Mehr Hitzeschutz in Betrieben gefordert
Steigende Temperaturen am Arbeitsplatz belasten nicht nur Beschäftigte, sondern auch die Wirtschaft. Fachleute drängen deshalb auf bessere Schutzmaßnahmen in deutschen Unternehmen. Die Ökonomin Katharina Utermöhl von der Allianz warnt, dass ohne rasches Handeln dauerhafte Produktivitätseinbußen drohen.
Aus ihrer Sicht steckt Deutschland beim Umgang mit Hitze in einer problematischen Zwischenlage: Während Länder im Süden Europas hohe Temperaturen seit Langem in Stadtplanung, Bauweise und Arbeitsorganisation einbeziehen, fehle hierzulande oft noch eine passende Anpassung. Firmen, die Arbeitszeiten flexibel an Hitzewellen anpassen, könnten die Leistungsfähigkeit ihrer Belegschaft sichern und zugleich ihren wirtschaftlichen Wert schützen. Ein früherer Arbeitsbeginn und das Meiden der heißesten Stunden am Mittag seien einfache und wirksame Maßnahmen. Eine Siesta sei dabei kein Luxus, sondern eine Form des Risikomanagements.
Nach Ansicht der Expertin reicht es jedoch nicht, nur Arbeitszeiten zu verändern. Notwendig seien auch dauerhafte bauliche Lösungen, etwa helle Dächer und Fassaden, mehr Verschattung sowie zusätzliche Grünflächen.
Gewerkschaften warnen vor Pauschallösungen
Beim Deutschen Gewerkschaftsbund stößt die Idee allgemeiner Siesta-Modelle auf Zurückhaltung. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel betont, dass je nach Branche unterschiedliche Konzepte nötig seien. Maßnahmen, die in Büros sinnvoll seien, ließen sich nicht ohne Weiteres auf Baustellen oder andere Arbeitsbereiche übertragen.
Skeptisch sieht der DGB zudem mögliche Änderungen am Arbeitszeitgesetz. Anlass ist die Diskussion über eine Reform des bisherigen Acht-Stunden-Tages. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, statt einer täglichen künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit vorzusehen. Gewerkschaften befürchten, dass dadurch bestehende Schutzregeln geschwächt werden könnten.
Piel wirft Arbeitgebern vor, die Debatte um Hitzeschutz zu nutzen, um Lockerungen im Arbeitszeitrecht durchzusetzen. Solche Änderungen dienten aus ihrer Sicht vor allem den Interessen der Unternehmen und nicht dem Schutz der Beschäftigten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion