Mit einer Mischung aus Stolz und großer Enttäuschung haben die Fußballerinnen des FC Bayern München ihr Aus im Champions-League-Halbfinale aufgenommen. Nach dem 2:4 beim FC Barcelona überwog direkt nach dem Abpfiff zunächst der Frust – auch wegen einer umstrittenen Szene in der Schlussphase. Mit etwas Abstand, teils schon auf dem Rückflug nach München, rückte aber auch der Stolz auf den Auftritt beim deutschen Serienmeister in den Vordergrund.
Kurz vor Schluss war ein Treffer von Pernille Harder zum vermeintlichen 3:4 nach Videobeweis aberkannt worden. Schiedsrichterin Stéphanie Frappart wertete die Szene nach Ansicht der Bilder als Foul im Vorfeld. Bei den Münchnerinnen sorgte das für Unverständnis. DFB-Kapitänin Giulia Gwinn sprach von einer für sie kaum erklärbaren Entscheidung und sagte, das Team habe in diesem Moment das Gefühl gehabt, plötzlich doch noch ganz nah dran zu sein.
Starker Auftritt gegen den Topfavoriten
Nach dem 1:1 im Hinspiel lieferten die Bayern dem großen Favoriten aus Barcelona auch auswärts ein intensives und phasenweise spektakuläres Duell. Vor gut 60.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Camp Nou war Barça über weite Strecken die bessere Mannschaft und zog letztlich verdient ins Finale am 23. Mai in Oslo ein. Dort trifft Barcelona auf Olympique Lyon um die deutsche Nationalspielerin Jule Brand.
Trotzdem verkauften sich die Münchnerinnen deutlich besser als noch zu Beginn der Königsklassen-Saison, als sie gegen die Katalaninnen mit 1:7 untergegangen waren. Linda Dallmann und Pernille Harder trafen diesmal für den deutschen Meister. Zum ersten Finaleinzug der Clubgeschichte reichte es zwar nicht, doch der Auftritt zeigte die Entwicklung der Mannschaft eindrucksvoll.
Stolz trotz Aus – Barcala sieht große Zukunft
Trainer José Barcala, der wie Top-Verteidigerin Franziska Kett gesperrt fehlte und die Partie aus einem verglasten Bereich auf der Tribüne verfolgen musste, machte seiner Mannschaft nach dem Spiel Mut. Der Coach sieht den eingeschlagenen Weg klar bestätigt und kündigte an, dass noch viel Potenzial in diesem Team stecke.
Auch Präsident Herbert Hainer lobte den Auftritt. Bayern könne mit erhobenem Haupt nach München zurückkehren, betonte er. Gegen aus seiner Sicht die beste Mannschaft der Welt habe der FCB ein starkes Spiel gemacht, weitere Sympathien gesammelt und unterstrichen, dass sich der Club immer stärker in der europäischen Spitze etabliere.
Gwinn zog ebenfalls ein positives Fazit. Mit etwas Abstand werde entscheidend sein, das mitzunehmen, was die Mannschaft geleistet habe – darauf könne man stolz sein. Dallmann meinte, es habe zwar nicht ganz gereicht, aber das Team habe das richtige Gesicht gezeigt.
Nur Barça bezwang Bayern – nun lebt noch der Double-Traum
Die Entwicklung der Münchnerinnen wird auch durch die Saisonbilanz unterstrichen: Seit der deutlichen 1:7-Niederlage zum Auftakt der Ligaphase verlor die Mannschaft kein weiteres Spiel mehr – überhaupt waren die beiden Duelle mit Barcelona bislang die einzigen Niederlagen dieser Saison. Der Traum vom Triple ist mit dem Champions-League-Aus zwar geplatzt, das Double ist aber weiter möglich: Im DFB-Pokal-Finale wartet Wolfsburg.
Werbung für den Frauenfußball
Neben dem Sportlichen war das Halbfinale auch ein starkes Zeichen für den Frauenfußball. Schon das Hinspiel in der Allianz Arena hatten 31.000 Fans verfolgt, das Rückspiel im Camp Nou setzte mit fast doppelt so vielen Zuschauerinnen und Zuschauern noch einmal einen drauf. Hainer sprach von einer beeindruckenden Kulisse. Klara Bühl hatte bereits vor dem Anpfiff darauf verwiesen, wie sehr das Wachstum des Frauenfußballs an solchen Bildern abzulesen sei.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion