Wirtschaft

Fed friert Leitzins ein

Zinspause trotz Krise: Warum die Fed den Leitzins schon wieder nicht anfasst – und was das jetzt bedeuten könnte

17.06.2026, 20:01 Uhr

US-Notenbank belässt Leitzins erneut unverändert

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins angesichts der Energiekrise und anhaltender Inflationsrisiken erneut nicht verändert. Der Zentralbankrat entschied nach Angaben aus Washington einstimmig für eine weitere Zinspause. Damit bleibt die Spanne bereits zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent.

Im Fokus stand dabei auch die erste Zinssitzung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Trotz der von US-Präsident Donald Trump geforderten Zinssenkungen setzte auch er zunächst keine Lockerung der Geldpolitik durch. Stattdessen kündigte Warsh weitreichende Reformen innerhalb der Notenbank an.

2025 hatte die Fed den Leitzins aus Sorge um den Arbeitsmarkt drei Mal um jeweils 25 Basispunkte gesenkt. In den bisherigen Sitzungen des laufenden Jahres blieb sie dann jedoch auf Pausenkurs. Vor dem Hintergrund der unsicheren Weltlage und der zugleich erhöhten Inflation gelten weitere Zinssenkungen inzwischen als deutlich weniger wahrscheinlich. Stattdessen mehren sich Signale, dass im Jahresverlauf eher eine straffere Geldpolitik nötig werden könnte.

Warsh stellt Fed-Kommunikation und Projektionen infrage

Warsh will unter anderem überprüfen lassen, wie die Fed künftig kommuniziert. Ein erster Hinweis darauf war die deutlich verkürzte Stellungnahme nach der Zinssitzung, die früher noch deutlich umfangreicher ausfiel. Auch die regelmäßigen Pressekonferenzen und die vierteljährlichen Projektionen sollen auf den Prüfstand.

Gerade diese Projektionen sieht Warsh seit langem kritisch. Er erklärte zwar, er habe seine Kollegen ermuntert, ihre Einschätzungen weiterhin abzugeben. An den aktuellen Projektionen habe er sich jedoch selbst nicht beteiligt.

Zudem griff der neue Fed-Chef die bisherigen Methoden der Datenerhebung scharf an. Viele Daten, auf die Zentralbanker und andere Regierungsvertreter in den USA zurückgriffen, stammten aus überholten Umfragemethoden. Aus seiner Sicht gibt es im Privatsektor inzwischen modernere Datenquellen.

Projektionen deuten stärker auf möglichen Straffungskurs hin

Die neuen Projektionen der Fed fallen deutlich anders aus als noch im März. Damals rechnete innerhalb der Notenbank niemand mit einer strafferen Geldpolitik. Inzwischen erwarten 9 von 18 befragten Fed-Mitgliedern mindestens eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Davon können sich sechs sogar einen noch stärkeren Straffungskurs vorstellen.

Acht weitere Mitglieder gehen für 2026 von einer Zinspause aus. Nur ein Mitglied rechnet derzeit mit einer Zinssenkung. Damit ist die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Anhebung aus Sicht vieler Beobachter gestiegen, auch wenn ein solcher Schritt weiterhin nicht als sicher gilt.

Energiekrise und robuster Arbeitsmarkt

Belastend wirken vor allem die Folgen des Iran-Kriegs und die anhaltenden Blockaden in der Straße von Hormus. Dadurch wurde das weltweite Energieangebot spürbar eingeschränkt. Unternehmen in den USA müssen deshalb deutlich mehr für Öl, Gas und Dünger zahlen.

Die aktuellen Daten unterstreichen den Preisdruck: Im Mai lagen die Energiekosten in den USA 23,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders stark zogen die Benzinpreise an, die sich um rund 40 Prozent verteuerten. Warsh kündigte zudem eine Sondereinheit an, die den Ursachen der Inflation nachgehen soll.

Hinzu kommt ein weiterhin robuster Arbeitsmarkt. Im Mai stieg die Zahl der Beschäftigten in den USA überraschend um 172.000 und damit fast doppelt so stark wie von Fachleuten erwartet. Das erschwert aus Sicht vieler Beobachter baldige Zinssenkungen zusätzlich. Selbst erneute Zinserhöhungen werden damit zumindest wieder als Möglichkeit diskutiert.

Die Inflation in den USA lag zuletzt bei 4,2 Prozent und damit weiterhin deutlich über dem Fed-Ziel von zwei Prozent. Für 2026 rechnet die Notenbank mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent. Erst danach könnte sich der Druck etwas abschwächen: Für das folgende Jahr sehen die Fed-Prognosen einen Rückgang auf 2,3 Prozent.

Neuer Fed-Chef im politischen Spannungsfeld

Der frühere Fed-Chef Jerome Powell war turnusgemäß im Mai aus dem Amt ausgeschieden und in den Vorstand der Notenbank gewechselt. Damit bleibt er im Führungsgremium und könnte es Warsh schwerer machen, mögliche Zinssenkungen durchzusetzen. Zugleich nimmt dies Trump die Möglichkeit, einen weiteren Kandidaten in das Gremium zu berufen.

Warsh war bereits früher Mitglied im Fed-Vorstand und gilt grundsätzlich als eher restriktiver Verfechter einer harten Inflationsbekämpfung. US-Medien zufolge hatte er sich zuletzt allerdings offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt, was in Trumps Umfeld positiv aufgenommen wurde.

Sorge vor politischem Einfluss

Die Fed soll ihre Zinsentscheidungen unabhängig von der Politik treffen und dabei zwischen Preisstabilität und Beschäftigung abwägen. Eine vorschnelle Lockerung birgt jedoch das Risiko, die Inflation weiter anzufachen.

Ökonomen warnen deshalb vor möglicher politischer Einflussnahme auf die Geldpolitik. Sie befürchten, dass Trump über Warsh indirekt auf einen lockereren Kurs drängen könnte. Die eigentlich unabhängigen Zinsentscheidungen könnten dadurch politisch überlagert werden.

Auch international bleibt das Thema präsent: Die Europäische Zentralbank hatte ihre Zinsen zuletzt wegen der Inflationsrisiken erstmals seit 2023 wieder angehoben. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins stieg dabei um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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