Wirtschaft

Paukenschlag: Deutsche Bank stoppt Millionen-Klage

152-Millionen-Zoff beendet: Deutsche Bank einigt sich mit Ex-Mitarbeiter – doch in London drohen schon die nächsten Prozesse.

07.09.2026, 12:27 Uhr

Deutsche Bank beendet 152-Millionen-Euro-Klage eines Ex-Bankers mit Vergleich

Die Deutsche Bank hat einen Rechtsstreit mit einem früheren Investmentbanker durch einen außergerichtlichen Vergleich beendet. Nach Angaben eines Sprechers wurden alle Forderungen und Vorwürfe vertraulich beigelegt. Einzelheiten zur Einigung nannte das Institut auch auf Nachfrage nicht. Lediglich so viel teilte die Bank mit: Die Beilegung des Falls werde im dritten Quartal 2026 nur einen kleinen finanziellen Effekt haben.

Das Landgericht Frankfurt hob daraufhin einen für Donnerstag, den 10. September, angesetzten Verhandlungstermin auf. Der Grund: Der Kläger zog seine Klage zurück. Das Verfahren lief unter dem Aktenzeichen 2-19 O 153/24.

Forderung nach Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe

Der frühere Mitarbeiter hatte von seinem ehemaligen Arbeitgeber Schadenersatz in Höhe von 152 Millionen Euro verlangt. Auslöser waren frühere Geschäfte der Deutschen Bank mit der italienischen Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS), die in Italien ein Strafverfahren nach sich gezogen hatten.

Im Geschäftsbericht 2025 der Deutschen Bank heißt es, der Mann habe einen Ausgleich wegen angeblicher Schäden verlangt, die seiner Karriere durch das italienische Strafverfahren und das erstinstanzliche Urteil entstanden seien. Nach Darstellung des Landgerichts warf der Kläger der Bank vor, sie habe in der Vergangenheit eine fragwürdige Bilanzierungsmethode genutzt und ihn später zum „Sündenbock“ gemacht, als Behörden und Medien darauf aufmerksam wurden.

Deutsche Bank hält die Vorwürfe für unbegründet

Neben dem nun beigelegten Verfahren sind in London noch vier ähnliche Klagen anhängig. Den Streitwert beziffert die Deutsche Bank dort auf insgesamt mehr als 600 Millionen Pfund, umgerechnet rund 700 Millionen Euro. Mit einem sechsten Ex-Mitarbeiter hatte sich das Institut bereits ebenfalls außergerichtlich geeinigt.

Die Deutsche Bank weist die Forderungen der früheren Mitarbeiter seit Längerem zurück. Im Geschäftsbericht 2025 betont das Geldhaus, man halte alle derartigen Klagen für unbegründet und werde sich entschieden dagegen verteidigen. Das gelte auch für aus Sicht der Bank überhöhte und unrealistische Angaben zu angeblichen Verlusten.

Ursprung des Falls liegt in Geschäften aus dem Jahr 2008

Der Hintergrund des Streits reicht viele Jahre zurück. Im Jahr 2008 hatte die Deutsche Bank komplexe Derivategeschäfte mit der italienischen MPS und einer Tochtergesellschaft der Bank abgeschlossen. Diese Transaktionen wurden später neu klassifiziert.

Im Zusammenhang damit verurteilte ein italienisches Gericht 2019 fünf ehemalige sowie einen damals noch aktiven Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen Beihilfe zur Bilanzfälschung in Tateinheit mit Marktmanipulation zu mehrjährigen Haftstrafen. In der Berufung wurden 2022 jedoch alle Angeklagten freigesprochen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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