Politik

Warum sucht Indiens Regierung die «Kakerlaken»-Bewegung?

Nach Gewalt in Neu-Delhi wächst der Druck: Zwingt die junge «Kakerlaken»-Bewegung die Regierung jetzt an den Verhandlungstisch?

23.07.2026, 14:36 Uhr

Indische Regierung bietet „Kakerlaken“-Bewegung neue Gespräche an

Angesichts der anhaltenden Proteste der regierungskritischen „Kakerlaken“-Bewegung hat die indische Regierung ihre Gesprächsbereitschaft erneut bekräftigt. Staatsminister für Wissenschaft Jitendra Singh sagte laut der Nachrichtenagentur ANI, die Regierung sei bereit, „jederzeit“ mit den jungen Demonstrierenden über alle Themen zu sprechen. Solche Vorschläge seien ihrer Seite bereits mehrfach übermittelt worden. Es gehe dabei nicht um Prestige.

Die „Kakerlaken-Volkspartei“ (CJP) reagierte zunächst zurückhaltend. Ein Sprecher der Bewegung erklärte bei einer Kundgebung vor Tausenden Unterstützern in Neu-Delhi, die Regierung müsse mit konkreten Angeboten auf sie zukommen und auch benennen, bis wann sie Forderungen der CJP erfüllen wolle. Zugleich betonte er, die Bewegung stehe trotz des Machtgefälles hinter einer breiten Unterstützung in der Bevölkerung. Der seit Wochen besetzte Protestort in der Hauptstadt bleibt ein Symbol der Bewegung, die sich zunehmend im ganzen Land ausbreitet.

Beobachter sehen darin eine wachsende Belastungsprobe für die Regierung von Premierminister Narendra Modi.

Rücktrittsforderung und Bildungsreformen

Zu den zentralen Forderungen der CJP gehören der Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan sowie Reformen im Bildungssystem. Nach Ansicht der Bewegung soll Pradhan die politische Verantwortung für einen Skandal um durchgesickerte Unterlagen einer Hochschul-Zugangsprüfung übernehmen. Von dem Vorfall waren mehr als zwei Millionen Studienbewerber betroffen.

Premierminister Modi äußerte sich inzwischen erstmals öffentlich zu dem Skandal. Auf der Plattform X kündigte er zügige Strafverfahren gegen die Verantwortlichen an. Die Regierung habe entschieden, Gerichte für beschleunigte Verfahren einzusetzen, damit Beteiligte an der Weitergabe von Prüfungsunterlagen rasch und konsequent bestraft werden könnten. Das Wohlergehen und die Zukunft der Jugend Indiens hätten höchste Priorität, schrieb Modi.

Zusammenstöße bei Protesten in Delhi

In Neu-Delhi war es zuletzt bei Demonstrationen zu schweren Zusammenstößen zwischen CJP-Anhängern und der Polizei gekommen. Auf beiden Seiten wurden zahlreiche Menschen verletzt. Nach Berichten indischer Sender setzte die Polizei dabei auch Schlagstöcke und Tränengas ein. Beide Seiten warfen sich anschließend gegenseitig gewaltsames Vorgehen vor.

Trotz der Eskalation hatten Vertreter der CJP bereits am Montag mit Gesundheitsminister Jagat Prakash Nadda gesprochen. Nach Angaben von Teilnehmern endeten die Unterredungen jedoch ohne greifbares Ergebnis.

Die CJP war im Mai entstanden, nachdem ein oberster Richter arbeitslose junge Menschen als „Kakerlaken“ bezeichnet hatte. Die Bewegung versteht sich selbst als „satirische politische Bewegung“ und organisiert sich vor allem über das Internet. Später weitete sie ihre Aktivitäten auch auf Straßenproteste aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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