Wirtschaft

Handwerk vor dem Knick? Konjunktur kippt

Iran-Krieg trifft jetzt auch das Handwerk: düstere Aussichten, drohende Engpässe – und was das bald für Kunden bedeutet.

04.05.2026, 04:30 Uhr

Die wirtschaftliche Lage im deutschen Handwerk verschlechtert sich weiter. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) deuten sinkende Umsätze, kleinere Auftragsbestände und eine nachlassende Auslastung darauf hin, dass die Nachfrage spürbar zurückgeht. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sagte, die Entwicklung setze viele Betriebe zunehmend unter Druck.

Belastung durch Energiepreise und Lieferprobleme

Im aktuellen Konjunkturbericht verweist der Verband auf die Folgen des Kriegs im Iran. Demnach haben die Spannungen zu stark steigenden Energiepreisen auf den Rohstoffmärkten und zu neuen Problemen in den Lieferketten geführt. Für zahlreiche Produkte und Materialien sei deshalb in den kommenden Monaten unsicher, ob sie in ausreichendem Umfang verfügbar sein werden.

Nach Einschätzung des ZDH könnte die ungeklärte Lage am Persischen Golf sowie die nicht absehbare Dauer des Konflikts dazu führen, dass wichtige Vorprodukte aus der Region knapp werden. Diese seien jedoch auch für viele Handwerksleistungen in Deutschland von großer Bedeutung.

Der Verband warnt daher vor möglichen Preissteigerungen, Verzögerungen bei Aufträgen und längeren Wartezeiten auf Güter, die sich nicht ohne Weiteres ersetzen lassen. Wie stark diese Auswirkungen tatsächlich ausfallen werden, sei derzeit allerdings noch nicht verlässlich abzuschätzen.

Geschäftslage und Erwartungen trüben sich ein

Laut Bericht bewerten die Handwerksbetriebe ihre derzeitige wirtschaftliche Situation deutlich schlechter als noch vor einem Jahr. Auch die Erwartungen an die kommenden Monate fallen pessimistischer aus. Im gesamten Handwerk seien die Umsätze rückläufig, zudem nähmen die Auftragspolster erneut ab.

Gleichzeitig schwäche sich die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter ab. Üblicherweise sei sie im Winter ohnehin geringer, werde nun aber zusätzlich durch die anhaltende Konjunkturschwäche gedämpft. Erschwerend komme hinzu, dass wegen der demografischen Entwicklung viele offene Stellen nicht mit ausreichend qualifiziertem Personal besetzt werden könnten.

Schwannecke betonte, die deutliche Verschlechterung bei Geschäftslage und Erwartungen sei nicht nur ein Stimmungssignal, sondern ein ernstes Warnzeichen. Wenn Betriebe nicht mehr an eine baldige Besserung glaubten, führe Unsicherheit schnell dazu, dass Investitionen und Neueinstellungen aufgeschoben würden.

Verband drängt auf Reformen

Aus Sicht des Handwerks sind die seit Längerem angekündigten, aber immer wieder vertagten Reformen der Bundesregierung nun noch dringlicher. Die Regierung plant grundlegende Veränderungen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Rente, um die Sozialbeiträge dauerhaft bezahlbar zu halten.

Innerhalb der schwarz-roten Koalition könnte es dabei jedoch noch Streit geben, ebenso bei der Frage, wie Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen gegenfinanziert werden sollen. Wirtschaftsverbände kritisieren seit Jahren die im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabenlast, teure Energie und umfangreiche Bürokratie in Deutschland.

Schwannecke sagte, externe Krisen machten schonungslos sichtbar, wie anfällig der Wirtschaftsstandort Deutschland inzwischen geworden sei. Ohne einen konsequenten Abbau von Bürokratie sowie deutliche Entlastungen bei Steuern und Abgaben drohe vielen Betrieben ein schleichender Substanzverlust. Nötig seien daher Impulse für Wachstum, etwa durch steuerliche Erleichterungen, niedrigere Sozialabgaben, bessere Investitionsanreize und eine Politik, die die Nachfrage nicht zusätzlich bremst.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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