Wirtschaft

Expertin: Trotz Missernte bleiben Regale voll

Schlechte Ernte, doch keine leeren Regale? Warum Experten trotzdem bei Kartoffeln und Äpfeln vor höheren Preisen warnen.

22.08.2026, 04:00 Uhr

Nach schwacher Ernte: Keine leeren Regale, aber höhere Preise bei einzelnen Lebensmitteln

Die lange Hitzeperiode und der ausbleibende Regen haben die diesjährige Ernte deutlich belastet. Nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbands sind die Erträge vielerorts geringer als erhofft. Für Verbraucher bedeutet das nach Ansicht von Marktexperten jedoch nicht, dass bestimmte Waren aus den Supermärkten verschwinden werden. Mit Preisaufschlägen bei einzelnen Produkten ist aber zu rechnen.

Judith Dittrich von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) betonte gegenüber der dpa, dass die Versorgung gesichert sei. Gleichzeitig erwartet sie, dass manche Obst- und Gemüsearten spürbar teurer werden. So seien Salatgurken zuletzt bereits klar kostspieliger gewesen als im Vorjahr. Auch bei Äpfeln fällt die Ernte kleiner aus als im starken Jahr 2025. Da hier zunächst noch Lagerbestände auf den Markt kommen, dürfte sich ein Preisanstieg erst mit Verzögerung bemerkbar machen. Bei Kartoffeln sei diese Entwicklung hingegen schon jetzt sichtbar.

Brotpreise wohl kaum wegen der Ernte stark unter Druck

Bei Brot und Backwaren rechnet Dittrich nicht mit kräftigen Preissteigerungen allein wegen der kleineren Getreideernte. Zwischen der Ernte des Getreides und dem Verkauf eines Brotes lägen zahlreiche Verarbeitungsschritte, weshalb sich Ernteschwankungen nur begrenzt direkt auf den Ladenpreis auswirkten. Wichtiger seien in diesem Bereich etwa die Energiekosten in der Produktion.

Bauernverband spricht von enttäuschendem Jahr

Der Deutsche Bauernverband hatte die diesjährige Ernte am Dienstag als enttäuschend bezeichnet. Besonders in Süd- und Westdeutschland habe der Niederschlagsmangel zu schwachen Erträgen geführt, in manchen Kulturen sogar zu massiven Ausfällen, erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Betroffen seien unter anderem Winterweizen, die wichtigste Getreideart, sowie Winterraps, der zusätzlich unter Schädlingsbefall gelitten habe. Bei Kartoffeln erwartet der Verband lediglich ein mittleres bis eher schwaches Ergebnis.

Auch Bewässerung hilft vielerorts nur begrenzt

Selbst auf bewässerten Flächen rechnen Landwirte oft nicht mit durchschnittlichen Erträgen. In trockenen Regionen gibt es außerdem Probleme bei der Versorgung mit Tierfutter: Auf vielen Wiesen wächst nach dem ersten Schnitt wegen der anhaltenden Trockenheit kaum noch Gras nach.

Lebensmittel in fünf Jahren deutlich teurer geworden

Schon in den vergangenen Jahren sind die Preise für Lebensmittel stark gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts legten Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zwischen Juli 2021 und Juli 2026 um 32,6 Prozent zu. Die allgemeine Inflation in Deutschland betrug im selben Zeitraum 21,5 Prozent.

Verbraucher achten weiter stark auf den Preis

Barbara Kopske vom Marktforschungsunternehmen Nielsen IQ verweist darauf, dass nicht nur Erntemengen die Preise beeinflussen. Dennoch geht sie davon aus, dass die Kosten in mehreren Warengruppen weiter steigen könnten. So seien etwa Tiefkühlprodukte zuletzt bereits teurer geworden; kleinere Ernten könnten diesen Trend noch verstärken. Bei Molkereiwaren seien die Preise dagegen zuletzt eher gesunken.

Insgesamt lägen die Lebensmittelpreise derzeit leicht unter dem Niveau des Vorjahres, so Kopske. Dazu trügen unter anderem viele Sonderangebote, die hohe Nachfrage nach günstigeren Eigenmarken und die große Bedeutung von Discountern bei. Nach Beobachtung von Nielsen IQ kaufen Verbraucher weiterhin sehr preisbewusst ein und vergleichen die Preise im Regal genau.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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