Wirtschaft

Mieterbund warnt: Wohnungsnot eskaliert – Mieter in Angst

Wohnkosten explodieren, die Angst vor dem Wohnungsverlust wächst: Was jetzt gegen die Mietkrise auf den Tisch kommt.

01.09.2026, 11:28 Uhr

Jeder zweite Mieter in Deutschland sorgt sich nach Angaben des Deutschen Mieterbundes (DMB) davor, im Ernstfall keine bezahlbare neue Wohnung zu finden. Im aktuellen Mietenreport 2026 verweist der Verband zudem auf eine Forsa-Umfrage, wonach 29 Prozent der Mieterinnen und Mieter befürchten, ihre Miete künftig nicht mehr zahlen zu können. 58 Prozent gaben an, dass ihre Wohnkosten – also Miete oder Nebenkosten – innerhalb der vergangenen zwölf Monate gestiegen seien.

Für die Erhebung wurden zwischen dem 29. Juni und 7. Juli insgesamt 1.021 Mieterinnen und Mieter befragt. Nach Angaben des Mieterbundes ist die Umfrage repräsentativ für Mieter in Deutschland.

DMB: Viele verzichten darauf, ihre Rechte einzufordern

DMB-Präsidentin Melanie Weber-Moritz sieht die Krise auf dem Mietmarkt als dauerhaft verankert. Viele Menschen lebten mit der Sorge, ihre Wohnung zu verlieren. Das führe teils dazu, dass sie ihre Rechte nicht geltend machten – etwa wenn sie wegen der Mietpreisbremse eine Senkung der Miete verlangen könnten.

Die Mietpreisbremse greift nur in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt. Bei einer Neuvermietung darf die Miete dort in der Regel höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ausgenommen sind unter anderem Neubauten bei Erstvermietung, Wohnungen nach umfassender Modernisierung, ältere Mietverträge sowie Kurzzeitvermietungen.

Viele sparen an anderer Stelle

Um die Wohnkosten tragen zu können, schränken sich viele Haushalte laut DMB in anderen Bereichen ein. 52 Prozent legen demnach weniger Geld für die Altersvorsorge zurück. 25 Prozent geben nach eigenen Angaben weniger für gesunde Lebensmittel aus.

Zudem verfüge etwa jeder vierte Miethaushalt nur über einen sehr kleinen finanziellen Puffer, um bei einem Jobverlust, einer Trennung oder längerer Krankheit die Miete weiter zahlen zu können. Zehn Prozent könnten ihre Miete sogar für weniger als einen Monat aufbringen, wenn plötzlich 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens wegfallen würden.

Hoher Anteil des Einkommens geht fürs Wohnen drauf

Nach Einschätzung des Mieterbundes ist aus der Wohnungskrise inzwischen auch eine soziale Krise geworden. Im Jahr 2025 mussten 11,2 Prozent der Menschen in Deutschland mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Miete und Nebenkosten ausgeben. Damit liegt Deutschland laut DMB im EU-Vergleich auf Platz drei hinter Griechenland und Dänemark. Der EU-Durchschnitt lag im vergangenen Jahr bei 7,7 Prozent.

Bundestag muss über schärfere Regeln noch entscheiden

Die im April vom Kabinett beschlossenen Änderungen im Mietrecht bewertet der DMB zwar grundsätzlich positiv. Aus Sicht des Verbands reichen sie jedoch nicht aus, um die Angst vor steigenden Wohnkosten und einem möglichen Wohnungsverlust zu mindern. Weber-Moritz fordert deshalb unter anderem einen zeitlich befristeten bundesweiten Mietenstopp sowie Bußgelder für Vermieter, die überhöhte Mieten verlangen oder gegen die Mietpreisbremse verstoßen.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung, mit dem sich der Bundestag noch befassen muss, sieht strengere Regeln für die Vermietung möblierter Wohnungen vor. Zudem sollen Mieter mit Indexmietverträgen in Gebieten mit Mietpreisbremse besser vor besonders starken Mietsteigerungen bei hoher Inflation geschützt werden. Kurzzeitmietverträge sollen künftig in der Regel nur noch für maximal sechs Monate zulässig sein.

Geplant ist außerdem eine Regelung, die es Mietern mit Zahlungsrückständen erleichtern soll, eine Kündigung noch abzuwenden. Gerade bei diesem Punkt sehen Fachpolitiker der Union nach Angaben aus dem politischen Raum noch weiteren Beratungsbedarf.

Kritik von Vermieterseite und weitere Forderungen

Während der Mieterbund deutlich weitergehende Eingriffe verlangt, kommt vom Eigentümerverband Haus & Grund Widerspruch. Dessen Präsident Kai Warnecke hält zusätzliche Regulierung nicht für geeignet, den Wohnungsmangel zu beheben, und verweist darauf, dass dadurch keine neuen Wohnungen entstünden.

Weber-Moritz fordert darüber hinaus, dass Sozialwohnungen mit niedrigen Mieten dauerhaft nur an Menschen mit geringem Einkommen vergeben werden. Bislang können solche geförderten Wohnungen nach Ablauf bestimmter Fristen wieder frei vermietet werden. Um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, schlägt der Mieterbund außerdem vor, Bodenpreise zu deckeln und kommunale Flächen stärker für den Wohnungsbau zu nutzen.

Nach Einschätzung des Mieterbundes fehlen in Deutschland derzeit rund 1,4 Millionen Wohnungen. Die Anfang Juli vom Koalitionsausschuss angekündigte Gründung einer Bundesgesellschaft könnte laut Weber-Moritz zumindest teilweise dazu beitragen, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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