Bayern

Bayern: Für Viertklässler wird’s jetzt ernst

Heute fällt für Bayerns Viertklässler die Schul-Entscheidung. Warum das umstrittene System jetzt wieder heftig kritisiert wird.

04.05.2026, 04:59 Uhr

Übertrittszeugnisse in Bayern: Deutliche regionale Unterschiede bei Schulwechseln

In Bayern erhalten die Viertklässlerinnen und Viertklässler heute ihre Übertrittszeugnisse. Diese Empfehlung ist maßgeblich dafür, ob ein Kind anschließend auf ein Gymnasium, eine Realschule oder eine Mittelschule wechselt. Ausschlaggebend ist dabei vor allem der Notendurchschnitt in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht.

Seit Jahren steht dieses frühe und im bundesweiten Vergleich starre Auswahlverfahren in der Kritik. Neue regionale Auswertungen haben die Debatte zusätzlich verschärft, weil sie erhebliche Unterschiede innerhalb Bayerns offenlegen.

Nach Angaben des Kultusministeriums besuchen im Freistaat seit längerer Zeit rund 40 Prozent der Kinder nach der Grundschule ein Gymnasium. Jeweils etwa 28 Prozent wechseln auf eine Realschule oder eine Mittelschule. Hinter diesen Durchschnittswerten verbergen sich jedoch deutliche regionale Abweichungen.

So lag der Anteil der Kinder, die zum Schuljahr 2024/25 auf ein Gymnasium wechselten, in Oberbayern bei fast 45 Prozent. In Niederbayern waren es dagegen nicht einmal 32 Prozent. Auch bei den Realschulen zeigen sich Unterschiede: In Schwaben und Niederbayern entschieden sich jeweils rund 32 Prozent für diesen Weg, in Oberbayern und Oberfranken hingegen nur knapp 26 Prozent.

Eine Auswertung des Bayerischen Rundfunks zeigt, dass diese Unterschiede sogar auf Landkreisebene stark ausfallen. Im Landkreis München wechseln demnach fast 56 Prozent der Viertklässler auf ein Gymnasium, im Landkreis Regen dagegen nur 25 Prozent.

Gründe reichen über schulische Leistungen hinaus

Warum die Quoten regional so stark variieren, kann das Kultusministerium nicht eindeutig erklären. Als mögliche Ursachen nennt es unter anderem unterschiedliche Erwartungen der Eltern an den Bildungsweg ihrer Kinder sowie verschiedene sozioökonomische Zielvorstellungen. Hinzu kommen womöglich regionale Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen. In der Diskussion spielen außerdem der Bildungshintergrund der Eltern, die Erreichbarkeit der Schulen und die örtliche Infrastruktur eine wichtige Rolle.

Kritik kommt unter anderem vom Bündnis Gemeinschaftsschule Bayern. Dort heißt es, die frühe Aufteilung der Kinder verstärke bestehende Benachteiligungen. Zudem seien Schulnoten keineswegs objektiv und nur begrenzt aussagekräftig für die tatsächlichen Fähigkeiten eines Kindes.

Opposition fordert Änderungen

Die Grünen wollen deshalb am Mittwoch einen Gesetzentwurf in den Landtag einbringen, um Gemeinschaftsschulen auch in Bayern zu ermöglichen. Ihre bildungspolitische Sprecherin Gabriele Triebel argumentiert, längeres gemeinsames Lernen könne zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen. Allerdings gelten die Erfolgsaussichten des Vorstoßes als gering.

Auch die SPD-Landtagsfraktion hält das derzeitige System für nicht mehr tragbar. Bildungsexpertin Simone Strohmayr fordert, das sogenannte „Grundschulabitur“ in Bayern abzuschaffen, wie es in den übrigen Bundesländern bereits geschehen sei.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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