Wirtschaft

Wirtschaft atmet auf: Ifo hebt Prognose kräftig an

Jahrelang nur Krisensignale – jetzt überrascht Deutschlands Wirtschaft plötzlich. Selbst Ifo-Ökonomen sehen neue Hoffnung.

03.09.2026, 10:30 Uhr

Das Ifo-Institut hat seine Erwartungen für die deutsche Wirtschaft deutlich nach oben korrigiert. Für das laufende Jahr rechnen die Münchner Forscher nun mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als in der bisherigen Prognose. Als positives Signal verweisen die Ökonomen vor allem auf erste Verbesserungen in der lange schwachen Industrie.

Auch für das kommende Jahr fällt der Ausblick günstiger aus als bisher. Das Ifo erwartet dann ein Plus von 1,2 Prozent, also 0,4 Prozentpunkte mehr als noch in der Sommerprognose.

Damit schließt sich das Institut optimistischeren Einschätzungen anderer Wirtschaftsexperten an. So hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seine Vorhersage erst kürzlich ebenfalls kräftig angehoben: Statt eines Zuwachses von 0,5 Prozent aus der Juni-Prognose geht es nun von 1,2 Prozent Wachstum in diesem Jahr aus.

Industrie und Auslandsgeschäft geben Rückenwind

Nach Einschätzung des Ifo profitieren die Aussichten sowohl vom schuldenfinanzierten Investitionsprogramm der Bundesregierung als auch von einer stärkeren Nachfrage aus dem Ausland. Zusammengenommen hätten diese Impulse die Konjunktur gestützt und stärkere Folgen des Energiepreisschocks abgefedert.

Vor allem die Industrie könnte davon profitieren. Der Sektor, der zuletzt unter höheren US-Zöllen und wachsender Konkurrenz aus China gelitten hatte, dürfte seine Produktion in diesem Jahr laut Prognose um 1,8 Prozent steigern.

Trotz jüngster Belastungen beurteilt das Institut die konjunkturelle Entwicklung insgesamt als widerstandsfähig. Als Störfaktoren nennen die Forscher unter anderem den Iran-Krieg sowie Niedrigwasser auf wichtigen Flüssen. Einen Rückgang der Arbeitslosigkeit erwarten sie im laufenden Jahr allerdings nicht.

Wachstum mit Schattenseiten

Mit den besseren Wirtschaftsaussichten gehen laut Ifo jedoch auch steigende Staatsschulden einher. Das staatliche Finanzierungsdefizit könnte von drei Prozent des BIP im vergangenen Jahr bis 2028 auf 4,6 Prozent anwachsen.

Auch bei der Inflation rechnen die Ökonomen mit weiterem Druck. Für das laufende Jahr prognostizieren sie eine Teuerungsrate von 2,8 Prozent, für 2027 sogar drei Prozent. Damit lägen beide Werte klar über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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