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Vom Ballermann zur WM: Warum Schüler jetzt singt

Vom Ex-Kicker zum Ballermann-Star: Michael Schüler bringt jetzt einen WM-Song raus – und seine Story überrascht.

02.06.2026, 10:00 Uhr

Vom Fußballplatz an den Ballermann: Michael Schüler startet als Micha Schue durch

Am Nachmittag steht Michael Schüler in der Nähe des Stadions des 1. FC Köln und trägt das, was längst zu seinem Erkennungszeichen geworden ist: ein Trikot mit der Nummer 25. Diese Zahl begleitete ihn einst in den letzten Jahren seiner aktiven Laufbahn bei seinem Heimatclub TuS Ahbach in Rheinland-Pfalz – heute ist sie Teil seines Auftritts als Partysänger auf Mallorca.

Der 28-Jährige hat bereits mehrere Rollen durchlebt: einst Hoffnungsträger im Fußball, dann Abwehrspieler, später Reality-TV-Teilnehmer und inzwischen Künstler am Ballermann. Unter dem Namen Micha Schue singt er Partyschlager und steht im Bierkönig auf der Bühne. Sein Lied „Wir schwenken das Trikot“ passt nicht nur zur WM-Stimmung, sondern verbindet auch zwei Welten, die sein Leben geprägt haben.

Früher Traum vom Profifußball

Schüler stammt aus der Eifel, weit weg vom großen Rampenlicht des Profisports. Trotzdem stand für ihn schon als Kind fest, wohin die Reise gehen sollte: in den Profifußball. Cristiano Ronaldo war sein großes Vorbild, in der Defensive orientierte er sich an Sergio Ramos. Sein Spielstil war dabei eher hart und kompromisslos als elegant.

Im Nachwuchs spielte er unter anderem für Bayer Leverkusen und den 1. FC Köln. Mit 17 Jahren gehörte er zum erweiterten Kreis der U18-Nationalmannschaft. Später lief er für die zweite Mannschaft des FC auf, zog weiter über Koblenz nach Jena in die 3. Liga und gewann mit Steinbach Haiger den Hessenpokal. Auch im DFB-Pokal stand er auf dem Platz.

Michael Schüler
Ein Abstecher an alte Wirkungsstätte: Michael Schüler neben dem Stadion des 1. FC Köln. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Verletzungen und verpasste Chancen

Ganz geradlinig verlief seine Karriere allerdings nie. Schüler hatte immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Dazu kamen eigene Fehler. So brach er sich in jungen Jahren den Fuß, nachdem er aus Frust gegen einen Pfosten getreten hatte. Rückblickend spricht er mit einem Grinsen offen darüber und nimmt sich selbst nicht allzu ernst.

Der Sprung ganz nach oben gelang ihm letztlich nicht. Neben einer schweren Knieverletzung fehlte am Ende auch die sportliche Qualität, um sich dauerhaft im Spitzenbereich festzusetzen. Schüler weiß aus eigener Erfahrung, wie gering die Zahl derjenigen ist, die tatsächlich vom Fußball leben können.

Auch den Konkurrenzdruck aus dem Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Köln hat er nicht vergessen. Dort sei es jederzeit möglich, durch jüngere und bessere Spieler ersetzt zu werden. Ein Mechanismus, den er heute auch aus seiner neuen Branche kennt.

Nach dem Fußball ins Reality-TV

Nach dem Ende seiner Fußballlaufbahn begann für Schüler ein neues Kapitel. Mit Fachabitur in der Tasche wagte er einen Weg, der in seiner Heimat zunächst eher skeptisch gesehen wurde: Reality-TV. In seinem Umfeld wurde das nicht immer ernst genommen. Dennoch machte er in Formaten wie „Couple Challenge“, „Are You The One“, „Germany Shore“ oder „The 50“ auf sich aufmerksam.

Anders als viele andere Reality-Gesichter setzte er dabei nicht auf künstliche Dramen, Liebesgeschichten oder Dauerstreit. Parallel absolvierte er eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann.

Mallorca wird zur neuen Bühne

Seine Verbindung zum Ballermann begann schon früher. Bei einer Mallorca-Reise mit der U21 des 1. FC Köln verlängerte er den Aufenthalt spontan um einen Tag – und entdeckte dabei seine Begeisterung für die Partyszene. Aus dem disziplinierten Nachwuchsfußballer wurde jemand, der auf Tischen feierte und als Stimmungsmacher auffiel.

Freunde brachten ihn schließlich auf die Idee, selbst auf die Bühne zu gehen. Schüler hielt das zunächst für unrealistisch, schließlich sah er sich nicht als Sänger. Doch aus seinem Umfeld kam die klare Botschaft: Das müsse kein Hindernis sein. Über einen guten Freund entstand der Kontakt zu Produzent Michael Rötgens von Xtreme Sound. Eine ZDF-Dokumentation begleitete 2024 seine ersten Schritte als Micha Schue.

Im Studio wurde er ohne große Vorbereitung ins kalte Wasser geworfen. Der erste Song „Die ganze Herde auf Safari“ blieb noch ohne größere Wirkung. Der Durchbruch kam erst im darauffolgenden Sommer mit „Sternhagelvoll“. Damit avancierte der frühere Fußballer zu einem der auffälligsten Newcomer der Saison. Auf weitere Reality-TV-Formate möchte er sich vorerst nicht konzentrieren.

Ballermann und Fußball: mehr Gemeinsamkeiten als gedacht

Auch in der Partyschlager-Szene ist der Konkurrenzdruck enorm. Viele wollen auftreten, aber nur wenige bekommen die begehrten Bühnenplätze. Im Vergleich zum Fußball gibt es noch weniger Ausweichmöglichkeiten. Während sich dort Talente auf viele Vereine verteilen können, läuft auf Mallorca vieles auf zwei große Adressen hinaus: Bierkönig oder Megapark.

Mittlerweile ist Micha Schue im dritten Jahr als Partysänger aktiv. Er tritt im Schnitt einmal pro Woche im Bierkönig auf, singt außerdem in Deutschland und am Goldstrand in Bulgarien. Zuletzt stand er sogar gemeinsam mit Ballermann-Größe Lorenz Büffel auf der Bühne. Seine Show dauert rund 35 Minuten – also kürzer als eine Halbzeit im Fußball.

Botschaft an Jüngere

Mit seinem ungewöhnlichen Lebensweg möchte Schüler auch anderen Mut machen. Aus seiner Sicht muss nicht jeder streng einem klassischen Lebensplan folgen. Schule, Ausbildung, Studium, Beruf – das sei nur eine von vielen Möglichkeiten. Entscheidend sei, den eigenen Weg zu finden und das zu tun, worauf man wirklich Lust hat.

Fußball bleibt Teil seiner Identität

Sein aktueller WM-Song liegt ihm besonders am Herzen. In „Wir schwenken das Trikot“ besingt er Zusammenhalt über Vereinsgrenzen hinweg. Die Idee dahinter: Trotz unterschiedlicher Farben kann man gemeinsam feiern. Genau das, sagt er, erlebe man auch am Ballermann, wo Fans verschiedenster Clubs meist friedlich miteinander feiern.

Dass Schüler fast immer im Trikot auftritt und diese inzwischen sogar online verkauft, zeigt, wie eng seine Vergangenheit als Fußballer mit seiner heutigen Karriere verbunden ist. Für ihn ist der Sport noch immer ein wichtiger Teil seiner Identität.

Eine Weltmeisterschaft als Fan oder Künstler hat er bisher noch nie live erlebt. Umso besonderer ist die aktuelle Phase für ihn – gerade auch wegen seiner eigenen Vergangenheit im Fußball.

Mit dem neuen Lied schließt sich für Michael Schüler ein Kreis: vom Nachwuchsspieler auf dem Rasen zum Entertainer auf der Bühne. Ob der Song ein großer Hit wird, ist für ihn dabei zweitrangig. Wichtiger ist, dass das Projekt für ihn eine echte Herzenssache ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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