Haakon VIII. legt Verfassungseid ab – Mette-Marit fehlt wegen Komplikationen
Der neue norwegische König Haakon VIII. hat im Parlament in Oslo seinen Eid auf die Verfassung abgelegt. Mit dem Tod seines Vaters Harald V. am Freitag war die Krone zwar unmittelbar auf ihn übergegangen, zum offiziellen Thronwechsel gehört aber auch die Vereidigung vor dem Storting.
Seine Ehefrau Königin Mette-Marit nahm an der Zeremonie nicht teil. Sie erholt sich weiterhin von einer Lungentransplantation im Sommer. Nach Angaben des Hofs erklärte der Lungenfacharzt Are Holm vom Reichskrankenhaus in Oslo, seit dem Eingriff habe es in mehreren Fällen Komplikationen gegeben – auch am Dienstag. Deshalb müsse die Königin im Tagesverlauf beobachtet und medizinisch überwacht werden.
Fahrt zum Parlament in offener Limousine
Haakon fuhr am Dienstagmittag in einer offenen Limousine vom Schloss zum Parlament. Zahlreiche Menschen hatten sich entlang der Strecke versammelt, um den neuen Monarchen zu sehen. Über einen roten Teppich betrat er anschließend das Parlamentsgebäude.
Begleitet wurde der König von Königin Sonja, der Witwe Haralds, sowie von seinen Kindern Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus. Ingrid Alexandra, die neue Thronfolgerin, stand während des Eids an der Seite ihres Vaters.
Im Parlament sprach Haakon den traditionellen Eid mit den Worten, er gelobe und schwöre, das Königreich Norwegen gemäß Verfassung und Gesetzen zu regieren. Außerdem bekräftigte er seinen Wahlspruch „Alles für Norwegen“, den er von seinem Vater übernommen hat.
Kurz nach der Zeremonie gratulierte Schwedens König Carl XVI. Gustaf seinem Patensohn per Telegramm. Darin erklärte er, er hoffe, Haakon spüre in seinem neuen hohen Amt die Unterstützung seines Patenonkels, der schwedischen Familie und des gesamten schwedischen Volkes.
Am Nachmittag unterzeichnete Ingrid Alexandra im Osloer Schloss ebenfalls einen Eid auf die Verfassung. Das Königshaus teilte mit, der König werde in der ersten Kabinettssitzung darüber informieren, dass der unterschriebene Eid an das Parlament übermittelt worden sei. Damit kann die Kronprinzessin ihren Vater nun auch als Regentin vertreten.
Abschied von Harald V.
Harald V. war am frühen Freitagmorgen im Alter von 89 Jahren im Krankenhaus gestorben. Am Montag hatte die Königsfamilie an einer stillen Prozession mit dem Sarg des verstorbenen Monarchen durch das Schloss teilgenommen, bevor dieser in die Schlosskapelle gebracht wurde. Danach zeigten sich Haakon und Mette-Marit gemeinsam mit Königin Sonja und Haakons Schwester Prinzessin Märtha Louise auf dem Schlossplatz.
Für Aufsehen sorgte dabei die Teilnahme von Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby an der Sargprozession. Der 29-Jährige war im Juni nach norwegischem Recht unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen zu vier Jahren Haft verurteilt worden; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Er verbüßt seine Untersuchungshaft derzeit mit elektronischer Fußfessel auf Schloss Skaugum, dem Wohnsitz des Königspaars. Für die Prozession und auch für die Beisetzung erhielt er Ausgang.
Die Beisetzung von König Harald ist für den 9. September in Oslo geplant. Als erste ausländische Gäste haben sich bereits das dänische Königspaar Frederik und Mary angekündigt.
Öffentlichkeit kann Abschied nehmen
Bis zum Tag vor dem Begräbnis kann sich auch die Bevölkerung von Harald verabschieden. Seit Dienstagnachmittag ist die Schlosskapelle für Besucherinnen und Besucher geöffnet, die an dem geschlossenen Sarg vorbeigehen und dem langjährigen Monarchen die letzte Ehre erweisen wollen.
Wie die Zeitung „Aftenposten“ berichtete, hatten einige Menschen dafür schon seit dem frühen Morgen angestanden. Eine Frau namens Sølvi Neu reiste demnach sogar mit dem Nachtzug aus Bergen an, um sich von Harald zu verabschieden. Dem Blatt sagte sie, sie könne kaum darüber sprechen, ohne zu weinen, und die ganze Königsfamilie bedeute ihr sehr viel.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber