Wirtschaft

Möbel-Schock: So stark brechen die Umsätze jetzt ein

Möbel-Krise geht weiter – doch ausgerechnet ein Bereich überrascht jetzt mit einem kleinen Hoffnungsschimmer.

01.09.2026, 12:00 Uhr

Möbelbranche bleibt unter Druck

Die deutsche Möbelindustrie kommt wegen der anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher weiter nicht aus ihrer schwierigen Lage. Im ersten Halbjahr erzielten die Hersteller einen Umsatz von 7,7 Milliarden Euro. Das waren nominal 2,7 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) unter Verweis auf vorläufige amtliche Daten mitteilte. Eine Ausnahme blieben Küchenmöbel, deren Erlöse um ein Prozent zulegten.

VDM-Geschäftsführer Jan Kurth sprach von weiterhin belastenden Rahmenbedingungen. Neben höheren Kosten für Material, Energie und Personal setze der Branche vor allem die schwache Konsumstimmung zu. Ein wachsender Teil der Kaufkraft fließe in Reisen und Freizeit. Hinzu kämen die anhaltende Flaute im Wohnungsbau und der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck.

Deutscher Markt schwächelt besonders

Abgesehen von Küchenmöbeln mussten fast alle Sparten Rückgänge hinnehmen. Am stärksten traf es Polstermöbel mit einem Minus von 10 Prozent. Vor allem im Inland lief das Geschäft schlecht: Auf dem deutschen Markt gingen die Umsätze um 4,1 Prozent zurück.

Auch bei den Auftragseingängen zeigt sich ein gemischtes Bild. Küchenmöbel verzeichneten von Januar bis Juni ein Auftragsplus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Polstermöbeln fiel der Rückgang mit 10,5 Prozent deutlich aus. Für das laufende Jahr erwartet Kurth keine spürbare Erholung.

Verbraucher verschieben größere Anschaffungen

Die Krise in der Möbelindustrie dauert bereits länger an. 2025 gingen die Erlöse das dritte Jahr in Folge zurück und erreichten den niedrigsten Stand seit 2009. Zwischen 2023 und 2026 verlor die Branche insgesamt rund ein Fünftel ihres Umsatzes. Als ein Grund gilt, dass viele Haushalte während der Pandemie Anschaffungen vorgezogen haben und der Bedarf inzwischen vielfach gedeckt ist.

Nach Einschätzung von Handelsexperten kaufen viele Verbraucher seltener Möbel und verschieben größere Anschaffungen. Hohe Ausgaben für Lebensmittel, Energie und Gesundheit sowie Sorgen vor weiteren Preissteigerungen bremsten die Bereitschaft, Geld für Einrichtung auszugeben. Zusätzlich sorge die geopolitische Unsicherheit für Zurückhaltung. Dabei waren Möbel und Leuchten im Juli sogar leicht günstiger als ein Jahr zuvor und verbilligten sich um 0,5 Prozent.

Marktbeobachter verweisen darauf, dass Möbel im Zweifel leichter aufgeschoben werden können als viele andere Käufe. Der etwas robustere Trend bei Küchen wird mit ihrer besonderen Bedeutung im Alltag erklärt.

Auch Möbelhandel und Ikea unter Druck

Nicht nur die Hersteller, auch der Möbelhandel leidet unter der schwachen Nachfrage. Nach Angaben des IFH Köln setzte der Fachhandel im ersten Halbjahr 3,3 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Der Handelsverband Wohnen und Büro sieht 2026 bislang zwar noch nicht als Erholungsjahr, spricht aber von einer vorsichtigen Stabilisierung.

Selbst Marktführer Ikea steht nach Einschätzung von Branchenkennern unter Druck. Nach dem Rekordjahr 2022/2023 gingen die weltweiten Erlöse des Konzerns zurück. Kunden achteten stärker auf das Preis-Leistungs-Verhältnis, zugleich wachse der Druck durch Wettbewerber wie Jysk und XXXLutz. Ikea kündigte deshalb an, die Preise für rund 1.500 Produkte senken zu wollen.

Zusätzlich sorgt die geplante Übernahme der Porta-Gruppe durch XXXLutz für Diskussionen in der Branche. Der VDM sieht eine zunehmende Konzentration im Handel. Für viele mittelständische Hersteller bedeute das, dass sie mit weniger, aber immer größeren Handelspartnern verhandeln müssten.

Weniger Betriebe, weniger Beschäftigte, mehr Kurzarbeit

Die schwierige Lage zeigt sich auch bei den Unternehmenszahlen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Betriebe mit mindestens 50 Beschäftigten zwischen 2018 und 2025 von 480 auf 398. Die Zahl der Beschäftigten ging im selben Zeitraum von mehr als 84.600 auf weniger als 68.300 zurück. Ein wichtiger Produktionsstandort der Branche ist die Region Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen.

Weitere Daten unterstreichen den Druck in der Industrie: Laut VDM planen 40 Prozent der Mitgliedsunternehmen Kurzarbeit. Sinkende Auslastung lasse die Margen schnell unter Druck geraten, während niedrigere Absatzmengen auf steigende Kosten träfen.

Für manche Firmen wurde die Lage zuletzt existenzbedrohend. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade meldeten in Deutschland zwischen Januar und Mai 29 Hersteller Insolvenz an, im Möbelhandel waren es im selben Zeitraum 38 Unternehmen. Zwar habe die Dynamik zuletzt etwas nachgelassen, das Niveau liege aber weiter über dem vor der Pandemie.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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