England startet mit Sieg in die WM: Kane trifft doppelt, lobt Tuchel und glänzt auch als Leader
Harry Kane hat England einen erfolgreichen Auftakt in die Weltmeisterschaft beschert. Der Kapitän führte die Three Lions beim 4:2 (2:2) gegen Kroatien mit zwei Treffern zum Sieg und stand danach dennoch nicht nur selbst im Mittelpunkt. Statt den Ruhm für sich zu beanspruchen, stärkte der Bayern-Stürmer demonstrativ Nationaltrainer Thomas Tuchel den Rücken.
Nach dem gelungenen Start schallte im Stadion von Dallas sogar „Football’s coming home“ aus den Lautsprechern, die englischen Fans sangen lautstark mit. In England ist das Ziel klar formuliert: 60 Jahre nach dem bislang einzigen Titel soll endlich der zweite WM-Triumph folgen.
„Wir haben einfach das gemacht, was wir machen müssen, um ein Spiel zu gewinnen“, sagte Kane nach der Partie. Der 32-Jährige war damit nicht nur Matchwinner, sondern auch offiziell der „Man of the Match“.
Kane hebt Tuchels Worte in der Kabine hervor
Besonders die Halbzeitansprache seines Trainers hob Kane hervor. „Er hat eine großartige Ansprache gehalten, um ehrlich zu sein“, sagte der englische Kapitän mit Blick auf Tuchels Worte vor dem zweiten Durchgang. England habe danach zumindest phasenweise Titelform gezeigt.
Laut Kane forderte Tuchel seine Spieler auf, ruhiger zu werden und die Fesseln abzuwerfen. Die Botschaft des Bundestrainers an seine Mannschaft lautete demnach: „Lasst uns einfach loslegen und der Welt zeigen, wer wir sein können.“
Tuchel selbst erklärte später, er habe sich zunächst hingesetzt, den Spielern einen Moment zum Runterkommen gegeben und erst danach gesprochen. Seine Ansprache sei „kurz“ und „ruhig“ gewesen. Trotz Defensivproblemen und einer phasenweise zu passiven Vorstellung habe er sein Team nicht kritisiert, sondern ermutigt, mutig, engagiert und intensiv aufzutreten.
Tuchel unter Druck – das Ziel bleibt der zweite Stern
Mutig ist Tuchel auch mit Blick auf die Zielsetzung des Turniers. Schon im Frühjahr des Vorjahres hatte er in einer viel diskutierten Kabinenansprache den Anspruch formuliert, England nach 60 Jahren wieder zum Weltmeister zu machen. „Das Ziel dieser Mission ist klar: der zweite Stern auf unserem Trikot“, hatte Tuchel damals gesagt.
Vor dem Auftakt war der Druck auf den Deutschen entsprechend groß. Trainer-Ikone Jürgen Klopp sagte bei MagentaTV: „Thomas hatte unheimlich Druck heute.“ Gleichzeitig verfüge Tuchel aber über einen Stürmer in außergewöhnlicher Verfassung.
Kane trifft doppelt, Bellingham und Rashford legen nach
Kane verwandelte zunächst einen Foulelfmeter im zweiten Versuch in der 12. Minute und legte kurz vor der Pause per Kopfball nach (42.). Die weiteren Treffer für den Mitfavoriten erzielten Jude Bellingham (47.) und Marcus Rashford (85.). Für Kroatien waren Martin Baturina (36.) und Petar Musa (45.+5) erfolgreich.
Mit seinen WM-Treffern Nummer neun und zehn setzte Kane den nächsten Meilenstein seiner Karriere. In seinem 115. Länderspiel zog er zudem in der ewigen Einsatzliste Englands mit David Beckham auf Rang drei gleich. Vor ihm liegen nur noch Peter Shilton mit 125 und Wayne Rooney mit 120 Einsätzen.
Den Strafstoß zum 1:0 verschuldete ausgerechnet Luka Modric. Der 40-Jährige traf bei einem Klärungsversuch im eigenen Strafraum den heranstürmenden Noni Madueke am Bein. Für den kroatischen Routinier begann damit seine fünfte WM denkbar unglücklich.
Kane und Bellingham prägen Englands Offensive
Wie auch im Verein ließ sich Kane häufig ins Mittelfeld fallen, bot sich dort an und verteilte die Bälle. Davon profitierte besonders Bellingham, den Tuchel auf der Zehnerposition einsetzte. Das Zusammenspiel der beiden prägte die englische Offensive über weite Strecken.
Jürgen Klopp hatte Kane schon vor dem Anpfiff in höchsten Tönen gelobt. „Wie einflussreich kann ein Spieler eigentlich sein? Die Antwort heißt Harry Kane“, sagte er später. Bereits zuvor hatte Klopp betont, Kane habe das Stürmerspiel verändert, sei ein Verbindungsspieler und binde seine Mitspieler ein.
Auch in England wurde das Zusammenspiel mit Bellingham gefeiert. Die Zeitung „The Sun“ schrieb, beide hätten „unter dem Dach in Dallas etwas Sternenstaub versprüht“.
Kroatien schlägt zurück, England antwortet stark
Kroatien zeigte sich vom frühen Rückstand unbeeindruckt und fand rasch zurück ins Spiel. Baturina traf zum 1:1, Musa stellte kurz vor der Pause auf 2:2.
Doch England kam stark aus der Kabine. Bellingham sorgte direkt nach Wiederbeginn für das 3:2, danach folgte phasenweise Dauerdruck der Three Lions im Dallas-Stadion. Rashford setzte mit seinem Treffer in der 85. Minute den Schlusspunkt zum 4:2.
Kane glänzt auch in der Defensive
Kane überzeugte nicht nur als Vollstrecker und Vorbereiter, sondern auch als Arbeiter gegen den Ball. In der Nachspielzeit blockte er im eigenen Strafraum einen Schuss von Josko Gvardiol mit dem Bauch ab.
Für Tuchel war genau diese Szene bezeichnend. Wenn man sich diese Defensivaktion anschaue, dann wisse man alles über Kanes Leistung an diesem Abend, sagte der Nationaltrainer. Es sei „eine komplette Leistung“ und die Vorstellung „eines absoluten Leaders“ gewesen.
Tuchel emotional – nur die Hymne störte ihn
Tuchel beschrieb sein erstes WM-Spiel als englischer Nationaltrainer als „sehr emotional“. Mit sichtbarer Freude sagte er sogar: „Ich will nirgendwo anders in der Welt sein als hier.“
Nur ein Detail missfiel ihm beim WM-Start: Wegen der vielen Fotografen direkt vor ihm habe er seine Mannschaft beim Abspielen der Nationalhymne nicht richtig sehen können. „Das hat das Erlebnis ein bisschen ruiniert“, meinte Tuchel.
Schon vor dem Spiel hatte er erklärt, bei „God Save the King“ erst ganz am Ende mitsingen zu wollen. Dieses Recht müsse er sich zunächst verdienen. Der erste Schritt ist mit dem Sieg gegen Kroatien nun gemacht.
Nächstes Spiel gegen Ghana
England trifft am kommenden Dienstag im zweiten Gruppenspiel in Boston auf Ghana. Kroatien, 2018 Vizeweltmeister und 2022 WM-Dritter, bekommt es in Toronto mit Außenseiter Panama zu tun.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion
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