Wirtschaft

Handelsstreit eskaliert – USA verhängen neue Zölle gegen Kanada

Trump eskaliert den Kanada-Streit: 50 Prozent Strafzoll drohen – dabei kämpfte Ottawa bis zuletzt um eine letzte Wende.

22.08.2026, 06:33 Uhr

Frist im Zollstreit zwischen den USA und Kanada abgelaufen

Im Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada ist die von US-Präsident Donald Trump gesetzte Frist für neue Strafzölle endgültig verstrichen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen traten in der Nacht US-Zölle von 50 Prozent auf zahlreiche kanadische Produkte in Kraft.

Kanadas Premierminister Mark Carney erklärte, die Gespräche mit Washington seien vorerst beendet. Die kanadischen Unterhändler seien nach Ottawa zurückbeordert worden. Bis zuletzt sei intensiv an einer Einigung gearbeitet worden, kurzfristige Änderungen an den US-Bedingungen seien jedoch unfair gewesen und hätten keine wirtschaftlich tragfähige Grundlage für ein Abkommen geboten. Ziel sei das bestmögliche Ergebnis für Kanada gewesen – nicht ein Abschluss um jeden Preis.

Auf die Frage, warum die Lage inzwischen wie ein Handelskrieg wirke, sagte Carney: Wenn man angegriffen werde, befinde man sich im Krieg – und Kanada sei angegriffen worden.

Nach Angaben aus Washington betreffen die neuen Zölle kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar. Das entspricht etwa fünf Prozent aller kanadischen Exporte in die USA. Genannt wurden unter anderem Wein, Hockeyschläger und Möbel. Trump hatte die Maßnahmen bereits im Juli angekündigt; ursprünglich sollten sie schon am Mittwoch in Kraft treten. Kurz vor Fristablauf gewährte der US-Präsident jedoch noch einen Aufschub, seitdem liefen Verhandlungen unter Hochdruck weiter.

Carney kündigt Gegenzölle ab 8. September an

Kanada will nun mit eigenen Maßnahmen reagieren, allerdings nicht sofort. Carney kündigte Gegenzölle ab dem 8. September an. Diese sollen sich auf Bereiche wie Stahl, Milchprodukte, landwirtschaftliche Ausrüstung und Elektrogeräte konzentrieren.

Carney sprach von einer gezielten Antwort, die kanadische Industrien schützen und ihnen helfen solle, sich auf dem Heimatmarkt gegen US-Produkte zu behaupten. Zugleich kritisierte er, dass die Begründungen der USA für ihre Zölle ständig wechselten. Als Beispiele nannte er Fentanyl, Rauch von Waldbränden, Steuern auf US-Technologiekonzerne oder sogar einen kanadischen Werbespot mit einem Zitat des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan.

Washington sieht vorerst keine neue Verhandlungsrunde

Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer bestätigte das Scheitern der Gespräche und dämpfte die Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Er erklärte, die USA hätten Kanada bessere Bedingungen angeboten als jedem anderen großen Handelspartner. Für Ottawa sei das nun eine verpasste Gelegenheit.

Greer machte zudem deutlich, dass Washington bereits an einer Reaktion auf die von Kanada angekündigten Gegenzölle arbeitet. Neue Gespräche mit der kanadischen Seite seien derzeit nicht geplant.

Berichten zufolge hatten Vertreter beider Länder bis tief in die Nacht verhandelt. Zwischenzeitlich war sogar von einer möglichen Wiederbelebung der Erweiterung der Keystone-Pipeline die Rede, einem langjährigen Wunschprojekt Trumps. Im Gegenzug hätten kanadische Provinzen unter anderem ihren Verkaufsstopp für US-Alkohol lockern können. Noch am Mittwoch hatte sich Trump optimistisch gezeigt und erklärt, er glaube an eine gute Vereinbarung für beide Seiten.

Konflikt erfasst zunehmend auch kleinere Unternehmen

Die Beziehungen zwischen Ottawa und Washington haben sich seit Trumps Amtsantritt spürbar verschlechtert. Gründe dafür sind bereits eingeführte Zusatzzölle, wiederholte Drohungen des US-Präsidenten gegen Kanada sowie seine mehrfach geäußerte Idee, das Nachbarland als 51. Bundesstaat in die USA einzugliedern. Als Reaktion auf frühere US-Maßnahmen nahmen mehrere kanadische Provinzen etwa Alkohol aus den USA aus den Regalen und warben verstärkt für heimische Produkte.

Der Handelsexperte Andreas Schotter von der Ivey Business School weist darauf hin, dass frühere Zollrunden vor allem Stahl, Aluminium, Autos und Holz betroffen hätten. Die aktuelle Runde treffe nun deutlich breiter auch kleinere Hersteller, Konsumgütermarken, Händler und Lieferanten von Baumaterialien. Nach seiner Einschätzung dürften die neuen Regeln die Ausfuhren dieser Produkte in die Vereinigten Staaten auf längere Sicht spürbar verringern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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