Kaffeekonsum in Deutschland: teuer, aber weiterhin sehr gefragt
Trotz deutlich gestiegener Preise bleibt Kaffee für viele Menschen in Deutschland ein fester Bestandteil des Alltags. Im Schnitt werden hierzulande pro Kopf und Jahr mehr als 160 Liter konsumiert. Das geht aus einem neuen Kaffeereport von Tchibo, dem Magazin Brand Eins und der Datenplattform Statista hervor. Grundlage ist unter anderem eine repräsentative Online-Befragung von 1.500 Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinkern im Alter von 18 bis 75 Jahren, die im Januar durchgeführt wurde.
Im Durchschnitt 3,2 Tassen am Tag
Kaffeetrinkende in Deutschland kommen laut Studie im Mittel auf 3,2 Tassen täglich. Besonders hoch ist der Konsum bei den 56- bis 65-Jährigen mit 3,6 Tassen pro Tag. Die jüngste untersuchte Gruppe zwischen 18 und 21 Jahren trinkt mit 2,3 Tassen deutlich weniger. Männer greifen im Schnitt zu 3,4 Tassen, Frauen zu 3,0.
Fast jede zwölfte befragte Person trinkt sogar mehr als fünf Tassen täglich. Rund zwei Drittel sagen zudem, dass sie sich ein Leben ohne Kaffee kaum vorstellen können. Bei Frauen ist diese Bindung mit 72 Prozent etwas ausgeprägter als bei Männern mit 62 Prozent. 18 Prozent geben an, praktisch immer Kaffee trinken zu können.
Filterkaffee bleibt vorne – Vollautomaten holen auf
Am beliebtesten ist weiterhin Filterkaffee: 47 Prozent bevorzugen diese Variante. Dahinter folgen Caffè Crema mit 38 Prozent, Cappuccino mit 34 Prozent und Latte Macchiato mit 26 Prozent. Letzterer ist insbesondere bei Frauen deutlich gefragter als bei Männern.

Auch bei den Geräten zeigt sich ein Wandel. Noch nutzen 43 Prozent eine klassische Filterkaffeemaschine, 42 Prozent setzen bereits auf einen Vollautomaten. Regional fallen die Unterschiede stark aus: In Ostdeutschland liegt die Filtermaschine bei 55 Prozent, im Süden dagegen nur bei 35 Prozent. Der Vollautomat hat in den vergangenen Jahren stark zugelegt. 2015 lag sein Anteil noch bei 19 Prozent, während damals 72 Prozent auf die Filtermaschine setzten.
Nach Einschätzung von Tchibo-Sprecherin Karina Schneider ist dieser Trend nicht allein auf Bequemlichkeit zurückzuführen. Eine größere Rolle spielten auch ganze Bohnen, frischere Zubereitung und ein bewussterer Umgang mit Kaffee. Beim Kauf von Geräten achten Verbraucherinnen und Verbraucher laut Statista vor allem auf leichte Reinigung, einfache Bedienung und eine lange Lebensdauer.
Kaffee wird zunehmend als Luxus gesehen
Viele Haushalte legen sich Kaffee auf Vorrat. 63 Prozent haben ein bis drei Packungen zu Hause, jede sechste Person sogar noch mehr. 85 Prozent kaufen gezielt dann, wenn Kaffee im Angebot ist. Nur vier Prozent achten dabei nicht auf Rabattaktionen.
Ein Grund dürfte die Preisentwicklung der vergangenen Jahre sein. Wegen höherer Rohstoffpreise, Trockenheit und schlechterer Ernten ist Kaffee spürbar teurer geworden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Preis für Bohnenkaffee im April 2026 im Durchschnitt 57 Prozent über dem Niveau von 2020. Zwar haben große Handelsketten die Preise ihrer Eigenmarken zuletzt etwas reduziert, insgesamt bleibt Kaffee aber deutlich teurer als noch vor einigen Jahren. Laut Marktforscher YouGov greifen deshalb mehr Menschen zu günstigeren Handelsmarken.
