VW startet Reihe außerordentlicher Betriebsversammlungen
Volkswagen steht unter starkem Druck: Mit einer Betriebsversammlung am Stammsitz in Wolfsburg beginnt eine Serie besonderer Treffen zwischen Konzernspitze und Belegschaft. Eingeladen hat die Arbeitnehmervertretung, die vom Vorstand konkrete Antworten zu den angekündigten Sparplänen verlangt. Im Raum stehen der Abbau tausender Arbeitsplätze sowie mögliche Einschnitte an vier Standorten des größten europäischen Autobauers.
VW-Chef Oliver Blume hatte zuletzt deutlich gemacht, dass die bisher umgesetzten Einsparungen aus seiner Sicht nicht genügen. Der Konzern sei in vielen Bereichen zu groß aufgestellt, was Prozesse verlangsame und Abläufe unnötig kompliziert mache. In einem internen Gespräch bezeichnete er die Situation als äußerst ernst.
Blume: Nicht nur VW, sondern die ganze Branche unter Druck
Gleichzeitig betonte Blume, die Probleme beträfen nicht allein Volkswagen. Vielmehr stecke die gesamte Automobilindustrie in einer schwierigen Phase. Als Belastungsfaktoren nannte er unter anderem mögliche US-Zölle, die Schwäche des chinesischen Marktes mit massivem Preisdruck, geopolitische Spannungen etwa im Persischen Golf, den zunehmenden Wettbewerb in Europa sowie umfangreiche regulatorische Vorgaben.
Die Beschäftigten erwarten nun klare Aussagen dazu, wie der Vorstand Volkswagen unter diesen Bedingungen langfristig wettbewerbsfähig machen will. Mit der bisherigen Informationspolitik zeigt sich die Belegschaft jedoch laut einer internen Umfrage sehr unzufrieden. In einem Beitrag im Intranet war von einer misslungenen Außenkommunikation des Vorstands die Rede, die bei Mitarbeitern und ihren Familien für große Verunsicherung und Angst sorge.
Kritik an der Kommunikation des Vorstands
Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung reichen die bisherigen, als oberflächlich empfundenen Informationen nicht aus. Deshalb sollen die Betriebsversammlungen genutzt werden, um den Vorstand direkt mit Fragen der Belegschaft zu konfrontieren. Bis Ende August sind insgesamt neun Termine geplant, nicht nur in Wolfsburg, sondern auch an anderen Standorten wie Zwickau und Kassel-Baunatal.
Der Ärger innerhalb der Belegschaft, in der Gewerkschaft und auch in der Politik war zuletzt deutlich spürbar. Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprach sich entschieden gegen betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen aus. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) stellte klar, dass Schließungen von Fabriken aus seiner Sicht nicht infrage kommen. Die IG Metall Niedersachsen stellte laut einem Bericht des "Stern" zudem scharfe Proteste in Aussicht, falls der Vorstand an seinen Kürzungsplänen festhalten sollte.
Blume bezeichnete die anstehenden Versammlungen in dem internen Interview als wichtige Gelegenheit für einen offenen Austausch – gerade dann, wenn unterschiedliche Sichtweisen und Interessen aufeinandertreffen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber