Bayern

Bayerns Moore: Warum nichts vorangeht

Für Bauern kaum nutzbar, fürs Klima unbezahlbar: Bayerns Moore sollten 2021 gerettet werden – doch was wurde daraus?

04.05.2026, 04:00 Uhr

Fünf Jahre nach dem angekündigten Vorstoß zur Wiedervernässung von Mooren in Bayern bleibt die Staatsregierung deutlich hinter ihren eigenen Vorgaben zurück. Nach Angaben des Umweltministeriums, die aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervorgehen, wurden seit 2019 landesweit lediglich 1.706 Hektar Moorflächen wiedervernässt. Das entspricht nur rund drei Prozent des Ziels von 55.000 Hektar bis zum Jahr 2040, das CSU und Freie Wähler selbst formuliert hatten.

Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Katharina Schulze, warf Ministerpräsident Markus Söder vor, beim Moorschutz zu langsam voranzukommen. Im Donaumoos habe Söder große Ankündigungen gemacht, sagte sie, doch nach fünf Jahren zeige sich, dass Bayern beim Schutz der Moore weiterhin nicht schnell genug handle. Dabei seien Moore unverzichtbar für den Klimaschutz: In trockenem Zustand setzten sie große Mengen Treibhausgase frei, in intaktem Zustand schützten sie Klima, Artenvielfalt und Wasserhaushalt.

Donaumoos bleibt weit hinter den Ankündigungen zurück

Im Mai 2021 hatte Söder angekündigt, im Donaumoos 2.000 Hektar Moorfläche wiederzuvernässen und dafür 200 Millionen Euro bereitzustellen. Damals bezeichnete er den Klimaschutz als eine „pandemische Herausforderung“.

In der Praxis kommt das Vorhaben jedoch nur schleppend voran. Bis Ende 2025 wurden dort lediglich weitere 200 Hektar für eine spätere Renaturierung angekauft. Insgesamt verfügt der Zweckverband Donaumoos damit über etwa 650 Hektar. Vom ursprünglich ausgegebenen Ziel ist Bayern damit noch weit entfernt. Aus Sicht der Grünen steht das Donaumoos exemplarisch für die bisherige Moorpolitik der Staatsregierung: ambitionierte Worte, aber wenig Umsetzung.

Patrick Friedl, naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, betonte, erfolgreicher Moorschutz könne nur gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten gelingen. Wer Flächen wiedervernässe, brauche verlässliche Rahmenbedingungen, eine angemessene Bezahlung und neue wirtschaftliche Perspektiven. Klimaschutz müsse für diejenigen attraktiv sein, die ihn vor Ort umsetzen.

Auch auf staatlichen Flächen kaum Fortschritt

Nicht nur im Donaumoos, auch auf Moorflächen im Besitz des Freistaats geht die Wiedervernässung nur langsam voran. Von rund 34.000 Hektar Moorboden, die Bayern gehören, wurden seit 2019 auf lediglich etwa 860 Hektar entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Auch das liegt bei weniger als drei Prozent.

Moore spielen eine wichtige Rolle fürs Klima

Wie bedeutend intakte Moore für den Klimaschutz sind, zeigen auch die Emissionszahlen: Entwässerte Moorflächen verursachen in Bayern jährlich etwa 6,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das entspricht rund acht Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen des Freistaats. Naturnahe Moore hingegen speichern im Durchschnitt etwa 700 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar.

Katharina Schulze kritisierte, die bisherige Moorpolitik der Staatsregierung sei von vielen Ankündigungen, aber wenig konkreter Umsetzung geprägt. Statt Bayerns natürliche CO2-Speicher konsequent zu stärken, wolle Söder das Ziel der Klimaneutralität von 2040 auf 2045 verschieben. Aus Sicht der Grünen müsse stattdessen der Moorschutz beschleunigt werden. In den kommenden fünf Jahren solle auf sämtlichen staatlichen Moorflächen zumindest mit der Wiedervernässung begonnen werden. Zudem fordern sie eine zentrale Mooragentur sowie deutlich mehr Geld und Personal für einen wirksamen Schutz der Moore.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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