Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember erweitert die Deutsche Bahn ihr Angebot im Fernverkehr. Der bundeseigene Konzern setzt dabei auf mehr internationale Verbindungen und zusätzliche ICE-Sprinter, um wieder mehr Reisende anzusprechen. Künftig sollen täglich mehr als 320 grenzüberschreitende Fahrten angeboten werden, unter anderem nach Frankreich, Italien und Österreich. Zudem wird zwischen Hamburg und München eine neue besonders schnelle Verbindung eingerichtet, die die Strecke in 5 Stunden und 20 Minuten bewältigen soll.
Fernverkehrsvorstand Michael Peterson betonte, die Bahn bleibe angesichts hoher Kraftstoffpreise eine attraktive und preiswerte Alternative zu Auto und Flugzeug. Insgesamt bleibe das Angebot in der Fläche weitgehend stabil, auch wenn einzelne Züge wegen Baustellen nicht fahren könnten. Beim Thema Pünktlichkeit hat die Bahn allerdings weiterhin Nachholbedarf.
Tickets für den neuen Fahrplan sind ab Mittwoch, 14. Oktober, erhältlich. Die Preise im Fernverkehr bleiben unverändert. Bahn-Chefin Evelyn Palla hatte bereits angekündigt, dass es dort bis Mai 2027 keine Preiserhöhungen geben soll.
Schnellere Sprinter-Verbindungen
Zwischen Hamburg und München startet eine neue Sprinter-Linie, die dreimal täglich pro Richtung unterwegs ist. Die Züge halten dabei nur in Hannover und Nürnberg. Stopps in Städten wie Lüneburg, Göttingen oder Fulda entfallen. Nach Angaben der Bahn bringt das eine Zeitersparnis von 20 Minuten.
Auch die Sprinter-Verbindung zwischen Berlin und Stuttgart wird ausgebaut: Statt bisher einmal täglich je Richtung soll sie künftig dreimal täglich fahren. Die Fahrzeit liegt bei 4 Stunden und 45 Minuten. Bundesweit plant die Bahn ab Mitte Dezember rund 70 tägliche Sprinter-Fahrten auf wichtigen Achsen.

Mehr internationale Züge
Die Bahn setzt ihren Ausbau im europäischen Fernverkehr fort. Mit dem neuen Fahrplan steigt die Zahl der internationalen Fahrten auf über 320 pro Tag. Das sind 20 mehr als bisher und rund 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Nach Bahnangaben sind dann mehr als 200 Städte in 14 Ländern direkt von Deutschland aus erreichbar.
Auch der Ticketkauf für Reisen ins Ausland wird einfacher. Über den DB Navigator lassen sich bereits Fahrkarten zu mehr als 10.000 europäischen Zielen buchen, darunter Angebote der ÖBB, von Trenitalia und Eurostar. Bis Ende 2026 sollen außerdem Tickets der niederländischen NS sowie des spanischen Anbieters IRYO für Inlandsreisen in den jeweiligen Ländern buchbar sein.
Künftig gibt es zusätzliche Verbindungen nach Italien, Frankreich, Österreich und Dänemark. So wird die Strecke Hamburg–Kopenhagen ab März siebenmal täglich bedient, etwa alle zwei Stunden ab 7 Uhr. Bislang sind es fünf Fahrten pro Tag. Zwischen Stuttgart und Paris steigt die Zahl der täglichen Verbindungen von 10 auf 12, ebenso zwischen Frankfurt und Wien von 12 auf 14.
Ab Sommer kommt außerdem in Zusammenarbeit mit Trenitalia und den Österreichischen Bundesbahnen eine neue Direktverbindung zwischen München, Mailand und Rom hinzu. Die Fahrt nach Mailand soll rund 6,5 Stunden, nach Rom etwa 8,5 Stunden dauern.
Weitere Neuerungen im Überblick
- Aus Westfalen – unter anderem aus Hamm und Paderborn – fahren wieder direkte ICE-Züge nach Würzburg, Nürnberg und München.
- Zwischen Jena und Berlin wird erneut ein direkter ICE eingesetzt.
- Von Bonn aus besteht fast das ganze Jahr über wieder im Zwei-Stunden-Takt eine direkte Verbindung nach Berlin.
Baustellen bleiben ein Problem
Trotz des erweiterten Angebots bleibt das stark sanierungsbedürftige Schienennetz eine große Herausforderung. Bund und Bahn wollen zwar bis 2031 weniger vielbefahrene Strecken grundlegend erneuern als ursprünglich vorgesehen, doch auch im kommenden Jahr müssen Fahrgäste mit zahlreichen Baustellen, Umleitungen und längeren Fahrzeiten rechnen.
Bereits begonnen hat die Erneuerung der rund 230 Kilometer langen Strecke zwischen Lehrte und Berlin. Diese wichtige Ost-West-Verbindung ist bis Dezember 2027 komplett gesperrt. Dadurch verlängert sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover infolge von Umleitungen um 80 Minuten auf rund 180 Minuten. Manche Verbindungen entfallen deshalb oder werden seltener angeboten.
Für das kommende Jahr sind außerdem Bauarbeiten auf den Strecken Rosenheim–Salzburg sowie Fulda–Hanau geplant. Laut Bahn sind geänderte Fahrzeiten und Umleitungen bereits in der Reiseauskunft berücksichtigt. Wer ein Ticket bucht, bekommt also die jeweils gültigen Verbindungen direkt angezeigt.
Pünktlichkeit weiter schwach
Kurzfristige Verspätungen werden sich dennoch nicht vermeiden lassen. Im September war im Fernverkehr fast jeder zweite Zug unpünktlich. Nach Bahnangaben lag die Pünktlichkeitsquote bei lediglich 52,4 Prozent. Als unpünktlich gilt ein Zug ab sechs Minuten Verspätung.
Bahn-Chefin Palla hatte für das laufende Jahr eigentlich eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 60 Prozent als Ziel ausgegeben. Dieses Ziel dürfte verfehlt werden. Bis Ende 2029 sollen dann immerhin wieder mindestens 70 Prozent der Fernzüge pünktlich ankommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber