Wirtschaft

EZB kippt Hürden für Großbanken im Euroraum

EZB dreht an den Bankenregeln: Dutzende Vorgaben fallen oder werden entschärft – und trotzdem soll nichts lockerer werden?

26.06.2026, 11:38 Uhr

Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank will ihre Vorgaben für große Institute im Euroraum vereinfachen. Nach Angaben von EZB-Direktoriumsmitglied Frank Elderson wurden mehr als 130 aufsichtsrechtliche Veröffentlichungen geprüft. Rund 40 davon sollen gestrichen, überarbeitet oder aktualisiert werden, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind.

Elderson erklärte in einem Blogbeitrag, das Ziel sei, die aufsichtsrechtlichen Leitlinien in einem zunehmend komplexen Risikoumfeld klar, einheitlich und praktikabel zu halten.

Leitfaden zur Governance wird entschärft

Unter anderem soll ein geplanter Leitfaden zu Unternehmensführung und Risikokultur bei Banken in abgeschwächter Form weiterverfolgt werden. Anstelle dessen plant die EZB nun einen Bericht mit bewährten Praktiken, der im ersten Quartal 2027 veröffentlicht werden soll.

Elderson betonte jedoch, dass dies nichts an der grundsätzlichen Bedeutung guter Unternehmensführung und einer soliden Risikokultur ändere. Beides bleibe ein wesentlicher Bestandteil der Widerstandsfähigkeit von Banken.

Insgesamt sollen die Anpassungen dazu führen, dass die Aufsichtsunterlagen schlanker und leichter zugänglich werden. Zugleich machte Elderson deutlich, dass es bei der Vereinfachung nicht um einen Abbau von Aufsicht oder um niedrigere Standards gehe. Die Anforderungen an Banken sollten nicht abgesenkt werden.

Bankenbranche fordert weniger Regulierung

International haben Aufseher in Ländern wie den USA und Großbritannien bereits Regeln gelockert, die nach der weltweiten Finanzkrise eingeführt worden waren. Besonders in den USA wurde dieser Kurs unter Präsident Donald Trump vorangetrieben.

Auch Bankenverbände in Deutschland drängen deshalb auf Entlastungen und verweisen auf den globalen Wettbewerb. Europäische Institute müssten konkurrenzfähig bleiben. Kritische Stimmen warnen jedoch davor, die Regulierung zu stark zurückzunehmen und damit neue Risiken für das Finanzsystem zu schaffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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