Europa hat gerade einen außergewöhnlich heißen Sommer erlebt, während Australien zugleich einen Winter mit Rekordwärme verzeichnet. Nach Angaben des nationalen Wetterdienstes BoM war es in den Bundesstaaten Victoria, New South Wales und Tasmanien der wärmste Winter seit Beginn der Messungen im Jahr 1910. Im landesweiten Durchschnitt lagen die Temperaturen 1,45 Grad über dem Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990. Damit handelt es sich um den drittwärmsten australischen Winter überhaupt.
An der Ostküste, vor allem in Sydney, wurden teils beinahe frühlingshafte Werte gemessen. Die mittlere Temperatur lag dort laut BoM-Klimatologe Simon Grainger bei 15,3 Grad und damit über dem bisherigen Höchstwert von 15 Grad aus dem Jahr 2013. Auch Melbourne und Canberra meldeten für die Jahreszeit ungewöhnlich hohe Temperaturen.
Milder Frühling dürfte folgen
Nach Einschätzung von Experten könnte sich die ungewöhnliche Wärme im nun beginnenden australischen Frühling fortsetzen. Für große Teile des Landes werden sowohl tagsüber als auch nachts überdurchschnittlich hohe Temperaturen erwartet. Als wichtiger Faktor gilt das stärker werdende Klimaphänomen El Niño, das voraussichtlich im späten Frühling oder im Sommer seinen Höhepunkt erreichen wird.
Folgen für Natur und Tourismus
Die milden Bedingungen bleiben nicht ohne Auswirkungen. Fachleute warnen, dass viele Ökosysteme und Tierarten in Australien auf kühlere Winter angewiesen sind. Auch der Wintertourismus leidet unter dem Temperaturanstieg: Wegen fehlenden Schnees mussten mehrere Skigebiete in Victoria und New South Wales ihre Saison früher beenden.
Klimaforscherin Sarah Perkins-Kirkpatrick von der Australian National University betonte, dass Schnee in Australien ohnehin selten sei. Schon ein Temperaturanstieg um wenige Grad im Winter reiche aus, damit die Werte häufig über dem Gefrierpunkt liegen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber