Der Unternehmer und Mäzen Klaus-Michael Kühne ist tot. Nach Angaben von Kühne+Nagel starb er in der Nacht zu Montag im Alter von 89 Jahren im schweizerischen Schindellegi. Mehrere Medien hatten zuvor bereits über seinen Tod berichtet.
Prägende Figur der Logistikbranche
Öffentlich wurde Kühne zuletzt vor allem als Stifter einer neuen Oper in Hamburg, als Förderer des HSV und als Hotelier wahrgenommen. Sein größter Einfluss lag jedoch in der Wirtschaft: Er formte das Familienunternehmen Kühne+Nagel zu einem weltweit führenden Logistikkonzern.
Schon in jungen Jahren übernahm er Verantwortung, weil sein gesundheitlich angeschlagener Vater ihn früh in Führungsaufgaben brachte. Später machte Kühne aus dem einst mittelständischen Speditionsunternehmen einen Weltkonzern mit mehr als 1.300 Standorten in fast 100 Ländern und rund 88.000 Beschäftigten.
Milliardenvermögen und Beteiligungen
Wie hoch sein Vermögen tatsächlich war, blieb offen. Schätzungen gingen zuletzt von rund 35 Milliarden Euro aus. Das Schweizer Magazin Bilanz zählte ihn zum reichsten Deutschen in der Schweiz. Ein Großteil seines Vermögens steckte in Aktien von Kühne+Nagel.
Kühne war außerdem Großaktionär der Lufthansa und hielt zuletzt 20 Prozent an der Fluggesellschaft. Weniger erfolgreich verlief seine Beteiligung an Immobiliengeschäften rund um den österreichischen Investor René Benko. Nach eigenen Angaben verlor er dabei etwa eine halbe Milliarde Euro.
Hamburger Wurzeln, Lebensmittelpunkt Schweiz
Kühne wurde in Hamburg geboren und wuchs dort auf. Den Mittelpunkt seines Lebens hatte er jedoch seit Jahrzehnten in Schindellegi am Zürichsee. Dorthin verlagerte die Familie die Konzernzentrale bereits 1969 aus steuerlichen Gründen.
Obwohl er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte, galt er als Mehrheitseigner und Ehrenvorsitzender des Verwaltungsrats weiter als einflussreiche Figur im Unternehmen.
Enge Bindung an Hamburg
Seiner Heimatstadt blieb Kühne eng verbunden. Er engagierte sich mit rund einer Milliarde Euro bei Hapag-Lloyd und trug dazu bei, dass die Traditionsreederei in Hamburg bleiben konnte. Über seine Stiftungen unterstützte er außerdem das Kulturleben der Hansestadt, förderte die Elbphilharmonie und gründete eine Logistik-Hochschule.
Als 80-Jähriger ließ er für rund 130 Millionen Euro das Hamburger Luxushotel "The Fontenay" bauen.
Förderer und Kritiker des HSV
Kühne war dem HSV seit Kindheitstagen verbunden. Er unterstützte den Verein mehrfach mit Darlehen und Zuwendungen, hielt Anteile an der HSV Fußball AG und sicherte sich zeitweise die Namensrechte am Volksparkstadion. Insgesamt summierte sich sein Engagement auf einen höheren zweistelligen Millionenbetrag.
Der Verein würdigte ihn nach seinem Tod als treuen Gesellschafter, Unterstützer und leidenschaftlichen Anhänger.
Neue Oper für Hamburg geplant
Zu seinen letzten großen Projekten gehörte die geplante neue Oper in Hamburg. Kühne hatte angekündigt, dafür bis zu 340 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Ein Baubeginn könnte Anfang 2030 erfolgen, eine Fertigstellung wäre nach bisherigen Planungen 2034 möglich.
Kritik wegen NS-Vergangenheit des Unternehmens
Kritik begleitete Kühne wegen der Geschichte des Familienunternehmens. Kühne+Nagel hatte im Zweiten Weltkrieg mit dem NS-Regime zusammengearbeitet und geraubte Güter aus jüdischem Besitz transportiert. Kühne weigerte sich jedoch zeitlebens, diese Vergangenheit unabhängig wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen.
Auch sein Engagement als Mäzen wurde deshalb immer wieder kritisch gesehen. Gegner der neuen Oper monierten zudem, Kühne solle eher in Deutschland Steuern zahlen, als sich über Großspenden öffentlich feiern zu lassen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber