Bio-Umsatz legt zum Jahresstart erneut zu
Der Markt für Bio-Lebensmittel in Deutschland ist zum Jahresbeginn weiter gewachsen. Nach Daten des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) stieg der Umsatz von Januar bis Ende März im Vergleich zum Vorjahresquartal um sechs Prozent auf 4,91 Milliarden Euro.
Den größten Anteil am Bio-Geschäft hatten erneut Discounter mit 30 Prozent und Supermärkte mit 29 Prozent. Als wichtiger Wachstumstreiber erwiesen sich vor allem die Bio-Eigenmarken des Handels, deren Umsatz um 12,5 Prozent zulegte. Drogeriemärkte kamen auf knapp 13 Prozent Marktanteil und verzeichneten mit plus 14 Prozent das stärkste Wachstum. Der Naturkostfachhandel wuchs um 1,1 Prozent auf 840 Millionen Euro und erreichte damit einen Anteil von 17 Prozent. Weitere Marktanteile entfielen auf E-Commerce mit Lieferdiensten und Onlineshops (5 Prozent) sowie auf Hofläden, Bäckereien, Metzgereien, Wochenmärkte und Tankstellen.
Der BÖLW veröffentlichte die aktuellen Quartalsdaten erstmals gemeinsam mit der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft. Grundlage sind Zahlen von vier Marktforschungsinstituten; verglichen wurde mit deren Marktdaten für das erste Quartal 2025.
Plus bei Süßwaren, Minus bei Kartoffeln
Nach Angaben des Verbands blieb Bio auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gefragt. BÖLW-Chefin Tina Andres betonte, der Sektor stärke nicht nur Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch die Versorgungssicherheit. Zudem treffe die aktuelle Preisexplosion bei Düngemitteln Bio-Betriebe deutlich weniger, da dort kein Kunstdünger eingesetzt werde.
Besonders kräftige Umsatzzuwächse gab es bei Fleischersatzprodukten, Mehl, Süßwaren, Eis, Tiefkühlkost, Feinkost, Fertigprodukten, Heißgetränken und Backwaren. Rückgänge wurden dagegen bei Bier und Spirituosen verzeichnet.
Bei frischen Bio-Produkten stiegen die Umsätze vor allem bei Eiern und Fleisch, was laut Branche vor allem auf höhere Preise zurückzuführen ist. Dagegen gingen die Erlöse bei Butter, Brot und Kartoffeln zurück.
Wie robust der Aufwärtstrend ist, bleibt offen
Mit dem starken Jahresauftakt setzt die Branche ihren Wachstumskurs fort. Im Gesamtjahr 2025 war der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken bereits um 6,7 Prozent auf den Rekordwert von 18,23 Milliarden Euro gestiegen. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt liegt inzwischen bei 6,5 Prozent.
Ob sich dieser Trend in den kommenden Monaten ähnlich fortsetzt, bleibt nach Einschätzung der Branche jedoch abzuwarten. Hintergrund sind die angespanntere Wirtschaftslage und die Folgen des Iran-Kriegs, die sich unter anderem in steigenden Energie- und Kraftstoffpreisen zeigen.
Branche drängt auf politische Unterstützung
Der Bio-Spitzenverband fordert von Berlin und Brüssel mehr Anreize, damit mehr landwirtschaftliche Betriebe auf Öko-Produktion umstellen. Aus Sicht des Verbands entscheiden sich immer mehr Verbraucher bewusst für Lebensmittel, die ohne chemisch-synthetische Pestizide und ohne Kunstdünger erzeugt werden.
Die Nachfrage nach Bio-Produkten wächst damit weiter, während die heimische Öko-Produktion nicht im gleichen Tempo nachzieht. Laut Bauernverband blieb die Bereitschaft zur Umstellung im Jahr 2025 erneut sehr verhalten.
Öko-Fläche wächst nur langsam
Nach jüngsten Daten des Bundesagrarministeriums wurden 2024 11,5 Prozent der Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet, nach 11,4 Prozent im Jahr zuvor. Das frühere politische Ziel, bis 2030 einen Bio-Anteil von 30 Prozent zu erreichen, ist damit weiterhin weit entfernt.
Zugleich sank die Zahl der Öko-Betriebe 2024 um 2,2 Prozent auf 35.881. Ihr Anteil an allen Höfen liegt nun bei 14,1 Prozent.
Agrarminister Alois Rainer verweist dennoch auf die wirtschaftlichen Chancen für heimische Betriebe. Wenn die Nachfrage nach Bio weiter steige, könne das mehr Landwirte zum Umstieg bewegen. Zugleich müsse die Produktion mit dem Markt Schritt halten: Wachse sie schneller als der Absatz, drohten sinkende Preise.
Höhere Kosten bleiben ein Faktor
Ob ein Hof auf Ökolandbau umstellt, ist für viele Betriebe vor allem eine Rechenfrage. Im Bio-Anbau ist etwa der Aufwand für mechanische Bodenbearbeitung höher, was zusätzliche Kosten etwa für Treibstoff verursachen kann. Gleichzeitig fallen Ausgaben für chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel weg, deren Preise zuletzt wieder deutlich gestiegen sind.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion