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El Niño kommt – und facht die Klima-Krise extrem an

El Niño steht wohl vor der Tür – drohen jetzt noch mehr Hitze, Dürren und Fluten? Was das Klimaphänomen weltweit auslösen kann.

02.06.2026, 09:00 Uhr

Die Weltwetterorganisation WMO hält das Wiederauftreten des Klimaphänomens El Niño für sehr wahrscheinlich. Damit steigt nach Einschätzung der Organisation das Risiko für extreme Wetterereignisse in vielen Teilen der Welt. Frühere El-Niño-Phasen brachten je nach Region schwere Dürren, Überschwemmungen und zusätzliche Hitzebelastung.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte bereits gewarnt, dass El Niño die Folgen der menschengemachten Erderwärmung zusätzlich verstärken kann. Extreme Wetterlagen könnten dadurch intensiver ausfallen und sich weiter ausbreiten.

El Niño dürfte das Wetter bis Ende des Jahres prägen

Nach WMO-Angaben ist es sehr wahrscheinlich, dass El Niño kommt und das Wetter mindestens bis Ende des Jahres beeinflusst. Wie stark das Ereignis am Ende ausfällt, lässt sich derzeit aber noch nicht verlässlich sagen.

In Medien und Teilen der Forschung wird bereits über einen möglichen Super-El-Niño spekuliert, also über eine besonders starke Ausprägung. Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung hält das für möglich, aber keineswegs für sicher. Seine Einschätzung: 50 zu 50. Ob es dazu kommt, hänge vor allem von Windschwankungen im Pazifik ab, die sich bislang nur schwer vorhersagen lassen.

Das jüngste El-Niño-Ereignis trat 2023/24 auf und gehörte laut WMO zu den fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950. Seitdem sind erst zwei Jahre vergangen. Davor lag zwischen den Episoden 2015/16 und 2023/24 ein Abstand von sieben Jahren.

El Niño tritt im Regelfall alle zwei bis sieben Jahre auf, dauert meist neun bis zwölf Monate und erreicht seinen Höhepunkt häufig zwischen November und Februar. Das Gegenstück mit umgekehrten Vorzeichen heißt La Niña.

Höhepunkt zum Jahreswechsel, Temperaturwirkung vor allem 2027

Die stärksten Auswirkungen auf das Wetter zeigen sich bei einem El Niño typischerweise rund um den Jahreswechsel. Auf die globale Durchschnittstemperatur wirkt sich das Phänomen aber meist erst im darauffolgenden Jahr besonders deutlich aus, weil dort ein komplettes Kalenderjahr in die Messung eingeht.

In diesem Fall könnte der Effekt also vor allem 2027 sichtbar werden.

Welche Folgen drohen weltweit?

Bei El Niño verlagern sich im tropischen Pazifik warmes Wasser und Wolken in Richtung der sonst eher trockenen Küsten Südamerikas. Das kann vor allem in Teilen Südamerikas und später auch in einigen Ländern Ostafrikas heftige Überschwemmungen begünstigen.

In Südostasien, Ostaustralien und teils bis nach Südostafrika steigt dagegen das Risiko für Dürren und Waldbrände.

Die WMO betont, dass ein El Niño die Auswirkungen des Klimawandels zusätzlich verschärfen kann. Wenn der tropische Pazifik und die Atmosphäre wärmer sind, steht mehr Energie und Feuchtigkeit für extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen und Starkregen zur Verfügung.

Auswirkungen auf Europa eher begrenzt

Für Mitteleuropa erwarten Fachleute weiterhin eher geringe direkte Folgen. Die Klimaforscherin Daniela Domeisen von der ETH Zürich verweist darauf, dass Europa weit vom tropischen Pazifik entfernt liegt. Bis das dortige Klimasignal hier ankomme, werde es von vielen anderen atmosphärischen und ozeanischen Einflüssen überlagert.

Wenn überhaupt, sei in Mitteleuropa eher mit kühlerem und nasserem Wetter als üblich zu rechnen.

Ganz ohne Folgen bleibt El Niño für Europa aber nicht zwingend. Der Gießener Forscher Armin Bunde verweist auf mögliche indirekte Auswirkungen: Schlechte Ernten im Pazifikraum könnten die Preise für Zucker, Kaffee und Kakao steigen lassen.

Klimawandel macht El Niño nicht nachweislich stärker

Ob der Klimawandel El-Niño-Ereignisse selbst verstärkt, ist wissenschaftlich bislang nicht belegt, betont die WMO. Klar sei jedoch, dass El Niño in einer ohnehin aufgeheizten Welt zusätzliche Risiken mit sich bringt und bestehende Klimafolgen verstärken kann.

2027 könnte den Rekord von 2024 übertreffen

Besonders aufmerksam verfolgt wird die Entwicklung der globalen Temperaturen. Laut einem aktuellen WMO-Bericht liegt die Wahrscheinlichkeit bei 86 Prozent, dass eines der Jahre zwischen 2026 und 2030 eine höhere globale Durchschnittstemperatur erreicht als das bisherige Rekordjahr 2024.

Wegen eines möglichen El Niño könnte das bereits 2027 geschehen.

2024 lag die globale Durchschnittstemperatur rund 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau von 1850 bis 1900. Im Pariser Klimaabkommen haben sich die Staaten darauf verständigt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Nach bisher verbreiteter Definition gilt dieses Ziel aber erst dann als dauerhaft verfehlt, wenn der Durchschnittswert über 20 Jahre hinweg oberhalb dieser Marke liegt.

WMO fordert Vorbereitung in sensiblen Bereichen

Die WMO empfiehlt Regierungen und humanitären Organisationen, sich frühzeitig auf mögliche Folgen in besonders klimasensiblen Bereichen einzustellen. Dazu zählen vor allem Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Energieversorgung und Wasserwirtschaft.

Nötig seien unter anderem Pläne für die Nahrungsmittelsicherheit und für zusätzliche Belastungen im Gesundheitssystem. WMO-Chefin Celeste Saulo betont, dass saisonale Vorhersagen und Frühwarnsysteme entscheidend seien, um Menschen zu schützen und wirtschaftliche Schäden möglichst zu begrenzen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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