Dank ausgebliebener schwerer Winterstürme rechnen die deutschen Versicherer im Jahr 2024 mit unterdurchschnittlichen Schäden durch Naturkatastrophen. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beliefen sich die versicherten Schäden durch Sturm, Hagel, Starkregen und Überschwemmungen im ersten Halbjahr auf rund 950 Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr erwartet der Verband eine Schadenssumme von etwa zwei Milliarden Euro. Das wäre mehr als eine Milliarde Euro weniger als in einem durchschnittlichen Jahr. Diese Prognose steht jedoch unter der Voraussetzung, dass es bis zum Jahresende keine größeren Katastrophen mehr gibt.
GDV: Niedrige Schäden waren vor allem Glück
Aus Sicht der Versicherungswirtschaft sind die bislang vergleichsweise geringen Schäden kein Zeichen für eine Entwarnung beim Klimawandel. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen betonte, dass die niedrigen Schäden im ersten Halbjahr vor allem Glück gewesen seien.
Langfristige Auswertungen zeigten vielmehr, dass Wetterextreme infolge steigender Temperaturen zunehmen – und damit auch die Schäden. Die aktuelle Entwicklung in diesem Jahr ändere nichts an diesem Trend.
Langfristig höhere Schäden durch Wetterextreme
Nach GDV-Daten verursachen allein Starkregen, Überschwemmung und Rückstau im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre jährlich Schäden von rund 2,4 Milliarden Euro an und in Häusern, Wohnungen und Unternehmen. Im Zeitraum von 2000 bis 2009 hatte dieser Wert mit etwa 1,4 Milliarden Euro noch deutlich niedriger gelegen.
Asmussen verwies zudem auf den Hitzesommer mit Temperaturrekord als weiteres Signal für den fortschreitenden Klimawandel. Gleichzeitig warnte er davor, die Lage zu unterschätzen: Einzelne Unwetter könnten jederzeit hohe Schäden verursachen.
Versicherungsschutz bei Elementargefahren weiter lückenhaft
Die GDV-Statistik berücksichtigt ausschließlich versicherte Schäden. Zwar müssen Häuser in Deutschland im Rahmen der vorgeschriebenen Gebäudeversicherung gegen Sturm und Hagel abgesichert sein. Für Überschwemmungen und andere sogenannte Elementarschäden gilt das jedoch nicht automatisch.
Aktuell sind laut GDV 59 Prozent der Wohnhäuser gegen Elementargefahren wie Überschwemmung oder Starkregen versichert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber