Wirtschaft

Krasse Lohnlücke: Ausländer verdienen weiter weniger

Jeder dritte ausländische Vollzeitjob ist ein Niedriglohnjob – bei Deutschen viel seltener. Was steckt hinter der Lohnlücke?

22.08.2026, 05:55 Uhr

Der Verdienstunterschied zwischen deutschen und ausländischen Vollzeitbeschäftigten hat Ende 2025 in Deutschland 23,6 Prozent betragen. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der AfD im Bundestag hervor. Demnach lag das Median-Monatsbrutto deutscher Vollzeitkräfte bei 4.396 Euro, ausländische Beschäftigte kamen auf 3.358 Euro.

Damit bewegt sich die Lücke in etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre seit 2020, in denen sie zwischen 23,1 und 25,5 Prozent lag. Beim Median handelt es sich um den Wert, bei dem jeweils gleich viele Beschäftigte mehr und weniger verdienen. Im Unterschied zum Durchschnitt wird dieser Wert nicht durch sehr hohe Einzelgehälter verzerrt.

Viele ausländische Beschäftigte im Niedriglohnbereich

Nach den vorliegenden Zahlen arbeiteten 2025 30,6 Prozent der ausländischen Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnbereich. Bei deutschen Vollzeitkräften lag dieser Anteil bei 12,3 Prozent. Der AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer wertete die Daten als Beleg für seine Kritik an der Einwanderungspolitik der Bundesregierung und sprach von einem starken Druck auf die Löhne.

Aus den Zahlen selbst lässt sich ein solcher Effekt jedoch weder eindeutig nachweisen noch widerlegen. Sie geben keinen Aufschluss darüber, wie sich die Einkommen ohne Zuwanderung entwickelt hätten. Zudem stiegen die Median-Entgelte sowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Beschäftigten. Bundesregierung und Bundesagentur für Arbeit verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Einkommen stark von Bildung, Qualifikation und Berufserfahrung abhängen.

Eine gesonderte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass Lohnunterschiede zwischen Zugewanderten und Einheimischen zu einem großen Teil damit zusammenhängen, dass Eingewanderte seltener in gut bezahlten Branchen oder höheren Positionen tätig sind.

Wie eng Qualifikation und Einkommen zusammenhängen, zeigen weitere Daten der Bundesagentur für Arbeit: Beschäftigte ohne Berufsabschluss erreichten 2025 ein Median-Entgelt von 3.133 Euro. Bei Vollzeitkräften mit anerkanntem Berufsabschluss lag der Wert bei 4.069 Euro, bei Akademikerinnen und Akademikern bei 6.146 Euro.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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