Für 47 Prozent der Befragten gilt Kaffee inzwischen als Luxusgut. 22 Prozent sehen das nicht so. Weitere 31 Prozent wollen sich nicht klar festlegen, geben aber an, heute stärker auf den Preis zu achten.
Was Verbraucher für ein Kilo Kaffee zahlen würden
35 Prozent wären bereit, für ein Kilogramm Kaffee zwischen 10 und 12,99 Euro auszugeben. 26 Prozent akzeptieren Preise von 13 bis 15,99 Euro, 12 Prozent würden 16 bis 19,99 Euro zahlen. 21 Prozent möchten höchstens 9,99 Euro ausgeben. Nur 7 Prozent würden noch mehr bezahlen, davon 1 Prozent sogar über 40 Euro pro Kilo.
Gleichzeitig sagen knapp 40 Prozent, dass sie auch dann weiter Kaffee trinken würden, wenn er eigentlich teurer wäre, als sie es gerne hätten.
Beim Kauf zählen laut Statista vor allem Geschmack, ein günstiger Preis, die Bohnenart und die Marke.
Schmerzgrenze im Restaurant
Für einen Espresso im Restaurant liegt für viele die persönliche Obergrenze bei 4,50 Euro. Wird er teurer, würden 46 Prozent darauf verzichten. Bei den 66- bis 75-Jährigen liegt die Schmerzgrenze im Schnitt bei 4 Euro, bei den 18- bis 21-Jährigen dagegen bei 5 Euro.
Im europäischen Vergleich unterscheiden sich die Preise erheblich. Laut der Datenbank Numbeo kostet ein Cappuccino im Restaurant in Italien durchschnittlich 1,74 Euro, in Dänemark dagegen 5,65 Euro. In Finnland und Schweden werden im Schnitt 4,37 Euro fällig. Deutschland liegt mit 3,57 Euro im oberen Mittelfeld. In fast allen 27 EU-Staaten sind die Preise höher als noch 2025.
Was sich Kaffeefans wünschen
Auf die Frage, was sie beim Thema Kaffee am liebsten verändern würden, nannten 20 Prozent günstigere Preise insgesamt. Jeweils 16 Prozent wünschen sich bezahlbareren nachhaltigen Kaffee sowie bessere Arbeitsbedingungen in den Anbauländern. 11 Prozent sprechen sich für höhere Einkommen der Kaffeebauern aus. 10 Prozent nennen besseren Geschmack und höhere Qualität als wichtigsten Wunsch.
Lieblingstasse, Tee als Ersatz und neue Ideen
Für viele spielt nicht nur der Kaffee selbst eine Rolle, sondern auch das Gefäß. Drei Viertel der Befragten sagen, dass es ihnen wichtig ist, aus ihrer Lieblingstasse zu trinken. 20 Prozent meinen sogar, ohne diese schmecke der Kaffee nicht richtig. Nur 11 Prozent ist die Tasse egal.
Wenn kein Kaffee verfügbar ist, würden 51 Prozent stattdessen Tee trinken. 32 Prozent würden zu Wasser greifen, 22 Prozent zu Kakao oder heißer Schokolade und 20 Prozent zu Cola oder anderen koffeinhaltigen Softdrinks.
Kaffee aus dem Labor? Viele bleiben skeptisch
Neue Konsumformen stoßen bislang nur begrenzt auf Zustimmung. Nur 32 Prozent würden sich morgens Kaffee per Lieferdienst direkt ans Bett bringen lassen. 36 Prozent wären bereit, einen von künstlicher Intelligenz zusammengestellten Kaffee zu probieren. 20 Prozent würden Kaffee trinken, der nicht natürlich angebaut, sondern im Labor hergestellt wurde.
Ganz auf Kaffee verzichten und Koffein stattdessen etwa in Tablettenform aufnehmen? Das können sich nur 15 Prozent vorstellen. Bei den 18- bis 35-Jährigen liegt dieser Anteil allerdings bei mehr als einem Drittel.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion