannt.
Passagiere wurden betreut
Erst nachdem feststand, dass keine Gefahr besteht, durften die Passagiere die Maschine verlassen. Sie stiegen über Treppen aus und wurden mit Bussen ins Terminal gebracht.
Dort nahm sie das sogenannte SAT-Team des Flughafens in Empfang, das speziell für solche Notfälle geschult ist. Nach Angaben des Flughafens stehen bei Bedarf auch psychologische Betreuung, Seelsorge und weitere Ansprechpartner zur Verfügung.
Auch Busse und U-Bahn betroffen
Wegen des Einsatzes kam es nicht nur am Flughafen selbst zu Beeinträchtigungen. Zeitweise waren auch der Bus- und U-Bahn-Verkehr in Richtung Airport betroffen.
Bereits am Morgen möglicher Drohnenvorfall
Schon am frühen Morgen hatte es am Flughafen Nürnberg einen weiteren Zwischenfall gegeben. Drei Piloten meldeten unabhängig voneinander bei einem Start- oder Landevorgang ein Objekt, bei dem es sich möglicherweise um eine Drohne gehandelt haben könnte.
Die Grenzpolizeiinspektion Nürnberg-Flughafen leitete daraufhin gemeinsam mit dem Albrecht-Dürer-Airport und der Deutschen Flugsicherung umgehend Such- und Detektionsmaßnahmen ein. Dabei kam auch ein Polizeihubschrauber zum Einsatz. Eine Drohne wurde jedoch nicht gefunden.
Während dieses ersten Einsatzes kam es zeitweise zu Beeinträchtigungen im Flugbetrieb. Nach Angaben eines Flughafensprechers verspäteten sich sechs Flüge – darunter zwei Ankünfte und vier Abflüge. Zudem mussten zwei ankommende Maschinen vorsorglich nach Köln und Prag ausweichen, konnten ihren Flug nach Nürnberg später jedoch fortsetzen.
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei gibt es keinerlei Verbindung zwischen der möglichen Drohnensichtung am Morgen und dem späteren Alarm bei dem Flug aus Korfu.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber