Wirtschaft

EZB: Warum der Euro die Weltmärkte plötzlich erobert

Trump setzt Europa unter Druck – jetzt will die EZB den Euro zur globalen Macht machen. Dafür bringt sie heikle Ideen ins Spiel.

02.06.2026, 10:00 Uhr

Der Euro hat nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den internationalen Finanzmärkten an Gewicht gewonnen. Wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte, hat sich die weltweite Rolle der Gemeinschaftswährung im Jahr 2025 leicht verbessert. Damit habe der Euro seine Stellung als zweitwichtigste Währung nach dem US-Dollar weiter untermauert.

2025 erreichte die Emission internationaler Schuldtitel in Euro dem Bericht zufolge den höchsten Wert seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Gegenüber dem Vorjahr legte das Volumen um etwa 30 Prozent zu. Zudem wurde der Euro laut EZB erstmals zur wichtigsten Währung auf dem globalen Markt für grüne und nachhaltige Anleihen. Auch ausländische Portfolioinvestitionen in den Euroraum bewegten sich demnach in der Nähe historischer Spitzenwerte. Insgesamt stieg der Anteil des Euro an mehreren Indikatoren der weltweiten Nutzung auf rund 20 Prozent.

Lagarde sieht Chance für den Euro

Die EZB will die internationale Bedeutung des Euro neben dem Dollar weiter ausbauen. Das gilt auch als Reaktion auf die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump. Ein stärkerer Euro könnte nach Ansicht der Notenbank dazu beitragen, Finanzierungen in der EU günstiger zu machen. Außerdem würden stärkere Wechselkursschwankungen weniger Auswirkungen haben, wenn ein größerer Teil des Handels in Euro abgewickelt wird. Auch gegenüber Sanktionen wäre Europa in diesem Fall widerstandsfähiger.

Nach Angaben der EZB wurden 2025 weltweit rund 57 Prozent der Währungsreserven in Dollar gehalten, während der Euro auf 20 Prozent kam. Trumps konfrontativer Kurs und seine Zolldrohungen hatten zuletzt Zweifel an der dominierenden Rolle des Dollar ausgelöst, der zeitweise deutlich an Wert verlor. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits 2025 in Berlin erklärt, der Moment sei günstig für einen größeren internationalen Einfluss des Euro.

EZB drängt auf Reformen und gemeinsame Schulden

In ihrem Bericht verweist die EZB zugleich auf wachsende Spannungen im globalen Finanzsystem. Zentralbanken hätten ihre Goldbestände erhöht, zudem arbeiteten einige Staaten an alternativen Zahlungssystemen. Nach Ansicht Lagardes eröffnet das dem Euro die Möglichkeit, weltweit attraktiver zu werden. Dafür müssten Europas Regierungen allerdings die nötigen politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen.

Lagarde betonte, der Euroraum müsse wirtschaftlich an Größe gewinnen und zugleich tiefere sowie liquide Kapitalmärkte schaffen, damit der Euro tatsächlich zu einer globalen Leitwährung werden könne. Darüber hinaus sprach sie sich für eine gemeinsame Schuldenaufnahme in der EU aus. Zusätzliche Schritte wie die gemeinsame Finanzierung öffentlicher Güter könnten helfen, einen sicheren und liquiden Markt für EU-Staatsanleihen aufzubauen.

Dem EZB-Bericht zufolge ist der Markt für US-Staatsanleihen fast dreimal so groß wie das Volumen hochwertiger Staatsanleihen, die in der EU begeben werden. Da Zentralbanken ihre Devisenreserven meist in gut bewerteten Staatsanleihen und Einlagen halten, könnte das vergleichsweise knappe Angebot solcher Papiere im Euroraum das weitere Wachstum der internationalen Euro-Rolle bremsen.

Gemeinsame EU-Schulden bleiben politisch allerdings hoch umstritten. Deutschland hat solchen Modellen bislang nur in Ausnahmefällen zugestimmt, etwa beim Corona-Wiederaufbaufonds oder bei der Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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