Nordrhein-Westfalen

Jahrelang eingesperrt: Jetzt fällt das Urteil

Jahrelang hielt eine Familie ein Mädchen in NRW versteckt. Jetzt fällt in Siegen das Urteil gegen Mutter und Großeltern.

04.05.2026, 04:30 Uhr

Urteil im Fall eines jahrelang eingesperrten Mädchens in Attendorn erwartet

Im Fall eines Mädchens, das in Attendorn im Sauerland über mehr als sieben Jahre hinweg abgeschottet gelebt haben soll, will das Landgericht Siegen heute das Urteil gegen die Mutter sowie die Großeltern verkünden. Das Kind war im September 2022 im Alter von acht Jahren aus dem Haus der Großeltern im Kreis Olpe geholt worden. Nach Angaben der Ermittler litt es zu diesem Zeitpunkt unter schweren psychischen, körperlichen sowie sozial-emotionalen Beeinträchtigungen.

Hauptvorwürfe richten sich gegen die Mutter

Die heute 49-jährige Mutter soll ihre Tochter seit dem 15. Juli 2015 verborgen und vollständig von der Außenwelt isoliert haben. Laut Anklage durfte das Mädchen das Haus der Großeltern in all den Jahren nicht verlassen. Die Großeltern sollen das Vorgehen ihrer Tochter dabei unterstützt haben.

Demnach konnte das Kind nie draußen spielen, wurde nicht ärztlich untersucht und besuchte weder Kindergarten noch Schule. Inzwischen ist die heute Zwölfjährige in ambulanter Behandlung. Zuvor war sie bis Mai 2023 in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht.

Gegen die Mutter wird unter anderem wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie Freiheitsberaubung verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, ihre Tochter durch gezielte Vernachlässigung massiv geschädigt zu haben. Außerdem soll sie dem Vater jeden Kontakt verweigert und vorgetäuscht haben, mit dem Kind in Italien zu leben.

Großeltern wegen Beihilfe angeklagt

Der 83-jährige Großvater und die 80-jährige Großmutter müssen sich wegen Beihilfe verantworten. Nach früheren Angaben des Gerichts drohen der Mutter im Falle einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft. Für die Großeltern könnte das Strafmaß bei bis zu elf Jahren liegen.

Der Prozess hatte wegen Verzögerungen Anfang Februar erneut begonnen. Nach der Verlesung der Anklage wurde das Verfahren weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Ob die Mutter nach Einschätzung von Gutachtern voll schuldfähig ist, wurde bislang nicht bekannt. Auch zu der Aussage des Vaters sowie zu den Schlussvorträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurden keine Details veröffentlicht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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