Nordrhein-Westfalen

Bluttat im niederländischen Dorf – ein Toter

Tödliche Schüsse nahe der Grenze: Polizei jagt Verdächtige – steckt ein eskalierter Drogenkrieg dahinter?

01.09.2026, 12:18 Uhr

Bei einer heftigen Schießerei im niederländischen Ort Overasselt nahe der deutschen Grenze ist ein Mann getötet worden. Zwei Polizeibeamte wurden verletzt. Nach Angaben der Polizei wurden 34 Menschen festgenommen. Wegen einer möglichen anhaltenden Gefahr forderten die Behörden die Bewohner zeitweise auf, in ihren Häusern zu bleiben sowie Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Große Teile des Dorfes bei Nimwegen waren seit dem frühen Morgen abgeriegelt, auch die örtliche Grundschule blieb geschlossen. Mehrere Polizeieinheiten fahndeten stundenlang, auch mit Hubschraubern, nach den mutmaßlichen Tätern. Nach bisherigen Erkenntnissen soll es um Dutzende bewaffnete Personen gehen. Zeugen zufolge versteckten sich einige Verdächtige in einem Maisfeld.

Zudem stoppte die Polizei auf zwei Autobahnen in der Region mutmaßliche Fluchtautos und nahm mehrere Menschen fest. Weitere Festnahmen gab es auch am Bahnhof in Nimwegen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Verdächtigen um eine internationale Gruppe. Unter ihnen seien Franzosen, Belgier, Algerier und Niederländer. Die Ermittler machten zunächst keine Angaben zu einem möglichen Motiv. Bei den Festnahmen wurden Waffen und Computer sichergestellt. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen hielten sich Polizei und Justiz mit weiteren Details zurück.

Maskierte und schwer bewaffnete Männer

Medienberichten zufolge könnte der Vorfall mit einem Streit innerhalb einer Drogenbande zusammenhängen. Die Zeitung De Telegraaf veröffentlichte Kameraaufnahmen, auf denen etwa 30 maskierte und schwer bewaffnete Personen zu sehen sein sollen. Demnach liefen in den frühen Morgenstunden Dutzende junge Männer durch das Dorf, einige davon mit Gewehren.

Die Polizei war nach eigenen Angaben gegen 4.00 Uhr alarmiert worden. Als die Einsatzkräfte an dem betroffenen Haus eintrafen, sollen Verdächtige sofort das Feuer auf die Beamten eröffnet haben. Verstärkung und Rettungskräfte seien rasch vor Ort gewesen. Die beiden verletzten Polizisten kamen ins Krankenhaus, befinden sich aber nicht in Lebensgefahr.

Möglicher Drogenkonflikt

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht laut Medien ein Haus im Dorf, auf das geschossen worden sein soll. Der Bewohner soll Verbindungen zum Umfeld des gesuchten Kokainhändlers Jos Leijdekkers haben, der unter dem Namen „Bolle Jos“ bekannt ist und seit Jahren international gesucht wird.

Das betroffene Haus war bereits 2025 Ziel eines Anschlags. Damals hatte ein 21-Jähriger mit einer Kalaschnikow auf das Eingangstor gefeuert. Vor Gericht sagte er später, es habe sich um eine Warnung gehandelt. Den Auftraggeber nannte er nicht.

Bei dem Todesopfer könnte es sich nach Medienberichten um einen Personenschützer handeln, den die Bewohner des Hauses nach dem früheren Anschlag engagiert hatten.

Entsetzte Reaktionen

Politik und Bevölkerung reagierten entsetzt auf die Gewalt. Justizminister David van Weel erklärte, diese Brutalität werde nicht toleriert. Bürgermeister Joerie Mindes zeigte sich tief schockiert und nannte die Ereignisse in Overasselt völlig inakzeptabel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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