Wirtschaft

VW-Belegschaft rechnet mit Vorstands-Kommunikation ab

VW brodelt intern: Mitarbeiter rechnen mit dem Vorstand ab – und hoffen bei den Betriebsversammlungen auf brisante Antworten.

24.08.2026, 08:30 Uhr

Die Belegschaft von Volkswagen übt laut einer internen Umfrage deutliche Kritik an der öffentlichen Kommunikation des Konzerns durch den Vorstand. In einem Intranet-Beitrag, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ist von einer „desaströsen Kommunikation nach außen“ die Rede. Diese habe Beschäftigte und ihre Familien verunsichert und verängstigt.

Der Betriebsrat hatte dazu eine Online-Befragung zur Stimmung im Unternehmen angestoßen. Zwischen dem 17. und 21. August konnten Mitarbeiter im Intranet ihre Kritik sowie Erwartungen an Konzernchef Oliver Blume und die übrigen Vorstandsmitglieder formulieren. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, einzelnen Vorschlägen mit einem Like Zustimmung zu geben.

Am Ende standen laut Bericht mehr als 100 Fragen zur Auswahl. Die fünf am stärksten unterstützten Themen drehten sich demnach um folgende Punkte:

  • Kritik an der Kommunikation des Konzernvorstands
  • Sorgen der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze
  • Die Zukunft sozialverträglicher Instrumente zum Stellenabbau sowie von Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen
  • Die Perspektiven der Standorte Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau
  • Die Strategie zur Stärkung des Kundenvertrauens, zu künftigen Produkten und zu internen Abläufen

Alle fünf meistbeachteten Fragen erzielten demnach jeweils eine dreistellige Zahl an Likes – ein Spitzenwert für das Intranet.

Krise und wachsende Unsicherheit bei VW

Volkswagen steht weiterhin unter Druck. Hohe Kosten und ein schwieriges Marktumfeld belasten den Konzern. Die Unternehmensführung will deshalb sparen und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Gleichzeitig sorgen sich Beschäftigte, Gewerkschaften und Politiker um zehntausende Jobs sowie um die Zukunft mehrerer Werke, darunter Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm.

Blume hatte die Situation zuletzt in einem im Intranet veröffentlichten Interview als „mehr als kritisch“ bezeichnet. Nach seinen Worten erwirtschaftet VW derzeit nicht genug, um die notwendigen Investitionen in die Zukunft zu finanzieren. Die bisher eingeleiteten Sparmaßnahmen reichten nicht aus. Als ein zentrales Problem nannte er die Größe des Unternehmens: VW sei überdimensioniert und dadurch häufig zu langsam und zu kompliziert.

Erste Antworten auf die Fragen aus der Belegschaft und Reaktionen auf die Kritik könnten in den kommenden Tagen folgen. Bei Volkswagen sind insgesamt neun außerordentliche Betriebsversammlungen geplant. Den Auftakt macht am Dienstag, 25. August, eine Versammlung in Wolfsburg.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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