Führungswechsel bei der tschechischen Staatsbahn
Nach öffentlicher Kritik, unter anderem wegen fehlenden Toilettenpapiers in Zügen, bekommt die tschechische Staatsbahn Ceske drahy (CD) eine neue Spitze. Die Ingenieurin Lenka Hamplova übernimmt den Vorsitz des Unternehmens und ist damit die erste Frau in dieser Position. Sie folgt auf Michal Krapinec, der seinen Rückzug mit persönlichen Gründen begründet hatte.
Deutliche Vorwürfe aus der Politik
Zuvor war Krapinec scharf attackiert worden. Parlamentspräsident Tomio Okamura erklärte im Sender CT, ihn hätten zahlreiche Beschwerden von Fahrgästen erreicht, die sich über fehlendes Toilettenpapier in den Waggons beklagt hätten. Der Zustand sei eine "völlige Schande". Ein Sprecher der Bahn hielt dagegen und verwies darauf, dass das Unternehmen jedes Jahr rund drei Millionen Rollen Toilettenpapier bereitstelle.
Allerdings blieb es nicht bei dieser Debatte. Das Portal Seznam Zpravy berichtete zuletzt, dass Krapinec nicht mehr berechtigt sei, Unterlagen mit der Einstufung "Vertraulich" einzusehen. Für eine solche Freigabe ist eine umfassende Überprüfung durch das Nationale Sicherheitsamt (NBU) notwendig. Warum die Berechtigung entfiel, wurde nicht bekannt.
Hamplova kündigt Modernisierung an
Die neue CD-Chefin erklärte, sie wolle die Bahn zu einem gesunden, modernen und selbstbewussten Unternehmen weiterentwickeln. Tschechien verfügt über eines der dichtesten Schienennetze Europas. Insgesamt umfasst es etwa 9.344 Kilometer. Neben der Staatsbahn sind inzwischen auch zahlreiche private Anbieter aktiv, darunter Arriva und Regiojet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber